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Bitte um Verschonung & Hilfe

Die Bibelstelle Psalm 143,1-11 - ausgelegt von Gabriele Berger-Faragó

Ein Psalm Davids. HERR, erhöre mein Gebet, / vernimm mein Flehen um deiner Treue willen, erhöre mich um deiner Gerechtigkeit willen, und geh nicht ins Gericht mit deinem Knecht; denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht. Denn der Feind verfolgt meine Seele und schlägt mein Leben zu Boden, er legt mich ins Finstere wie die, die lange schon tot sind.[...]

Psalm 143,1-11

Einleitung

Wie geht es Ihnen heute? Fühlen Sie sich auch gerade in Not, innerlich vertrocknet oder von Feinden umzingelt, so dass Sie sich in dem Text wiederfinden? Oder sind Sie eher in einer leichten Lebensphase, in der Ihnen diese notvollen Zeilen befremdlich vorkommen?

Egal, wie es Ihnen gerade geht, dieser Psalm 143 enthält für alle in jeder Lebenslage heilsame Worte.
 

Historischer Hintergrund: König David

Der Psalm stammt von König David, der Israel rund 1000 v. Chr. etwa 40 Jahre lang regierte. Dabei hat er viel erlebt. Einerseits war er „ein Mann nach Gottes Herzen“, der voller Freude und Glauben viele Gebete und Lobpreislieder schrieb und sie selbst musikalisch begleitete; er erlebte großartige Zeiten während seiner Regierung und machte mit Gottes Hilfe Israel stark. Gleichzeitig durchlitt er auch harte Zeiten von Verrat und Verfolgung, von eigenen Fehltritten und deren Konsequenzen, von Angst und gefühlter Gottesferne.
 

Psalm mit breiter Gefühlspalette

Genau diese breite Palette von Erlebnissen und Gefühlen spiegelt sich in diesem Psalm wider. Es begeistert mich, wie König David ohne Scheu vor seinen großen Gott tritt und ihm alles offen erzählt, was ihn bewegt. Er schämt sich weder seiner Gefühle noch der Tatsache, dass diese zwischen Hoch und Tief, Vertrauen und Angst hin und her schwanken. Er weiß, dass Gott ihn mit all seinem inneren Chaos hört, sieht und annimmt.
 

Vers 1: 

a. Demut vor Gott

David beginnt daher mit der Bitte um Gottes Zuhören: „Herr, erhöre mein Gebet, vernimm mein Flehen!“ (Vers 1)

Das ist nicht nur eine fromme Floskel, sondern es macht deutlich, dass der große König sich bewusst ist, dass er vor dem noch viel größeren Schöpfer des Universums steht. Der mächtige David, der gewohnt ist zu befehlen, wird hier zum Bittenden, der vor Gott genauso klein ist wie alle Menschen. „Klein“ nicht im Sinne von „unbedeutend“, sondern im Sinne einer gesunden Demut, die um Gottes Allmacht und der eigenen menschlichen Begrenzungen weiß – König hin oder her.

Diese Allmacht Gottes empfindet David jedoch nicht als einschüchternd, sondern als befreiend und trostspendend, weil er Gott als treu und gerecht kennt:
„Herr, vernimm mein Flehen um deiner Treue willen, erhöre mich um deiner Gerechtigkeit willen.“ (Vers 1b)
 

b. Gottes Gerechtigkeit

Gottes Gerechtigkeit spielt in der ganzen Bibel eine große Rolle; David beginnt und schließt dieses Gebet mit ihr.

Das hier verwendete hebräische Wort צְדָקָה („Zedakah“) ist jedoch nicht mit unserem Begriff von Gerechtigkeit zu verwechseln. Unser europäisches Denken ist vom römischen Recht geprägt, das „Gerechtigkeit“ im Zusammenhang von Schuld und Strafe versteht: „Ausgleichende Gerechtigkeit“ nennen wir das, d. h. die Strafe soll die Schuld ausgleichen oder wieder gut machen. Die verbundenen Augen bei der Statue der Justitia mit der Waage, die Sie bestimmt kennen, weist zudem auf unser Verständnis von Gerechtigkeit als „gleiches Maß für alle ohne Ansehen der Person“ hin. Darüber hinaus heißt „gerecht“ für europäische Ohren oft „ohne Schuld“ oder „am Gesetz orientiert“.

Zwar passt einiges von diesen Aspekten der römisch gedachten Gerechtigkeit auch auf Gott, denn die Bibel beschreibt ihn als schuldlos, gesetzgebend und gesetzliebend, der nicht auf das Ansehen eines Menschen, sondern auf sein Herz schaut.

צְדָקָה („Zedakah“), Gottes Gerechtigkeit, meint im AT jedoch etwas ganz anderes: Es beschreibt Gottes Treue seinen geliebten Menschen gegenüber, sein Heilshandeln und seine Rettung für das Volk Israel und den einzelnen Menschen – ohne dass wir diese Liebe verdient hätten. Gott misst uns also gerade nicht mit dem Maß der römischen, juristischen Gerechtigkeit – sonst wäre aufgrund unserer Fehltritte Strafe statt Liebe angemessen. Sondern Gott sieht uns stattdessen mit den Augen der liebenden Gerechtigkeit, die sich an SEINEM Charakter von Treue, Hingabe und Hilfe orientiert, nicht an unserem Handeln von gut und böse.
 

Vers 2: Bitte um Gnade

Genau das wird im folgenden Satz deutlich, in dem David in seinem Gebet um Gottes Gnade bittet, obwohl kein Mensch vor ihm gerecht und ohne Schuld dasteht:
„Herr, geh nicht ins Gericht mit mir; denn vor dir ist kein Mensch unschuldig.“ (Vers 2).

Alle, die in Davids Gebet mit einstimmen, dürfen auf diese gnädige Gerechtigkeit Gottes hoffen.
 

Verse 3–9: Feinde machen Angst, Gott hilft

Das gilt auch in beängstigenden Situationen, die David in den folgenden Sätzen schildert:
„Der Feind verfolgt meine Seele. […]
Mein Herz in mir ist vor Angst erstarrt.“ (Verse 3+4)

Egal, ob unsere „Feinde“ Menschen sind oder im übertragenen Sinne bedrohliche Situationen: Wir dürfen mit Davids Worten Gott unser Vertrauen aussprechen und ihn um Hilfe bitten:
„Herr, erhöre mich bald. […]
Denn ich hoffe auf dich.“ (Verse 7+8)

Dabei besinnt sich David auf die früheren Zeiten und Taten Gottes; das schenkt ihm Hoffnung, dass Gott auch jetzt retten wird, weil er treu ist:
„Ich denke zurück an früher […]
und halte mir deine großen Taten vor Augen. […]
Meine Seele dürstet nach dir wie ausgedörrtes Land.“ (Verse 5+6)
 

Vers 6: Dürsten nach Gott

David „dürstet“ regelrecht nach Gottes Nähe, die ihm Zuflucht und Geborgenheit schenkt.

Kennen Sie dieses Gefühl der Sehnsucht nach Gottes Nähe und Hilfe, die sich wie seelischer Durst anfühlt? Welch Segen, wenn ein Mensch wie David schon erlebt hat und wieder erleben darf, dass Gott sich ihm tatsächlich zuwendet und hilft; sei es durch Kraft oder durch Ändern der Situation.
 

Vers 10: Bitte um Gottes Führung

Allerdings geht es David nicht darum, Gott wie einen Rettungsring in der Not zu benutzen, nur um ihn danach links liegen zu lassen. Vielmehr möchte er stets in Gottes Nähe sein und Gottes gute Wege gehen. Darum bittet er ihn um seine Führung:
„Lehre mich so zu leben, wie du es willst,
denn du bist mein Gott.
Führe mich auf sicherem Weg
durch deinen guten Geist.“ (Vers 10)
 

Ende: Vers 11

Ich ermutige Sie, dieses Gebet Davids zu nutzen, wenn Sie in Not sind. Lassen Sie sich von seinen Worten ermutigen und zum eigenen Gebet inspirieren. Ich schließe mit Davids Worten:
„Herr, stärke mich, weil du es versprochen
und mit deinem Namen besiegelt hast.
Führe mich aus der Not
um deiner Gerechtigkeit willen. Amen“ (Vers 11)

Sendetermine auf ERF Plus

Sonntag, 1. November 2026, 05:45, 11:45, 19:00

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