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Gottes Warndreieck

Der Bibeltext Amos 1,1-2 und 3,3-8 – ausgelegt von Katharina Steiner.

Dies ist’s, was Amos, der unter den Schafzüchtern von Tekoa war, gesehen hat über Israel zur Zeit Usijas, des Königs von Juda, und Jerobeams, des Sohnes des Joasch, des Königs von Israel, zwei Jahre vor dem Erdbeben. Und er sprach: Der HERR wird aus Zion brüllen und seine Stimme aus Jerusalem hören lassen, dass die Auen der Hirten vertrocknen werden und der Karmel oben verdorren wird. So spricht der HERR: Um der drei, ja der vier Frevel willen derer von Damaskus will ich es nicht zurücknehmen, weil sie Gilead mit eisernen Dreschschlitten gedroschen haben;[...]

Amos 1,1-2 und 3,3-8

Der Prophet Amos und sein Auftrag

Um in diesen Text eintauchen zu können, vergegenwärtigen Sie sich bitte Folgendes:

  • Der zum Propheten berufene Hirte Amos wirkt um 750 v. Chr. herum und stammt aus der Stadt Tekoa in Juda. Tekoa bedeutet „ein Zelt aufschlagen“ und dann auch «Trompete» oder «Schofar».
  • Amos wird von Gott nach Bethel  (»Haus Gottes«) gesandt, um dort dem sorglos, üppig lebenden Volk eine ernste Botschaft zu verkünden – also, um kräftig in die Trompete zu blasen! Denn Reichtum, Verschwendung, Betrug, Unterdruck und Gesetzlosigkeit bestimmen zusehends dieses »Haus Gottes«, wovon weit und breit nichts mehr zu sehen ist.

Das ist die Ausgangslage.
 

Amos’ Botschaft und die Gegenwart

Nun bin ich fast unbemerkt bei uns, im Jahr 2026, angekommen. Nicht in einer Stadt, in der es zu und hergeht wie in Bethel – sondern in unserer krebskranken Welt, an der ich mitgewirkt habe. Ja, es wäre zu einfach, bei der Widerspenstigkeit des jüdischen Volkes in Bethel stehen zu bleiben. Ich suche die Nähe zum Jetzt, denn die ganze heutige Welt ist so wie Bethel von Sorglosigkeit, Gesetzlosigkeit und Betrug betroffen.

Amos hat in den Tagen von König Usija über Israel geschaut. Ich glaube, dass Gott ihn mit seinen Prophetenaugen innerlich schauen lässt, was auf Bethel wartet, wenn es nicht zur Umkehr findet. Amos wird das Erdbeben geschaut haben, das auf Israel wartet, weshalb er das Volk zu warnen hat … Warnung tritt, ganz nach dem Wesen Gottes, als barmherziger Akt auf, wenngleich die Ansagen, die Amos aufgetragen werden, auf den ersten Blick unbarmherzig erscheinen mögen. Doch eine Warnung beinhaltet die Chance zur Buße und zur Umkehr. Unser Vater im Himmel sieht immer das ganze Bild … Und davon teilt Er seit jeher an seine treuen Propheten aus. Ich habe einen sehr fairen Gott, der weiß: Meine Reaktion auf Seine Warnung bestimmt meine Zukunft. ER hofft und plant immer das Beste für mich: Umkehr. Umkehren ist meine Aufgabe.
 

Amos spricht Klartext zum Volk:

»Ihr müsst wissen, ihr habt es mit eurer sorglosen Genusssucht und Betrügerei so weit getrieben, dass Gott seine Stimme so laut über euch erschallen lassen wird, dass die Auen der Hirten trauern und der Gipfel des Karmel verdorren wird.« ’Karmel’ bedeutet ’der Park’ oder ’Fruchtgarten Gottes’. »Mit dieser Fruchtbarkeit wird es ohne Umkehr für längere Zeit aus und vorbei sein.« Amos sagt eigentlich eine große Dürre und Hungersnot voraus. Ein schwerer Auftrag, doch zur Wahrheit gibt es keine ebenbürtige Alternative.
 

Fragen, die zur Entscheidung führen

Amos ist mutig und gehorsam. Während er mitten unter dem Volk ist, stellt er ihnen eine Menge Fragen. Lauter Fragen, in denen die Antwort bereits enthalten ist. Er fängt bei den Tieren an und kommt dann zu den Menschen. Zum Volk in Bethel, denen Amos gerade den Marsch bläst … Er fragt unter anderem:

  • Brüllt der Löwe im Wald, wenn er keinen Raub hat?
  • Gerät ein Vogel in die Falle am Boden, wenn ihm kein Köder gelegt wurde?
  • Kann man in das Horn stoßen in der Stadt, ohne dass das Volk erschreckt?

Frage um Frage führt er sie zu seiner Hauptfrage:

  • »Was meint ihr: Geschieht auch ein Unglück in der Stadt, das der HERR nicht gewirkt hat?«

Anders gesagt: »Was denkt ihr, passiert das einfach grundlos, wenn der HERR ein Unglück über eine Stadt, ein Volk, ein Land verhängt?«
 

Gottes Gericht und seine Liebe

Diese letzte Frage könnte Gott missverständlich darstellen. Aber im Kontext der Bibel wird deutlich, dass Gott keine Freude daran hat, Gericht zu halten. Deswegen warnt Er zuerst. Oft lange, bevor ein Gericht nicht mehr aufzuhalten ist. Das ist dann der Fall, wenn Menschen die guten, förderlichen Ordnungen Gottes über den Haufen geworfen und ihren Schöpfer eigensinnig weggesperrt haben. Diese Missachtungen führen meist automatisch, als Konsequenz des gewählten gottfernen Weges, zu großen Nöten. Unser Vater im Himmel sehnt sich tief danach, möglichst viele seiner geliebten Menschenkinder aus den Fängen des Bösen zu befreien.

Denken Sie an Ninive: Weil die Niniviten auf Jonas’ Warnung eingegangen sind, widerfährt ihnen das angesagte harte Gericht nicht. Sie lassen sich durch Jonas Gerichtsansage von Gott zurechtlieben! Einsicht, Buße und Umkehr halten Gott mit Freude davon ab, Gericht zu üben oder zuzulassen. Doch wo immer wir Menschen an unseren eigensinnigen Wegen festhalten, sieht die Zusammenarbeit mit Gott eben anders aus:

  • Anhaltende Eigensinnigkeit und Sturheit führen zu verstockten Herzen Gott gegenüber (siehe Pharao in Ägypten),
  • … der als letztmögliche Chance, Menschen zu befreien, ein hartes Gericht in Erwägung zieht, das Er – innerhalb seiner Grenzen – der Zerstörungswut überlässt. Ich verstehe: Wo ich als Mensch mit unbereinigter Schuld lebe, gebe ich dem Teufel leider gute Karten in die Hand, die er als Ankläger vor Gott rechtmäßig gegen mich auszuspielen weiß. Dafür geht Jesus ja ans Kreuz! Das sind seine 100 Prozent für uns. Doch auch ich habe einen Teil beizutragen, damit der Feind mit seinen Anklagen gegen mich bei Gott abblitzt. Was Jesus am Kreuz für mich erwirkt – etwa die volle Vergebung – ist kein Selbstläufer; es bleibt eine Zusammenarbeit zwischen Gott und dem Menschen. Gott agiert nicht willkürlich. Weder am Kreuz, noch in seinen Gerichten. Gerichte, die Er zulässt oder wirkt, sind eine Antwort auf meinen Umgang mit dem von Ihm geschenkten Leben … Doch lange bevor Er zum Gericht schreitet, schickt Er in Liebe, mit der ich mich zu ihm nach Hause bringen möchte, Warnungen zu mir. Bis heute auch über seine treuen Propheten (Amos 3,7). Denn Gott hat keine Freude an Gerichten.
  • Den Level derselben bestimme ich Mensch nun mal mit. Weil Gott nebst Liebe auch Wahrheit ist, beurteilt und richtet er, was wahr oder gelogen ist. Alle meine Grenzüberschreitungen erfordern entweder eine Umkehr oder ein Gericht. Gott antwortet auf meinen gewählten Lebensplan und hofft mit Sehnsucht auf meine Umkehr – damit Er nicht richten braucht und ich ins Vaterhaus finde.

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