/ Wort zum Tag
Kein Schaf wie das andere
Die Bibelstelle Johannes 10,14 – ausgelegt von Roland Bunde.
Jesus Christus spricht: Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich.
Ich bin davon überzeugt, Jesus ist ein guter Hirte. Es ist gut, diesem Hirten zu folgen. Selbst wenn der Lebensweg durch ein finsteres Tal führt, bin ich nicht allein unterwegs. Und irgendwann führt er mich auf grüne Auen. Es wird mir an nichts mangeln – jedenfalls nicht an Zuversicht! Jesus meint es gut. Immer. Nun sagt der gute Hirte: „Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich“. Was empfinden Sie, wenn Sie das so hören? Jesus spricht bildhaft von seinen Schafen, die ihm folgen.
Eigentlich widerstrebt es mir, mich als Schaf zu verstehen. Doch bei einer Wanderung auf dem Heidschnuckenweg durch die Lüneburger Heide ist mir bewusst geworden, wie positiv die Metapher vom guten Hirten und den Schafen, die seine Stimme kennen, zu verstehen ist. Die Schafe, die ich gesehen habe, kennen wirklich die Stimme ihres Hirten und folgen ihr ganz selbstverständlich. Auf Postkarten wirkt das oft kitschig. Aber in der Natur im echten Leben hat mich dieses Bild berührt. Der Hirte dort in der Lüneburger Heide kennt wirklich jedes seiner Schafe und jedes seiner Schafe folgt ihm. Was ich erstaunlich finde, wie es dem Hirten möglich ist, die Schafe voneinander zu unterscheiden. Für mich sehen viele Schafe gleich aus. Natürlich gibt es immer auch schwarze oder anders gefärbte Schafe, die auffallen. Aber alle anderen kann ich nicht unterscheiden. Der Hirte kann das. Und mehr noch.
Wenn Jesus sagt: „Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich“, dann meint er damit weit mehr als nur unser Äußeres, unser Aussehen, unsere Stimme oder unseren Charakter. Jesus kennt meine innersten Wünsche und Bedürfnisse. Er kennt meine Lebensgeschichte von Anfang an. Er weiß, welche Gedanken mir durch den Kopf gehen. Er weiß, was die Seele fühlt. Und er kennt natürlich auch meine dunklen Seiten. Jesus kennt mich durch und durch. Dass Jesus die Seinen kennt, okay! Aber dass Jesus davon überzeugt ist, dass die Seinen auch ihn kennen, ist durchaus bemerkenswert.
Stellt sich die Frage, wie gut wir – die wir uns zu den Seinen zählen – den guten Hirten eigentlich kennen? Vielleicht kennen wir die Bibel gut. Vielleicht kennen wir Gemeinden, wo man gute Predigten hört. Vielleicht kennen wir gute christliche Podcasts. Wir kennen die Antworten auf so viele Fragen. Wir wissen so viel. Doch am Ende des Tages geht es eigentlich nicht darum, was wir wissen und vom Kopf her verstanden haben. Es geht um unser Herz und um Vertrauen. Wer Jesus kennt, weiß, dass man ihm vertrauen kann. Das zu wissen, genügt aber nicht. Entscheidend ist, jeden Tag neu darauf zu vertrauen, dass Jesus mehr tun kann, als ich es mir vorstellen kann – durch die Kraft, die in mir wirksam ist (vgl. Epheser 3,21).
Das versuche ich mir jeden Morgen bewusst zu machen. Ich möchte auf seine Stimme achten und den Impulsen seines Geistes nachgehen. Mittlerweile kann ich seine Stimme ganz gut von den vielen anderen, oft lauten Stimmen unterscheiden. Und dann muss ich nicht lange nachdenken, sondern ich weiß ganz genau, was zu tun ist. Und wenn ich der Stimme des guten Hirten folge, werden mir Gutes und Barmherzigkeit folgen. Das weiß ich. So kenne ich Jesus.
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