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/ Wort zum Tag

Wie sag ich‘s weiter?

Die Bibelstelle 2. Timotheus 4,2 – ausgelegt von Gabriele Berger-Faragó.

Predige das Wort, stehe dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre.

2.Timotheus 4,2

Sind Sie schonmal Marathon gelaufen? Oder vielleicht haben Sie ein kompliziertes 4-Gänge-Menü gekocht? Blüht es bunt auf Ihrer Fensterbank? Manche von Ihnen nicken bei dem einen, andere bei etwas anderem – je nach dem, wo Ihre Begabungen liegen.

In der Bibel lese ich, dass es auch im geistlichen Bereich verschiedene Gaben gibt: Der eine kann gut predigen, die andere schön singen; manche haben ein Händchen für Kinder, andere für Deko. Wie gut, dass wir einander haben und uns gegenseitig ergänzen.

Nun lese ich jedoch im 2. Timotheusbrief, Kapitel 4,2:

„Verkündige das Wort, tritt dafür ein, zur Zeit oder Unzeit. Widerlege, tadle, bitte, in aller Geduld, mit guter Lehre.“

Wenn ich als Christ davon ausgehe, dass Gottes Wort für mich gilt, dann bringt mich dieser Satz evtl. ganz schön ins Schwitzen: Was ist, wenn ich einfach nicht die Gabe des Redens habe? Muss ich dann trotzdem predigen, mit zittriger Stimme und völlig lausig?

Die Antwort ist ein eindeutiges „Jein“, ein Ja und Nein.

Ich beginne mit dem Nein: Nein, wer eher schüchtern ist und sich mit Worten schwertut, muss kein berühmter Prediger werden. Dafür hat er andere Gaben, die er in Gottes Reich einbringen kann.

Aber doch, ja: Jeder Jesus-Nachfolger, egal wie rhetorisch begabt oder unbegabt, ist aufgefordert, seinen Mitmenschen das Wort Gottes zu bringen. Die Frage ist nur, wie.

Timotheus, der Empfänger des Paulusbriefs, in dem dieser Satz steht, ist ein junger, begnadeter Prediger. Der große Lehrer und Apostel Paulus ermutigt ihn, jede Chance zu nutzen, um Gottes Wort zu verkündigen. Timotheus und alle Verkündiger werden von Paulus angespornt, klug zu argumentieren und die Leute zum Evangelium durch Bitten einzuladen.

Andere von uns predigen vielleicht weniger gut mit Worten, dafür mit ihren Taten. Und auch das sollen sie mutig tun.

Allerdings darf die unterschiedliche Begabung verschiedener Menschen kein Hinderungsgrund sein, Gottes Wort zu verbreiten. Wenn sich jemand hinter seiner Nicht-Begabung zum Reden versteckt und den Mund hält, wo eigentlich eindeutig sein Bekenntnis zu Jesus gefragt ist, dann hat dies vielleicht eher mit Angst als mit mangelnder Gabe zu tun. Mancher Christ kann nicht so gut predigen. Doch wo ein Mensch gegen Gott spricht, oder wo einer tiefe Sinnfragen stellt, darf ein Christ nicht schweigen. Vielleicht kann er keine großartige Rede schwingen. Aber ein Satz, egal wie schüchtern, ist besser als Schweigen.

Was an dem zitierten Vers ebenfalls stören kann, ist der Ausdruck „zur Zeit oder zur Unzeit“. Das klingt total plump und unsensibel. Kennen Sie Menschen, die einen mit etwas zutexten, was man gar nicht hören will? Wenn ich als Christin auf diese Weise rüberkomme, dann kann das dem Evangelium eher schaden als nützen, oder nicht?

Zum Glück meint „zur Zeit oder Unzeit“ nicht „aufdringliches Vollquatschen“. Sondern da steht „in aller Geduld“ und „mit guter Lehre“. Ebenso steht da „Bitten, tadeln, widerlegen“; in anderen Übersetzungen steht auch „ermutigen“.

Das heißt, „gute Lehre“ schaut sich mit Liebe und Einfühlsamkeit das Gegenüber an, hört zu und sagt dann das Passende. Nicht viele Worte, sondern das richtige. Einer braucht knallharte, rational begründete und ihn widerlegende Argumentation; ein anderer braucht sanftes Bitten. Mancher will ermutigt werden; ein anderer ist vielleicht sogar dankbar, wenn ihm jemand mal sagt, dass er sein Leben gegen die Wand fährt. Aber eben „in aller Geduld“, „mit guter Lehre“, nicht taktlos und unhöflich.

Es lohnt sich, die Predigten von Paulus selbst nachzulesen, wie sie in der Apostelgeschichte überliefert sind. Denn auch, wer keine Predigtgabe hat, darf von Paulus lernen. Das kann damit beginnen, dass Sie sich klar werden, wie Sie zum Glauben kamen oder wie Gott Sie beschenkt, und davon mutig erzählen. Probieren Sie es aus und lassen Sie sich überraschen: Oft sind die Menschen viel offener, als Sie denken. Und ein guter Satz, ein feiner Same gesät, kann sich oft unbemerkt entfalten.

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