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/ Wort zum Tag

Verwirrt

Karsten Loderstädt über Matthäus 20,1.

Das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter anzuwerben für seinen Weinberg.

Matthäus 20,1

Der Vers aus dem Matthäusevangelium stiftet Verwirrung. So hab ich´s spontan empfunden. Es ist der erste Vers einer Geschichte. Wer sie nicht kennt, fragt vermutlich, was das für ein Vergleich sein soll?

„Das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen.“ So steht das aufgeschrieben im Matthäusevangelium, Kapitel 20, Vers 1.

Nicht mehr als eine nüchterne Feststellung. Ein Weinbergsbesitzer braucht Arbeitskräfte. Da geht’s ihm nicht allein so. Handwerker, Landwirte, Gastronomen und eine Reihe anderer suchen händeringend Mitarbeiter. Es fehlt an Menschen, die mit anpacken. An denen, die sich in Dienst nehmen lassen. Auch innerhalb unserer Landeskirchen. Wer interessiert sich, macht mit und fasst zu?

Wen meint Jesus in seinem Bildvergleich? Worauf will er hinaus? Nochmals die Ausgangslage: „Das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen.“

Offenbar kein Saison-Projekt. Was ist mit den Arbeitsbedingungen? Und der Entlohnung? Wenn ich mich einzig auf diesen Bibelvers beschränke, werde ich nicht schlau. Worauf läuft das Ganze hinaus? Was will Jesus erreichen?

Der bibelfeste Hörer hat das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg gedanklich parat. Es lohnt, diese Zeilen neu zu lesen und auf sie zu hören. Kurz und übertragend erzählt: Der Haus-Herr, das ist unser Herr und Gott. Der Weinberg steht für das Reich Gottes und damit auch für mein umfassendes Leben. Also für das v o r und n a c h dem Tod. Die Tätigkeit in diesem Weinberg lässt sich aus meiner Sicht z. B. folgendermaßen beschreiben: Steine lesen und Unkraut entfernen. Bedeutet bezogen auf meine Lebensführung: Dass ich gegen verletzenden Steinschlag wie Machtgier, Neid und Angst, zu kurz zu kommen, angehe. Solche Steine machen´s mir schwer. Gott will´s mir leicht machen. Darum auch weg mit dem Unkraut. Mit dem Dornengestrüpp. Liebloses und Unwahrhaftiges, Listiges und Böses aus dem Lebensalltag entfernen. Und zwar mit eigener Kraft sowie mit der Hilfe dieses Herrn. Denn er macht mich stark dafür - dieser Hausherr, der Weinbergsbesitzer. Er, der möchte, dass Sie und ich uns in seinen Dienst stellen.

Das Gleichnis berichtet von der viermaligen Möglichkeit, Mitarbeiter im Weinberg zu werden. Morgens, mittags, nachmittags und fast vor Feierabend stellt der Hausherr ein. Der Lohn entspricht dem, was recht ist. Heißt: Er richtet sich nach dem Tarif Gottes. Am Abend wird dieser Tageslohn ausgezahlt: ein Silbergroschen. Die, die beizeiten zu arbeiten anfingen, finden das ungerecht. Alle kriegen dasselbe? Wieso?

Genau das ist der Knackpunkt der Gleichnisgeschichte. Lass ich mich auf dieses Angebot ein? Auf Gott, den Herrn des Weinberges? Dann ist meine Mitarbeit für ein gutes Leben nach Gottes Willen selbstverständlich. Es wird – um beim Weinbergs-Bild zu bleiben – genug (?) Gestein und Gestrüpp geben, welches Leben nimmt, anstatt es zu fördern.

Vielleicht sagen Sie: „Ich hab mir Mühe gegeben, aber ich bin auch nur ein Mensch.“

„Eben darum“, sagt Gott. „Ich helfe dir und nehme dir deine Last ab, alles schaffen zu müssen. Aber du bekommst von mir den vollen Lohn. Ob du versagst oder dir mehr vornimmst, als du vollbringen kannst. Voller Lohn. Nach Tarif. Denn der ist die Liebe. Meine Liebe für dich! Darum mein Ruf an dein Herz. Kein Einstellungsgespräch. Komm! Sei willkommen. Im Weinberg des Lebens. Damit du leben kannst im Vertrauen auf eine gute Zeit – schon hier auf Erden und erst dann im Himmel!“

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Anstoß

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Kommentare

Ulrich G. /

Zuerst konnte ich mit der Bibelstelle nichts anfangen,aber beim genauen Lesen,musste ich feststellen, dass es mich selbst auch betrifft,unverstanden, unbelohnt.....Aber am Schluss fühlte ich mich erleichtert, wir erhalten alle den gleichen Lohn,durch die Liebe Gottes zu uns Menschen. Danke für die Auslegung.