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/ Wort zum Tag

„Was ist in dem Rucksack?“

Die Bibelstelle Galater 6,2 – ausgelegt von Mike Lange.

Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

Galater 6,2

Ich gehe gerne wandern. Zusammen in der Großfamilie macht es besonders Spaß. Während einer längeren Tour kommt es regelmäßig vor, dass den Kindern selbst der kleinste Rucksack zu schwer wird. Sie fragen ihre Eltern: „Kannst Du bitte meinen Rucksack tragen?!“. Bei meinen eigenen Eltern wiederum ergreife ich eher die Initiative, weil ich sehe, dass es ihnen schwerfällt: „Hey Mama, gib mir ruhig Deinen Rucksack. Ich trage ihn für eine Weile.“ Manchmal komme ich mir dann schon wie der Lastesel des Tages vor.

Zur allgemeinen Erheiterung kommt mir der flotte Spruch über die Lippen: „Das ist ja zumindest biblisch, was ich hier tue. ‚Einer trage des andern Last‘, so steht dort schon geschrieben.“

Um exakt zu sein, lese ich im Brief des Paulus an die Galater 6,2: „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“

Menschen tragen ganz unterschiedliche Lasten in ihrem Leben. Manchmal ist es eine offensichtliche, schwere körperliche Last. Krankheit und Verlust können zu einer sichtbaren Belastung werden. Manchmal jedoch ist die Last auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Menschen sind einsam, fühlen sich schuldig und traurig, haben immer noch mit falschen Entscheidungen und Wunden aus ihrer Vergangenheit zu kämpfen.

Bei mir entsteht die Frage, inwieweit ich diesen unsichtbaren Rucksack des Anderen überhaupt kenne? Weiß ich, was sich dort drinnen an Inhalt und vor allem an Gewicht befindet?

Beim Wanderrucksack meiner Mutter weiß ich das schon etwas besser, denn ich kenne sie seit vielen Jahren, kenne ihre Gewohnheiten, ihre Art und Weise, kenne und erkenne ihre „Tagesform“.

Doch wie ist das bei meinem Nachbarn, meinem Arbeitskollegen, meinen christlichen Geschwistern in der Gemeinde? Wie gut kenne ich deren Last denn überhaupt?

Bis jemand seine Last mit mir teilt, sind wir schon einen Teil des Weges zusammen gegangen. Wir haben eine Beziehung zueinander aufgebaut. Wir haben einander Fragen gestellt, zugehört, versucht die Sichtweise unseres Begleiters besser zu verstehen.

Wenn Vertrauen aufgebaut ist, traue ich mich auch, jemand anderem meine Last anzuvertrauen.

Ich denke, eine vertrauensvolle Beziehung zueinander ist auch die Grundlage, um mit anderen Menschen über Gott, Jesus und das Evangelium zu sprechen. Dazu braucht es Zeit und ehrliche Liebe zu meinem Nächsten. Ich reiße jemand seinen Rucksack nicht einfach so vom Leib herunter. Und genauso wenig packe ich bei der ersten Begegnung die „Evangeliums-Keule“ aus oder zerre den Menschen gleich in den nächsten Gottesdienst.

Das Gesetz Christi, von dem im Bibelvers die Rede ist, meint das sogenannte Doppelgebot der Liebe: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Verstand, und deinen Nächsten wie dich selbst.“

Eine liebevolle, ehrliche Nächstenliebe quatscht nicht nur, sondern packt beim Tragen der Lasten auch an.

Dies setzt voraus, dass ich selbst über genügend Kraft und Energie verfüge, um diese Lasten auch schultern zu können. Es ist niemand geholfen, wenn ich selbst unter einer zusätzlichen Last zusammenbreche.

Daher wünsche ich ihnen und mir, dass Gott uns ausreichend Kraft gibt, um den heutigen Tag zu meistern. Und dass wir heute besonders aufmerksam sind für die Lasten unserer Mitmenschen. Wenn wir genügend Kraft von Gott erhalten haben, so dürfen wir gerne den Rucksack eines Andern eine Wegstrecke lang mittragen.

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