/ Wort zum Tag
Die Gemeinde betet
Die Bibelstelle Apostelgeschichte 12,5 – ausgelegt von Harald Klingler.
Petrus wurde im Gefängnis festgehalten: aber die Gemeinde betete ohne Aufhören für ihn zu Gott.
Gewaltherrscher fragen nicht nach dem gültigen Recht. Sie tun, was ihre Macht sichert und vermehrt. So auch König Agrippa I, der Enkel Herodes des Großen. Er setzt die junge Gemeinde der Christen unter Druck und lässt den Jünger Jakobus töten. Weil die jüdische Obrigkeit dies begrüßt, lässt er gleich auch Petrus, die zentrale Persönlichkeit der jungen Christenheit, gefangen nehmen und ins Gefängnis werfen. Sein Plan steht fest: Nach dem Passafest will er den Jünger und Apostel töten.
Der König kennt kein Erbarmen. Petrus muss mit seinem baldigen Tod rechnen. Und das weiß auch die Gemeinde. Sie setzt die Macht des Gebets gegen die Macht des Gewaltherrschers. „Petrus wurde im Gefängnis festgehalten, aber die Gemeinde betete ohne Aufhören für ihn zu Gott.“
Einen Gebetsdienst, eine Gebetskette wird organisiert. Die Gemeinde liegt Gott ohne Aufhören in den Ohren. Wörtlich: sie betet - angespannt, beharrlich, eifrig.
Wie nachdrücklich, wie beharrlich darf ich beten? Reicht es nicht, wenn mein Anliegen vor Gott einmal ausgesprochen ist? Wann geht ein immer wieder vorgebrachtes Gebetsanliegen Gott auf die Nerven? Darf ich sogar gegen Gottes Ratschluss anbeten?
Das Verhalten der Gemeinde Jerusalems entzieht solchen Fragen den Boden. Jene Geschwister hielten sich an das Gleichnis, das Jesus von der bittenden Witwe erzählt: Um ihrer Beharrlichkeit willen bekommt sie Recht. „Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten?“ (Lukas 18,7)
Und jetzt umgekehrt: Denke ich in meiner Fürbitte als einzelner und als Gemeinde regelmäßig an meine verfolgten, gefangenen, vom Tod durch Unrechtssysteme bedrohten Geschwister? Bringen Sie und ich sie in beharrlicher Fürbitte vor Gottes hohen Thron? Sie brauchen unsre Fürbitte. Das Wissen um unsre Fürbitte schenkt ihnen die Kraft, durchzuhalten und zu hoffen. Wer informiert und gezielt, ja, namentlich beten will, sei auf die Veröffentlichungen von Open Doors und etlicher anderer Missionsgesellschaften verwiesen.
„Aber die Gemeinde betete ohne Aufhören für ihn zu Gott.“ Schon einmal haben sie erfahren, dass ihr Gebet erhört wird. Schon einmal haben sie für die Befreiung des Petrus gebetet, und er ist freigekommen. Und doch ist solches Beten immer wieder gewagt, braucht Beharrlichkeit und Glaubensmut. Der Glaube macht kühn, Gott um etwas zu bitten, das menschlich gesehen ein Wunder ist.
Das Beispiel der jungen Gemeinde Jerusalems ermutigt, mutig und beharrlich zu beten. Wenn Geschwister aus der Gemeinde oder Verwandte von einer schweren Krankheit bedroht sind. Wenn jemand in eine ausweglos scheinende Situation geraten ist. Wenn menschliche Möglichkeiten des Helfens an ihre Grenzen geraten. Wenn wir nichts Anderes wissen, als Gott um seine Hilfe zu bitten. Betet vertrauensvoll, mutig, eifrig, beharrlich!
Gott erhört das Gebet der Jerusalemer Gemeinde. Davon erzählt Lukas im Weiteren. Lasst auch uns in der Gemeinde erzählen, wo und wie Gott unser Gebet erhört. Nicht um uns und unser Beten groß herauszustellen. Sondern um anderen Mut zum vertrauensvollen Beten und um den groß herauszustellen, der aufrichtige Gebete hört und gerne hilft.
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