Navigation überspringen

/ Wort zum Tag

Das kenne ich gar nicht von dir!

Die Bibelstelle Markus 4,41 - ausgelegt von Johanna Kunz.

Die Jünger sprachen untereinander: Wer ist der, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind!

Markus 4.41

„Wow! Das kenne ich ja gar nicht von dir!“, staunt eine Freundin, als sie meine frisch gemachten Fingernägel sieht. Stimmt. So kennt sie mich nicht. Das ist neu für sie. Sie hat mich bisher auf eine andere Art, in einem anderen Kontext kennengelernt. Sie kennt nur einen Teil von mir. Nicht alles. Unterschiedliche Menschen in meinem Leben kennen unterschiedliche Facetten von mir. Haben Sie das auch schon einmal erlebt? Dass Sie jemand total überrascht hat? Ich finde solche Überraschungen spannend, da sie mir zeigen, dass ich eine Person nicht so gut kenne, wie ich dachte. Und dass es noch viel zu entdecken gibt.

Im heutigen Lehrtext der Herrnhuter Brüdergemeine erleben die Jünger von Jesus eine solche Überraschung. Sie sind vermutlich schon einige Monate mit Jesus unterwegs. Sie haben ihn predigen hören, er hat sie in Geheimnisse eingeweiht und ihnen Gleichnisse erklärt. Sie haben gesehen, wie er heilt und Menschen von bösen Geistern befreit. Sie waren dabei, als Jesus sich mit Pharisäern und Schriftgelehrten auseinandergesetzt hat und einem gelähmten Mann seine Schuld vergeben hat. Und dann sind da natürlich noch die vielen Momente, von denen die Bibel uns nichts berichtet: Die Gespräche auf staubigen Straßen zum Beispiel. Gemeinsame Abende, ruhige Morgenstunden. Ich glaube, dass die Jünger Jesus in dieser Zeit schon relativ gut kennengelernt haben. Und sie sehen, wie andere auf ihn reagieren: die Zuhörer seiner Predigten, die Schriftgelehrten, die ihn herausfordern, die Kranken, die Heilung suchen und die bösen Geister, die ganz genau wissen, wer Jesus ist.

Und doch werden die Jünger überrascht. Nach einem langen Tag, an dem Jesus das Volk lehrt, setzen sie mit einem Boot auf die andere Seite des Sees über. Jesus schläft. Ja, auch die Seite kennen sie von ihm, die des müden Messias. Doch während der Überfahrt fängt es plötzlich an zu stürmen. Und zwar richtig. Ängstlich wecken die Jünger Jesus. Er ist der Einzige, der in dieser Notsituation helfen kann. Ich frage mich, was die Erwartung der Jünger ist, als sie Jesus wecken. Oder ob sie einfach nur hoffen, dass er irgendetwas macht, weil sie angesichts der immer höherschlagenden Wellen machtlos sind? Jesus handelt. Offensichtlich anders, als die Jünger erwarteten, denn die sind komplett baff. Jesus spricht zum Sturm. Jesus sagt dem Sturm, dass er still sein soll. Und es funktioniert. Der Wind hört auf. Die Wellen werden ruhig. Die Gefahr ist vorüber. Von jetzt auf gleich. Und jetzt ist Jesus erstaunt vom Staunen seiner Jünger. „Ihr kennt mich doch!“ Aber die Jünger merken in diesem Moment, dass sie Jesus soeben noch einmal anders, tiefer, größer, mächtiger kennengelernt haben. Im Markusevangelium steht: „Die Jünger sprachen untereinander: Wer ist der, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind!“

Die Jünger sind von Jesu Macht überrascht. Sie hatten ihn in eine Schublade gesteckt, die mitten auf dem See Genezareth gesprengt wird. Während ich das lese, frage ich mich: Wann habe ich zum letzten Mal meine Schublade von Jesus sprengen lassen? Wann bin ich überhaupt zu ihm gekommen, wie die Jünger in dieser Nacht? Wann habe ich ihn geweckt mit einer diffusen Idee von Hilfe? Wann habe ich ihm zuletzt so etwas richtig Großes zugetraut? Dieser Text heute ist eine Erinnerung für mich, mich immer wieder von Jesus überraschen zu lassen. Immer wieder danach zu fragen, ihn besser kennenzulernen. Wie ist das bei Ihnen? Wann hat Jesus Sie das letzte Mal überrascht? Ich glaube, es gibt noch viel zu entdecken und zu erleben.

Sie möchten noch tiefer in die Bibel eintauchen? Wir empfehlen unsere Sendereihe:

Anstoß

Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht. Bitte beachten Sie beim Schreiben Ihres Kommentars unsere Netiquette.
Schreib uns