/ Wort zum Tag
Das Beste ist Gottes Treue
Die Bibelstelle 1. Mose 32,11 – ausgelegt von Hans-Georg Wünch.
Jakob sprach: HERR, ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du an deinem Knechte getan hast.
Jakob ist schon eine interessante Persönlichkeit. Bereits sein Name ist merkwürdig, denn wörtlich übersetzt bedeutet er: „Er betrügt“. Jakob hatte diesen Namen bekommen, weil er bei seiner Geburt die Ferse seines Zwillingsbruders Esau umklammert hielt – so, als wolle er ihn daran hindern, als erster geboren zu werden. Später hat er dann seinen Namen immer wieder bestätigt. Zuerst nutzte er eine Situation, in der sein Bruder Esau müde und hungrig von der Jagd nach Hause kam, aus und brachte Esau dazu, ihm sein Erstgeburtsrecht für einen Teller Linsensuppe zu verkaufen. Dann erschlich er sich den Erstgeburtssegen, indem er sich bei seinem blinden Vater Isaak als Esau ausgab und ihn so betrog. Als er dann vor der Rache seines Bruders fliehen musste, erlebte er diese besondere Gottesbegegnung, bei der er in einem Traum eine Leiter sah, die in den Himmel reichte, und von Gott die Zusage bekam, dass er ihn bewahren und segnen werde. Und was macht Jakob in dieser Situation? Er macht einen Deal mit Gott: „Wenn du mich gesund und mit viel Besitz wieder in mein Land zurückbringen wirst, dann sollst du mein Gott sein“ – nachzulesen in 1.Mose 28,20-21.
Jakob ist offenbar ein Mann, der in allen Situationen für sich das Beste herausholen will. Und es scheint ihm auch immer zu gelingen. Selbst als er von seinem Schwiegervater bei der Hochzeit betrogen wird und zunächst die ältere Schwester Lea heiraten muss anstelle von Rahel, die er eigentlich liebte, erweist sich dies im Nachhinein für Jakob als ein großer Segen. Insgesamt werden ihm 12 Söhne und eine Tochter geboren. Schließlich ist er wirklich sehr reich geworden. Und er macht sich auf Gottes Anweisung hin auf den Weg zurück nach Hause.
Nun ist er kurz davor, seinem Bruder Esau zu begegnen. Und Jakob hat Angst, denn er weiß nicht, ob Esau noch ärgerlich ist über seinen Betrug. Man hat den Eindruck, dass Jakob in dieser Situation zum ersten Mal wirklich begreift, dass er auf Gott und dessen Hilfe angewiesen ist. Diesmal kann er sich nicht selbst aus der Schwierigkeit befreien oder sie gar für seine eigenen Zwecke benutzen. Jakob begreift, dass er ganz und gar von Gott abhängig ist. Und er sieht, dass dies schon sein ganzes Leben so war. Mit nichts als seinem Wanderstab war er nach Haran gekommen. Und Gott hatte ihn so gesegnet, dass er jetzt seine Frauen und Kinder und sein Vieh in zwei große Lager aufteilen konnte. Und Jakob begreift, dass er dies alles nicht sich selbst und seinen manchmal nicht so ganz ehrlichen Machenschaften zuschreiben kann, sondern dass er das alles Gott verdankt – und das unverdient!
Auch wir sollten uns hin und wieder Zeit nehmen, um darüber nachzudenken, was Gott in unserem Leben getan hat. Vielleicht nehmen Sie sich heute einmal Zeit dafür. Nehmen Sie sich einen Zettel und fangen Sie an, darauf zu notieren, was sie in Ihrem Leben Gott verdanken. Wo er Sie gesegnet und Ihnen Gutes getan hat. Und wo Sie erlebt haben, dass er Ihnen hilft.
Allzu oft schauen wir auf die Dinge, die uns fehlen und vergessen, auf das zu sehen, was wir haben. Da kann es helfen, dass wir uns einmal ganz bewusst an die Situationen erinnern, in denen wir Gottes Barmherzigkeit und Treue erfahren haben. Und wenn Ihr Zettel gefüllt ist mit diesen Erinnerungen, dann können Sie sicher einstimmen in das Lob Jakobs: „HERR, ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du an deinem Knechte getan hast.“
Übrigens: Gott ist Jakob nach diesem Bekenntnis in einer besonderen Weise begegnet und hat dann dafür gesorgt, dass die Begegnung mit seinem Bruder Esau zur Versöhnung geführt hat. Vielleicht lesen Sie diese Geschichte einfach noch einmal nach im 1. Buch Mose, in den Kapiteln 32 und 33!
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