/ Wort zum Tag
Der Blick geht mir nach
Der Bibeltext Römer 8, 34 - ausgelegt von Johanna Kunz.
Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und für uns eintritt.
Der Blick geht mir durch Mark und Bein. „Das lässt du deine Kinder machen?!“ sagt der Blick, als meine Kinder temperamentvoll auf dem Spielplatz ihre Energie loswerden. Sie tun niemandem weh. Es geht nichts kaputt. Sie sind laut und wild. Genug, um verurteilende Blicke anderer Mütter auf mich zu ziehen. Ich schaue weg. Gehe dem verurteilenden Blick aus dem Weg. Ich schaue lieber auf meine Kinder, die in dem Moment auf das höchste Klettergerüst klettern. Wüsste die andere Mutter, dass ich sogar noch Kekse mit Schokolade in der Tasche habe, wäre es sicher komplett vorbei.
Während ich am Abend die Kinder ins Bett bringe, geht mir dieser Blick nach. Diese Verurteilung, die in ihrem Blick lag, lässt mich nicht los. „Stimmt es vielleicht?“, denke ich. „Bin ich eine schlechte Mutter? Sind meine Kinder zu wild?“ Ich schaue auf das friedlich schlafende Kind neben mir. Denke an seine Lebensfreude, Energie, Kreativität und auch Fürsorge für andere. „Nein.“, wehre ich mich innerlich gegen den Blick der anderen Mutter. Ich lasse meinem Kind den Freiraum, den es braucht. Und achte dabei auf andere. Ich bin keine schlechte Mutter. Mein Kind braucht nur etwas anderes als ihre Kinder.
Vielleicht haben Sie auch schon einmal verurteilende Blicke erlebt. Dann wissen Sie, wie sehr die treffen können. Und das, obwohl die Menschen, die uns diese Blicke zuwerfen, keine Macht über uns haben. Diese Blicke treffen etwas in uns. Lassen Zweifel an unserer Identität und unserem Wert wachsen.
Wie gut, dass der heutige Lehrtext der Herrnhuter Brüdergemeine eine ganz andere Perspektive zeigt. Im Römerbrief, Kapitel 8, 34 schreibt Paulus: „Wer sollte uns verurteilen? Christus Jesus selbst ist ja für uns gestorben. Mehr noch, er ist der Auferstandene. Er sitzt auf dem Ehrenplatz zur rechten Seite Gottes und tritt für uns ein.“ Paulus fragt: „Wer sollte uns verurteilen?“ Ich denke beim Lesen: „Da fallen mir einige Namen ein. Nicht zuletzt mein eigener.“ Doch Paulus zählt keine Liste an Namen auf. Paulus stellt dieser Frage Jesus Christus gegenüber. Durch seinen Tod und seine Auferstehung sind alle, die an ihn glauben, vor Gott gerecht gesprochen.
Der Einzige, der wirklich ein Urteil über uns fällen darf, spricht uns durch Jesus gerecht. Unsere Schuld vor Gott ist real, aber Christus hat für sie bezahlt. Mit der Antwort nimmt Paulus der Frage die Wucht. Klar, können viele Menschen mich verurteilen. Natürlich sprechen Gerichte Urteile, wenn Menschen gegen das Gesetz verstoßen. Aber kein menschliches Urteil kann Gottes endgültiges Urteil über mich ersetzen.
Die grenzenlose Liebe Gottes ist es, die uns das ermöglicht. Die grenzenlose Liebe Gottes ist der Grund, dass der Vater seinen Sohn gesandt hat, um alle gerecht zu sprechen, die an ihn glauben. Die grenzenlose Liebe Gottes ist es, die uns Jesus immer ähnlicher werden lässt.
Verurteilende Blicke tun weh. Sie erinnern mich daran, dass ich nicht perfekt bin. Manchmal ertappen sie mich auch auf frischer Tat. Manche verurteilenden Blicke verfolgen mich schon lange. Ich spüre die Schuld, die auf mir lastet. Und jeder verurteilende Blick ist gleichzeitig eine Einladung. Eine Einladung diese ganze Last vor die Füße Jesu zu legen. Dem, der durch Tod und Auferstehung für meine Schuld bezahlt hat. Und der jetzt zur Rechten Gottes für uns einsteht. Und dann aus den verurteilenden Blicken rauszutreten in den liebenden Blick des Vaters.
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