/ Anstoß - Gedanken zum Tag
Ich kann nicht mehr, lass mich sterben!
Jens Kilian zu 1. Könige 19,4.
Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Ginster und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter.
„Ich kann nicht mehr.“ Manchmal sind wir einfach mit unseren Kräften am Ende. Wenn es nur körperliche Anstrengung bei harter Arbeit war, kommen die Kräfte möglicherweise schnell wieder. Aber häufig liegen die Gründe für die Erschöpfung tiefer. Ein Grund kann Enttäuschung sein, dass alle Anstrengung nicht zum erhofften Ziel geführt hat. Ein anderer Grund wäre Perspektivlosigkeit, wenn man nicht mehr weiß, wie es im Leben weitergehen soll.
Manchmal höre ich den Wunsch: „Herr lass mich doch sterben.“ Wenn Krankheit kommt und die Kräfte einen Menschen verlassen, ist das vielleicht sogar nachvollziehbar, insbesondere wenn jemand Vorfreude auf den Himmel hat. Was gäbe es Schöneres, als die neue Welt Gottes zu sehen, wo es keine Schmerzen und kein Leid mehr gibt?
Der Prophet Elia hat für Gott gelebt, gearbeitet und gekämpft. Aber nun ist er auf der Flucht vor der Königin Isebel, die ihn finden und umbringen lassen will. Er fühlt sich einsam und erschöpft.
Allein wanderte er einen Tag lang weiter bis tief in die Wüste hinein. Zuletzt ließ er sich unter einen Ginsterstrauch fallen und wünschte, tot zu sein. »HERR, ich kann nicht mehr!«, stöhnte er. »Lass mich sterben! Irgendwann wird es mich sowieso treffen, wie meine Vorfahren. Warum nicht jetzt?«
Interessant ist, wie die Geschichte weitergeht. Gott sagt nicht: Stell dich nicht so an! Er gönnt Elia erst mal Schlaf und Essen. Aber dann vermittelt Gott dem Propheten: Ich habe noch wichtige Aufgaben für dich!
Vielleicht gilt das auch für Sie und mich. Kann es sein, dass jemand Sie braucht, dass Sie noch eine wichtige Aufgabe haben oder jemand Ihr Gebet benötigt? Wenn Gott der Meinung ist, dass Ihr Platz noch hier ist, hat das bestimmt Gründe.
Für glaubende Menschen gilt: Im Himmel gibt es noch viel Zeit zum Feiern. Jetzt gilt es die Aufgaben anzunehmen, die Gott hier für uns hat.
Ihr Kommentar
Kommentare (3)
Mir gefällt der Gedanke, dass Gott uns braucht. Wir dürfen nie die Flinte ins Korn werfen, weil er immer noch Pläne mit uns hat!
Selbst wenn das Leben sinnlos erscheint, gibt es immer noch etwas, was Gott für uns bereit hält. Eine Aufgabe, eine neue Liebe. Wir denken, wir sind am Ende doch Gott kann täglich für einen neuen Anfang sorgen! Danke für diesen Impuls!
Ähnliche Erfahrungen machen wohl viele Menschen - eventuell nicht ganz so spektakulär und auch je nacht Temperament unterschiedlich stark.
Die Geschichte geht ja nach vierzig Tagen weiter: „Und er … mehrstand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte
bis zum Berg Gottes, dem Horeb. [Horeb ist in der Bibel eine andere Bezeichnung für den Berg Sinai.] Das sei ein Marsch von vielleicht zwei- oder dreihundert Kilometern gewesen. Dann fragt Gott den Elia eindringlich: "Was tust Du hier?"
Ob sofort, nach 40 Minuten oder 40 Jahren (und damit komme ich auf Jens Kilian zurück): "Vielleicht gilt das auch für Sie und mich. Kann es sein, dass jemand Sie braucht, dass Sie noch eine wichtige Aufgabe haben oder jemand Ihr Gebet benötigt?"
Nicht nur vielleicht - mit Sicherheit hat Gott (noch) einen Job für uns auf der Erde, sonst hätte er uns nicht bis hierher gebracht.
Vielen Dank für Ihren Beitrag, Herr Kilian!