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/ Bibel heute

Viele Gaben – ein Geist

Jens Kreisel über 1. Korinther 12,1-11.

Über die Gaben des Geistes aber will ich euch, Brüder und Schwestern, nicht in Unwissenheit lassen. Ihr wisst: Als ihr Heiden wart, zog es euch mit Macht zu den stummen Götzen. Darum tue ich euch kund, dass niemand, der durch den Geist Gottes redet, sagt: Verflucht sei Jesus. Und niemand kann sagen: Jesus ist der Herr, außer durch den Heiligen Geist.[...]

1. Korinther 12,1–11

Paulus schreibt an Christen in Korinth. Diese Stadt war damals eine bedeutende Hafenstadt. Aber gleichzeitig stand sie auch für ausschweifendes Leben und Unmoral. Die junge christliche Gemeinde hatte aber auch intern Schwierigkeiten. Wir lesen von handfestem Streit und Spaltungen, von theologischen und ethischen Konflikten und von Anfeindungen gegen Paulus. Dieser ringt mit großem Einsatz um diese Gemeinde in Turbulenzen. Sie ist sein Sorgenkind.

Hier in Kapitel 12 startet Paulus ein bis heute spannendes Thema:

„Das Wirken des Heiligen Geistes.“

Paulus beginnt mit den vom Geist Gottes bewirkten verschiedenen Gaben und veranschaulicht dies am Beispiel eines Organismus. Neid und Eifersucht sind immer auch ein Mangel an Liebe. Daher schreibt Paulus in Kap. 13 von dieser höchsten Gabe. Und in Kapitel 14 thematisiert er noch einmal ausführlich die Zungenrede und das Verhältnis zur prophetischen Rede. Es ist wichtig, die Aussagen dieser drei Kapitel (12-14) gemeinsam wahrzunehmen.

Was ist der Anlass für diese Ausführungen? Es gibt in der Gemeinde in Korinth auch beim Thema „Heiliger Geist und Geistesgaben“ Auseinandersetzungen, Angeberei und Streit.

Paulus bekam einen Brief aus Korinth, in dem (vermutlich) auch gefragt wurde: „Woran erkennt man, wer den Heiligen Geist hat? Welche Gaben gibt der Geist? Was ist die wertvollste Geistesgabe? Gibt es eine Rangfolge der Gaben?“

Denn ähnlich wie in Kapitel 7, beginnt Paulus hier in Kapitel 12, Vers 1: „Ein weiterer Punkt, den ihr erwähnt habt, liebe Geschwister, sind die Fähigkeiten, die uns durch Gottes Geist gegeben werden. Es liegt mir sehr daran, dass ihr in dieser Sache genau Bescheid wisst.“ V. 1 (NGÜ)

Bereits hier fordert Paulus uns heraus. Denn dieses „genau Bescheid wissen“ ist nur möglich, wenn zuvor in der Bibel intensiv geforscht wurde. Es verlangt die eigene Auseinandersetzung mit Zusammenhängen und theologischen Fragestellungen. Und alles das macht bekanntlich Mühe und kostet Zeit. Doch genau dieses Wissen, diese Erkenntnis wird für den nachhaltigen Bau der Gemeinde Gottes benötigt. Was sind nun die Kernaussagen im heutigen Abschnitt?

Ich habe diese drei gefunden:

1.         Der Heilige Geist wirkt Bekenntnis.

2.         Der Heilige Geist wirkt Einheit.

3.         Der Heilige Geist wirkt Dienstgaben.

Zur ersten Aussage:

Der Heilige Geist wirkt Bekenntnis

Bevor Paulus auf die Gaben einzeln eingeht, zeigt er ganz grundsätzlich das erste Erkennungszeichen des Heiligen Geistes. Das Bekenntnis: „Jesus ist Kyrios, Jesus ist HERR.“

Das steht im starken Kontrast zur üblichen Verehrung der Götzen oder Götter. Zu denen wurden Menschen regelrecht verführt, fortgerissen, hingetrieben. (Vers 2) Und das obwohl diese Götterbilder stumm und kraftlos waren. Paulus betont damit: Religiöse Faszination führt letztlich in schädliche Bindungen.

Ganz ausdrücklich setzt Paulus dagegen: „niemand kann sagen: »Jesus ist der Herr!«, es sei denn, er wird vom Heiligen Geist geleitet.“V.3 [NGÜ]

 „Jesus Kyrios“, „Jesus ist HERR“, das ist das kürzeste Glaubensbekenntnis, ein ganz grundlegendes Bekenntnis. Denn »Herr« = »Kyrios« war sowohl die Anrede für Gott im griechischen Alten Testament als auch der offizielle Titel des römischen Kaisers. Also war es für die Christen damals eine Grundsatzfrage: Ist Jesus (der) HERR oder der Kaiser?

Und bis heute ist diese Herrschaftsfrage entscheidend: Will ich selbst in meinem Leben bestimmen und herrschen? Oder verzichte ich zugunsten von Jesus?

„Jesus ist mein HERR!“ Das ist ein Bekenntnis, dass sich auf alle Lebensbereiche auswirken soll. Und es ist nicht nur meine willentliche Entscheidung. Sondern, so schreibt es Paulus, dieses Bekenntnis ist das erste Echtheitszeichen dafür, dass Gottes Geist wirksam ist. Der Heilige Geist wirkt Bekenntnis zu Jesus Christus.

Deshalb betont Paulus gegenüber den Gemeindegliedern in Korinth: Nicht bestimmte Geistesgaben sind Kennzeichen dafür, ob jemand den Heiligen Geist hat oder nicht. Sondern ganz grundlegend ist es das vom heiligen Geist bewirkte Bekenntnis: „Jesus ist mein HERR!“

Als Zweites schreibt Paulus von der Einheit.

Der Heilige Geist wirkt Einheit

Paulus argumentiert hier von der Einheit aus Vater, Sohn und Heiligem Geist, indem er in den Versen 4-6 deren Zusammenwirken aufzeigt: 4 „Es gibt viele verschiedene Gaben, aber es ist ein und derselbe Geist, ´der sie uns zuteilt`. 5 Es gibt viele verschiedene Dienste, aber es ist ein und derselbe Herr (= nämlich Jesus), ´der uns damit beauftragt`. 6 Es gibt viele verschiedene Kräfte, aber es ist ein und derselbe Gott, durch den sie alle in ´uns` allen wirksam werden.“ [NGÜ]

So wie auf der Geberseite Einheit in der Zielstellung und Beauftragung besteht, so soll auch durch die Gaben selbst nicht Streit, sondern Einheit bewirkt werden. Das gilt umso mehr, weil alle Gaben, Dienste und Kräfte aus einer gemeinsamen Quelle kommen. Und es wirkt immer ein und derselbe Geist für ein und denselben Auftraggeber – Jesus, den HERRN.

Damit kommeich zur dritten Aussage:

Der Heilige Geist wirkt Dienstgaben

Paulus schreibt in Vers 7 „Wie auch immer sich der Heilige Geist bei jedem Einzelnen von euch zeigt, seine Gaben sollen der ganzen Gemeinde nützen.“ [Hfa] Die Gnadengaben, die der Heilige Geist jedem Christen zuteilt (V. 11), sind immer zum Nutzen aller gedacht. Der Heilige Geist will durch seine Gnadengaben gegenseitige Ermutigung und Stärkung bewirken. Deshalb dürfen seine Gaben nicht zur Selbstdarstellung missbraucht werden. Und niemand soll neidisch auf die Gaben anderer blicken.

In Vers 11 wird auch deutlich: Der Geist gibt souverän. Die Gaben sind jeglicher menschlichen Verfügbarkeit entzogen. Dennoch dürfen wir um Gaben bitten, sollen danach streben (14,1). Und noch wichtiger ist: Wir sollen unsere empfangenen Gaben trainieren, sie für die Gemeinde Gottes einsetzen.

Petrus schreibt dazu in 1. Petr.4,10. „Jeder soll den anderen mit der Gabe dienen, die er ´von Gott` bekommen hat. ´Wenn ihr das tut, erweist ihr euch` als gute Verwalter der Gnade, die Gott uns in so vielfältiger Weise schenkt.“

Auffällig an der Aufzählung der Gaben von Paulus in den Versen 8 bis 10 ist, dass er die umstrittene Gabe der Zungenrede und deren Auslegung als letzte aufzählt. Das begründet er später in Kapitel 14. Letztendlich sollen diese vielfältigen, sich ergänzenden Geistesgaben uns einladen zu staunen und dankbar zu sein. Das ist die richtige Einstellung zum fleißigen Gebrauch der Gaben im Sinne des Gebers.

Ich fasse zusammen:

Der Heilige Geist wirkt Bekenntnis zu Jesus Christus als dem HERRN. Das ist das erste Erkennungszeichen für das Wirken des Geistes.

Der Heilige Geist wirkt Einheit durch Gaben, die alle aus einer Quelle kommen. Sie haben die Einheit der Gemeinde zum Ziel.

Der Heilige Geist wirkt Dienstgaben, die sich ergänzen zum Nutzen aller und zum Bau der weltweiten Gemeinde Gottes.

Deshalb ist jeder Christ eingeladen, seine Gaben zu entdecken, zu trainieren und sie fröhlich für Gottes Gemeinde einzusetzen.

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