/ Bibel heute
Beten bringt's!
Die Bibelstelle Offenbarung 8,1-5 - ausgelegt von Reinhart Henseling.
Und als das Lamm das siebente Siegel auftat, entstand eine Stille im Himmel etwa eine halbe Stunde lang. Und ich sah die sieben Engel, die vor Gott stehen, und ihnen wurden sieben Posaunen gegeben. Und ein anderer Engel kam und trat an den Altar und hatte ein goldenes Räuchergefäß; und ihm wurde viel Räucherwerk gegeben, dass er es darbringe mit den Gebeten aller Heiligen auf dem goldenen Altar vor dem Thron.[...]
Jesus, Retter und Richter der Welt – der Akteur in Gottes Gerichtshandeln!
Jesus selbst, das an Passah geschlachtete sündlose Opferlamm, der Löwe von Juda, der Sieger vom Kreuz, der Auferstandene, der triumphierende Herr, der einzigartige Sohn Gottes, handelt hier in völliger Übereinstimmung mit dem Vater. In göttlicher Vollmacht bricht er auch das letzte der sieben Siegel auf, und öffnet damit den göttlichen Plan für das Finale der bisherigen Welt- und Menschheitsgeschichte. Er entfesselt und lenkt die letzte Gerichtsphase, die bisher verborgen war, und vollendet damit Gottes Endzeitkonzept. Das Lamm ist zwar der Initiator des nun folgenden Gerichtshandelns, es greift aber nicht mehr selbst aktiv ins Geschehen ein – jetzt handeln die Engel.
Der „Himmel“ hält den Atem an – verschlägt es den Engeln die Sprache?
Ich stelle mir den „Himmel“ normal ziemlich „geräuschvoll“ vor, weil dort unzählige Heilige unserem allmächtigen Gott ununterbrochen göttliche Anbetung und himmlischen Lobpreis bringen. Außerdem wird von den Engeln gesagt, dass sie ständig in Bewegung sind – eine permanente Geräuschkulisse. – Die plötzliche Grabesstille ist das absolute Kontrastprogramm! Was wird damit ausgedrückt? – Ich glaube, Gott setzt ein besonderes Pausenzeichen, weil nun etwas „Noch-nie-Dagewesenes“ beginnt – ein heiliger Schweigemoment in Gottes Gegenwart – vor dem Gericht Gottes.
Gott hört auf seine Leute – im himmlischen Lärm und in der Stille!
Wie lange dauert eine himmlische halbe Stunde? Ich weiß es nicht, muss uns auch nicht beschäftigen, da es im Himmel keine Uhren gibt. Gott, der Schöpfer und Herr über die Zeit, verordnet eine Pause. Die Zeitangabe – eine halbe Stunde – hat für mich symbolische Bedeutung, denn ich kann die himmlische Zeitrechnung „ewig“ noch nicht denken. Ich verstehe diese „halbe Stunde“ als kurze, aber deutlich wahrnehmbare Pause, mitten im himmlischen Sound. Entscheidend ist, Gott hört uns, seinen Leuten – im Lärm und in der Stille – bewusst zu, auch noch mitten in der dramatischen Spannung vor den finalen Endzeitereignissen.
Sieben besondere Engel mit sieben Posaunen – lösen Katastrophen aus!
Johannes, der Seher, beschreibt eine neue Szene: „7 Engel, die vor Gott stehen“ – die Evangelien kennen nur einen, Gabriel, der die Geburten von Johannes und Jesus mitteilt. In der jüdischen Apokalyptik begegnen uns aber „7 Engel, die vor Gott stehen“ (Tobias 12,15). Sie erhalten sieben Posaunen, keine modernen Zugposaunen, sondern einfache, langgestreckte Fanfaren, die nicht zum Musizieren gedacht waren, sondern als Signalhörner beim Militär oder im Tempelkult eingesetzt wurden. Ihre aktuelle Aufgabe im göttlichen Gerichtshandeln: sie rufen verheerende Infernos kosmischen Ausmaßes hervor, in sieben Phasen wird das ganze göttliche siebentägige Schöpfungswerk zu einem Drittel gnadenlos vernichtet.
Eingeleitet werden die Posaunengerichte durch den Engel, der das goldene Räucherfass mit den Gebeten der (leidenden) Gläubigen gefüllt hatte. Jetzt nimmt er heiliges Feuer vom Altar und wirft es auf die Erde. Gottes bisheriges Schweigen war kein Desinteresse, sondern die Vorbereitung auf die kommenden Posaunengerichte, die durch vier kosmische Reaktionen eingeleitet werden, die auf Gottes richtende Gegenwart und sein mächtiges Eingreifen hinweisen. Mit dem „Feuerregen“ kommen vernichtende Aktionen, die die Menschen ohne Gott und ihren Lebensraum weltumspannend massiv erschüttern, aber – keine Angst – seine „Versiegelten“ sind durch das Blut des Lammes auch mitten im beginnenden Zerfall der Welt sicher geborgen.
Gibt es in Gottes Nähe zwei Altäre – oder nur einen?
Die Antwort ist für uns heute nicht mehr relevant, da mit dem einmaligen und einzigartigen Opfer Jesu die alttestamentliche Opferpraxis endgültig beendet wurde. Er hat durch sein Selbstopfer am Kreuz die Sünde dauerhaft getilgt und damit alle bisherigen, unvollständigen Tieropfer übertroffen und beendet. Kein Tempel, keine Altäre, kein Opferdienst… kein Stückwerk mehr – Christus hat das Vorläufige komplett abgelöst. In der Vision des Johannes sind die überholten Bilder und Praktiken noch vorhanden, sie dienen aber nicht mehr der bisherigen Sühne-Opferpraxis. Das jüdische Blutopferwesen wird nicht fortgeführt – es wird endgültig vergeistigt!
Gott kann seine Leute „gut riechen“!
Im Volksmund kennen wir die Formulierung: „Ich kann diese oder jenen gut riechen!“, ich sage damit, ich kann diese Person gut leiden! Bei uns ist der „Geruch“ biochemisch begründet, wir können nur wenig daran ändern. Gott setzt sich unserem „Geruch“ ständig aus – freiwillig, aus Liebe, denn unsere Gebete auf der Erde werden im Himmel als Rauchopfer vor Gott gebracht, verstärkt durch den Engel, der zusätzliches Räucherwerk hinzufügt. In der unmittelbaren Gottesnähe werden die gesprochenen Gebete der Christen und die Klagen der Märtyrer „dargebracht“/geopfert. Aus dem ursprünglichen Rauch der Räucheropfer ist im Himmel der „angenehme Geruch“ der Christengebete geworden. Auch alle himmlischen Altäre sind nun zu reinen Gebetsaltären „umgewidmet“, auch das gilt nur noch so lange, bis Gottes Gericht vollendet ist und wir persönlich vor Jesus, unserem Retter, stehen, und in ewiger herrlicher Gemeinschaft mit IHM leben und direkt mit ihm reden werden.
Online mit dem „Himmel“ – mein „heißer Draht“ zu Gott!
Im Film „Bruce allmächtig“ scheitert Gottes vorübergehende Aushilfskraft Bruce am Umgang mit den unzähligen Gebeten, die ununterbrochen in Millionenauflagen an Gott geschickt werden. ER erkennt, dass kein Mensch – ich ergänze: auch keine KI – mit modernster Computertechnik, die riesige Anliegenflut bewältigen kann, die sekündlich bei Gott ankommt. – Wie schafft Gott das bloß? – Ich stelle mir das so vor: Weil er überall gleichzeitig ist, kommen unsere Gebete „in Echtzeit“ bei ihm an. Weil er allwissend ist, ist seine Aufnahmekapazität unbegrenzt, und er kann alles, in jedem Moment erfassen. Weil er der ewige Schöpfer der Zeit ist – also zeitlos – kommen alle Gebete aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bei ihm im selben „Jetzt“ an. Die Folgerung ist für mich: Gott hört und versteht jedes Gebet gleichzeitig! leidet er nicht an Überlastung – der „Himmel“ kennt keinen Stress. Er gibt jedem einzelnen menschlichen Gebet die gleiche Aufmerksamkeit, weil wir seine geliebten Kinder sind, um die er sich mit väterlicher Fürsorge kümmert. Wirklich denken und verstehen kann ich das nicht, aber es scheint mir logisch zu sein, und es ermutigt mich, Gott als meine exklusive Gebetsadresse zu verstehen und mein Herz vor ihm demütig und hoffend auszuschütten. Ich bin mir sicher: ER HÖRT MICH!
Beten lohnt sich immer – mein Gebet ist nie umsonst!
Bildlich gesprochen, erreichen unsere Gebete die unmittelbare Nähe Gottes als Wohlgeruch, dem Gott sich bewusst aussetzt, um mit uns dauerhaft in Kontakt zu sein. Für mich bedeutet das: Mein Gebet kommt immer direkt bei Gott an, es ist IHM wichtig, zu erfahren, was ich ihm zu sagen habe. „Im Himmel“ sind unsere Gebete keine Nebensache, sondern ich bin online mit Gott, immer in Kontakt – humorvoll gesagt: „sie kribbeln Gott in der Nase“! Unser Beten, unsere Hilferufe, unser Klagen, Jammern, Seufzen… und Flehen ist nie umsonst. Gott hört alle unsere Gebete und ER reagiert auf unsere Fürbitte! – IHM sei Dank!
Ihr Kommentar