/ Wort zum Tag
Enge Grenzen überschreiten
Die Bibelstelle Apostelgeschichte 11,18 – ausgelegt von Rainer Kunick.
Die Apostel und die Brüder und Schwestern priesen Gott und sprachen: Nun hat Gott also auch den anderen Völkern die Umkehr zum Leben gewährt.
Es war für mich schon etwas Besonderes als ich vor Jahren zum ersten Mal über die Grenze nach Polen einreisen und meine Geburtsstadt in Schlesien besuchen konnte, ohne einen Ausweis zu zeigen. Welch eine Freude, endlich! Aber Grenzüberschreitungen können auch gefährlich sein, etwa, wenn ich die Grenzen von Alkoholkonsum überschreite, wenn ich zu sehr in das Privatleben einer Person eindringe, die es nicht möchte.
Um die Problematik der Grenzüberschreitung geht es auch im Zusammenhang des Gotteswortes aus der Apostelgeschichte für heute. Soll auch nichtjüdischen Menschen die rettende Botschaft von Jesus Christus verkündigt werden? Und wenn ja, welche jüdischen Vorschriften müssen sie einhalten? Die Verse vor unserem Gotteswort machen deutlich, dass Gott viel aufbieten, der Heilige Geist kräftig wehen musste, bis die Verantwortlichen zu der Erkenntnis kamen, wir können die Christusbotschaft nicht für uns behalten und unsere jüdischen Vorschriften sollen für Menschen aus anderen Völkern nicht gelten.
Und dann endlich: Die Apostel und die Brüder und Schwestern priesen Gott und sprachen: Nun hat Gott also auch den anderen Völkern die Umkehr zum Leben gewährt (Apostelgeschichte 11,18). Nun sind alle Menschen eingeladen, Jesus Christus als ihren Herrn und Heiland anzunehmen und sich zu ihm hinzuwenden. Gott lädt sie ein und schenkt ihnen die Möglichkeit zur Umkehr. Darüber preisen – so sagt es unser Gotteswort – die Apostel und die Brüder und Schwestern Gott.
Das gilt auch für uns heute. Christus lädt uns alle ein, Gemeinschaft mit ihm zu haben. Wenn sie dieses „Wort zum Tag“ heute – vielleicht ganz zufällig – hören, Sie sind eingeladen, zu Jesus Christus zu kommen. Er freut sich über Sie.
Auch wir, die wir vielleicht schon lange zu einer Gemeinde oder Gemeinschaft gehören, sollen Gott preisen, wenn Menschen sich von Jesus Christus finden lassen, zu ihm umkehren, auch wenn sie nicht zu uns kommen, weil unsere Gemeindeordnungen und Liturgien sie nicht ansprechen. Hauptsache sie kommen zu Christus. Vielleicht müssen wir manchmal unsere engen Gemeindeordnungen, Musikstile, Liturgien und anderes überdenken und unsere Grenzen erweitern. Oft sind sie vor langer Zeit entstanden und wir haben sie einfach übernommen. Inzwischen gibt es ja nicht nur Orgelklänge, sondern auch Musik von Bands, nicht nur alte Choräle, sondern auch Lobpreis. Über all das kann man streiten, Hauptsache: Christus wird verkündigt und erreicht die Menschen in ihren Lebenssituationen.
Eugen Eckert hat es einmal so gesagt:
Meine engen Grenzen,
meine kurze Sicht,
bringe ich vor dich.
Wandle sie in Weite:
Herr, erbarme dich.
© Ruth Schneider / ERF
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