/ Bibel heute
Die Feste feiern, wie sie fallen
Der Bibeltext 5. Mose 16,1-17 – ausgelegt von Walentin Schüle.
Achte auf den Monat Abib, dass du Passa hältst dem HERRN, deinem Gott; denn im Monat Abib hat dich der HERR, dein Gott, bei Nacht aus Ägypten geführt. Und du sollst dem HERRN, deinem Gott, das Passa schlachten, Schafe und Rinder, an der Stätte, die der HERR erwählen wird, dass sein Name daselbst wohne. Du sollst kein Gesäuertes dazu essen. Sieben Tage sollst du Ungesäuertes essen, Brot des Elends – denn in Hast bist du aus Ägyptenland geflohen –, auf dass du des Tages deines Auszugs aus Ägyptenland gedenkst dein Leben lang.[...]
Feiertage, Feste und Achtsamkeit
Man soll die Feste feiern, wie sie fallen – so lautet ein Sprichwort. Immer wieder wird diskutiert, ob im Land nicht ein Feiertag gestrichen werden kann. Welchen sollte man denn streichen? Den zweiten Weihnachts-, Oster-, Pfingsttag oder vielleicht den 1. Mai?
Der heutige Bibeltext spricht von Festen für das alttestamentliche Volk Israel, die sie regelmäßig halten und feiern sollen. Er fängt mit dem Wort „Achte“ an. Gerade in der letzten Zeit wird viel von Achtsamkeit gesprochen. Es ist aber kein neues Thema. Steht schon im Alten Testament.
Und es zieht sich durch die ganze Bibel. Immer wieder werden Menschen von den Propheten und Aposteln und auch direkt von Gott aufgerufen, bestimmte Anweisungen zu beachten. Wir sollen zum Beispiel auch aufeinander Acht haben, und auf das, was dem anderen gehört. Und wir sollen auch auf uns selbst achten und nicht achtlos durchs Leben gehen.
Passafest: Befreiung, Erinnerung und Erfüllung
Zuerst geht es um das Passafest. Es wurde im Monat Abib [im Frühjahr] gefeiert und soll dem Herrn gewidmet sein. Dieses Fest erinnert jedes Jahr an die Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Sklaverei. Es war eine Nacht- und Nebelaktion, die Gott mit dem Volk Israel veranstaltete.
In Eile sollte noch mal kräftig gegessen werden. Ein Lamm sollte geschlachtet werden. Die Familie musste sich versammeln und alles aufessen. Dazu gehörte ungesäuertes Fladenbrot. Und dann kam der Aufbruch ins Unbekannte Land, in dem ein gutes Leben versprochen wurde.
Und nun lag eine 40-jährige Wüstenwanderung hinter dem Volk Israel, und es stand kurz vor der Einnahme des gelobten Landes. Eine neue Generation wuchs heran.
Da Gott aber um die Vergesslichkeit der Menschen weiß, gibt er durch Mose dem Volk noch eine ganze Reihe wichtiger Anweisungen.
Das Passafest soll ein Erinnerungsfest sein, das immer wieder die Liebe und die Zuwendung Gottes an das Volk in Erinnerung ruft. Doch jetzt soll das Passa nicht in großer Eile stattfinden. Es soll sieben Tage anhalten und mit einer Festversammlung enden.
Dieses Fest wurde später über Jahrhunderte vernachlässigt. In der Regel ging dies mit der Gottlosigkeit und dem Ungehorsam des Volkes Gott gegenüber einher. Dafür blühte der Götzendienst.
Zur Zeit von Jesus Christus wurde das Passafest wieder gefeiert. Und Gott nutzte eben dieses Fest, um ihm eine ganz neue Bedeutung zukommen zu lassen. An diesem Festtag gab das wahre Opferlamm Gottes sein Leben am Kreuz von Golgatha für die Sünden der ganzen Welt hin. Johannes der Täufer hatte es angekündigt, als Jesus ihm entgegen lief: „Siehe, das ist das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinweg trägt.“
Damit hat für uns heute das alttestamentliche Passafest eine ganz neue Bedeutung bekommen. Am Karfreitag feiern wir den Tod von Jesus Christus für die Schuld der ganzen Welt - und am Ostersonntag seine siegreiche Auferstehung. Wer das im Glauben annimmt, bekommt von ihm Vergebung der Sünden, den Zuspruch der Rechtfertigung vor Gott und ewiges Leben.
Das ist vielmehr, als ein Mensch in seinem ganzen Leben verdienen kann mit guten Werken. Und auch die größte Spende eines Millionärs würde nicht ausreichen, um sich das ewige Leben in der Gegenwart von Jesus Christus zu erkaufen. Wir werden im 5. Buch Mose auch daran erinnert, dass wir einen Tag der Woche die Arbeit beiseitelegen sollen, um uns auszuruhen und Zeit mit Gott zu verbringen. Im Idealfall ist es bei den meisten in unserem Land der Sonntag. Den sollten wir dann auch nutzen, um mit anderen Christen Gott zu loben und sich von ihm durch sein Wort beschenken zu lassen.
Pfingsten: Heiliger Geist und Evangelium
Am fünfzigsten Tag nach dem Passafest sollte das Volk Israel wieder zusammenkommen, um für die Weizenernte zu danken und daran erinnert zu werden, dass Gott seinem Volk die Tora, die fünf Bücher Mose, gegeben hat. Auch wir Christen feiern nach Ostern das Pfingstfest. An diesem Tag im Neuen Testament hat Gott seinen Heiligen Geist auf die Nachfolger von Jesus Christus und auf seine Gemeinde ausgegossen. Den hat Jesus Christus versprochen zu senden, wenn er wieder zu seinem Vater zurückgekehrt ist. Und er hat sein Wort gehalten. Wie er es übrigens immer getan hat und auch heute noch tut. Nun konnten die Nachfolger von Christus mit ganz neuem Mut und neuer Kraft die frohe Botschaft des Evangeliums verkündigen.
Weder Drohungen noch Schläge oder Gefängnis konnten die Boten damals aufhalten. Das war sicher auch der Grund, dass innerhalb kurzer Zeit die damals bekannte Welt von dem christlichen Glauben erfasst wurde. Durch den Heiligen Geist bekommt das Evangelium auch seine durchdringende Kraft, so dass auch die schlimmsten Sünder vor Gott kapitulieren und eine radikale Veränderung ihres Lebens erfahren.
Laubhüttenfest, Freude und Dankbarkeit heute
Und noch ein drittes Fest, das Laubhüttenfest, sollten die Israeliten alle Jahre feiern. Es sollte besonders an das karge Leben während der Wüstenwanderung erinnern. Dieses Fest wurde im Herbst gefeiert. Sieben Tage wohnte man in einfachen, mit Laub bedeckten Hütten. Auch die Obst- und Getreideernte wurde damit verbunden. Am Ende aber sollte es mit einem großen Dankfest zum Abschluss kommen.
Es gab in Israel durch die vielen Kriege auch immer viele Waisen, Witwen und Fremdlinge. Auch sie sollten bei den Festen gut bedacht werden. Sie sollen genauso mitfeiern. Auch dieses Fest soll als Freudenfest zu Ende gehen. Besonders die Freude an der Tora, am Wort Gottes, soll hier zum Ausdruck gebracht werden. Somit haben wir in der Bibel klare Hinweise, dass auch wir in der Zeit des Neuen Testaments allen Grund zum Feiern haben. Wichtig ist natürlich, welchen Inhalt unsere Feste haben. Gerade Christen haben viel Grund zu feiern: An Weihnachten – weil uns ein Heiland und Retter vom Vater im Himmel geschenkt wurde. An Karfreitag und Ostern feiern wir den Tod und die Auferstehung von Jesus Christus. Nun ist der Weg zu Gott frei. Jeder darf kommen und Vergebung und ewiges Leben bekommen.
An Pfingsten danken wir für den Heiligen Geist, der denen gegeben wird, die an Jesus Christus glauben.
Und im Herbst haben wir immer wieder viel Grund, für die Ernte des Jahres zu danken. Von einem kleinen Garten erntete ich: Brombeeren, Erdbeeren, Johannisbeeren, Kirschen, Tomaten, Feigen, Äpfel, Zwetschgen, Trauben und verschiedene Kräuter.
Gott sei Lob und Dank.
Ihr Kommentar