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Gott persönlich erfahren

Die Bibelstelle Maleachi 3,1 – ausgelegt von Hans-Georg Filker.

Siehe, ich will meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten soll.

Maleachi 3.1

Es ist mir bewusst: die direkte Frage, die ich Ihnen gleich stellen werde, könnte Sie überfordern. Aber manchmal, denke ich, ist es gar nicht so schlecht, mal mit der Tür ins Haus zu fallen, als ewig drumherum zu schleichen. Worum geht es?

Haben Sie in Ihrem Leben persönliche Erfahrungen mit Gott gehabt? Wie sehen die aus?

Nun ja, persönliche Gotteserfahrungen sind wirklich kein alltägliches Smalltalk-Thema. Zwar hat fast jede und jeder irgendwie eine Vorstellung von Gott, aber in unseren Breiten redet man eher selten über den eigenen, persönlichen Glauben. Religion ist Privatsache. Oft Tabu-Thema. Damit fällt Glaube in der Kommunikation unter uns oft schlicht aus. Obwohl viele schon in Krisenzeiten so etwas wie eine besondere Bewahrung erfahren haben. Schutzengel, sagt man gerne.

Vermutlich würden Sie mir jetzt lieber eine Gegenfrage stellen. Was ist denn eine „persönliche Gotteserfahrung“? Diese Rückfrage ist berechtigt und ich freue mich, darauf einzugehen. Denn entscheidend ist: wie redet Gott? Kann jede, jeder ihn hören und verstehen?

Meine Antwort wird Sie vielleicht überraschen: jeder und jede hat mit Gott zu tun. Nur registrieren wir seine Gegenwart und sein Handeln oft nicht.  Dabei hängt Gottes Handeln ja nicht von unserem Glauben oder unserer Wahrnehmung ab.

Wie kommt es zu dieser Wahrnehmungslücke? Zu dieser Unsicherheit, die manchmal fast in eine Gottesphobie umschlägt?

Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass wir in unseren Breiten „Gotteserfahrung“ ganz ins „Innerliche“ verlegt haben. Der Theologe Schleiermacher, der den Protestantismus nachhaltig geprägt hat, definiert Glaube als ein Gefühl schlechthinniger Abhängigkeit. Glauben, das macht man mit sich selbst aus, oder eben nicht.

Das Verständnis dafür, dass jeder unserer Atemzüge auf den Schöpfungsakt Gottes zurückgeht, ist dabei verloren gegangen. Das Gott uns per Definition als Schöpfer nahe ist, kann ich mir leicht klar machen. Jede und jeder von uns ist ein Beweis von und für Gottes Realität. Aber er hat es nicht dabei belassen. Ein neues Licht auf unsere Gottesbeziehung fällt durch Jesus Christus, weil durch ihn der Dialog mit Gott auf Augenhöhe leichter wird. Jesus nimmt einen Satz auf, der aus dem Propheten Maleachi im Alten Testament, der hebräischen Bibel, stammt. Gott sagt dort:

Siehe, ich will meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten soll.“

Offensichtlich liebt Gott vorbereitete Verhältnisse.

Auch Jesus hatte einen Vorläufer, einen Wegbereiter, bekannt unter dem Namen Johannes der Täufer. Ein Engel? Das Wort Engel kommt aus dem Griechischen und heißt übersetzt schlicht Bote. Und Boten, auch die biblischen, haben ganz unterschiedliches Aussehen und Aufgaben. Sie sind im Auftrag des HERRN unterwegs. Bis heute.

Wir treffen sie in unserem Alltag. Fast immer, wenn Sie Anlass haben, „Gott sei Dank“ zu sagen, ist Ihnen einer begegnet. Ich nehme diese Gotteserfahrungen nicht richtig wahr, wenn ich denke, Gott müsse mir immer spektakulär oder ungewöhnlich begegnen. Und jetzt kommt es noch besser: manchmal „benutzt“ Gott uns, Sie und mich, um anderen Gutes zu tun. Dann werden wir seine Engel, ganz ohne Pausbäckchen und Flügelchen, aber bewegt von Gottes Gegenwart, mitten unter uns.

Achten Sie mal darauf, wie Gott Ihnen heute auf vielfältige Weise begegnet – und für wen Sie sein Engel sein könnten. Gottes Liebe wird gern menschlich – und sein Geist weht, wo er will, übrigens auch außerhalb der christlichen Gemeinden. Das schafft überraschende Begegnungen, wenn ich drauf achte.

Das wünsche ich Ihnen heute!

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