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/ Herz + Mund

Erbarme dich

Martin Buchholz kommentiert ein Lied aus der Reihe „HERZ+MUND“.

Schon lange sitzen sie sich gegenüber.
Der Abend füllt den Raum mit grauem Licht.
Und vor dem Fenster hasten Leute vorüber.
Sie schaut ihn an. Doch er bemerkt es nicht.

Versunken starrt er tief in seine Tasse.
Der schwarze Kaffee ist seit Stunden kalt.
Er hört von draußen nur den Lärm der Straße.
Sie fühlt sich unbeschreiblich müde und alt.

Sie denkt zurück an all die warmen Tage,
als sie die Welt und ihre Liebe verstand.
Nun kreist ihr Blick nur um die eine Frage:
Wann kam der Tag, als das Vertrauen verschwand?

Er sieht die nie erwähnten kleinen Fluchten.
Dass sie zu weinen anfängt, sieht er nicht.
Sie denkt an Freunde, die sie gern besuchten,
und wer dran schuld ist, wenn die Liebe zerbricht.

Wer spricht das erlösende Wort? Wer bricht das Schweigen?
Wer treibt ihre Ängste fort?
Wer spricht das erlösende Wort? Wer bricht das Schweigen?

Ja, es gibt diese Situationen im Leben, in denen es uns die Sprache verschlägt. Wenn uns die Worte schmerzhaft fehlen, dann kann es helfen, sich Worte zu leihen, am besten altbewährte und durchlebte Worte, wie die in den alten Büchern aus der Leihbücherei mit Eselsohren und Kaffeeflecken. Worte, die das Schweigen brechen, damit unsere Klage und Sehnsucht nicht ungehört verhallen, sondern einen Adressaten finden. Vielleicht ein Satz wie dieser aus dem Jahrhunderte alten Gebet der Kirche:

„Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach.
Aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund!“

Link zum Lied

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