/ Bibel heute
Treu an Jesu Seite
Der Bibeltext Offenbarung 2,8-11 – ausgelegt von Sabine Müller.
Und dem Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe: Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden: Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut – du bist aber reich – und die Lästerung von denen, die sagen, sie seien Juden, und sind’s nicht, sondern sind die Versammlung des Satans. Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst! Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr versucht werdet, und ihr werdet in Bedrängnis sein zehn Tage. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.[...]
Ein Brief voller Ermutigung
Stellen Sie sich vor, Sie bekommen überraschend Post! Nein, keine Rechnung oder Mahnung, sondern einfach ein paar liebe Zeilen. Wie schön und ermutigend! Ähnlich muss es wohl für die Gemeinde in Smyrna sein. Gott lässt sie mit diesem Sendschreiben durch den Apostel Johannes ermutigen. Smyrna liegt in Kleinasien, der heutigen Türkei, jetzt unter Izmir bekannt. In solchen Hafenstädten sind meist viele Nationalitäten und religiöse Strömungen vertreten. In der Zeit der ersten Christen lassen sich viele Römische Kaiser als Götter verehren. Das stellt die Nachfolger Jesu vor die Wahl: Entweder Gott oder dem Kaiser folgen, man kann nicht zwei Herren dienen. Unter dem Kaiser Domitian Ende des 1. Jahrhunderts ist es besonders schlimm: Den Christen drohen Misshandlungen, Verfolgung, Hass und oft sogar der Märtyrertod. Auch heute noch müssen sich viele Christen heimlich treffen, um unerkannt zu bleiben.
Diese Umstände können das Evangelium nicht aufhalten und das Christentum nicht eindämmen. Diese Bedingungen können sogar der Nährboden zur Verbreitung des Christentums sein. Gott lässt die Gemeinde in Smyrna ermutigen, durchzuhalten und Gott treu zu bleiben (Vers 10). Lohn für den Glauben und die Standhaftigkeit ist das ewige Leben. Niemand und nichts kann es den Nachfolgern rauben. Gott lenkt durch die Zeilen des Johannes den Blick auf Jesus, den Ersten und Letzten, den Ewigen und Lebendigen. Er ist Schöpfer des Universums und Herr über allem. Er hat das erste und auch das letzte Wort. Nichts ist ihm zu groß oder zu schwer. Als Sohn Gottes, der Mensch wurde, hat er es selbst erlebt, unverstanden zu sein und wegen des Glaubens Nachteile zu haben. Er blieb treu bis zum Tod, hat ihn aber durch seine Auferstehung besiegt. Wer an Jesus, den Sohn Gottes, glaubt, hat ewiges Leben (Johannes 5,24).
Christus ist das Vorbild aller Christen, damals wie heute. Welch ein Trost ist es, den Herrn aller Herren an der Seite zu wissen, auch wenn das eigene Leben selbst immer wieder bedroht oder angefochten ist. Gottes Treue kennt keine Grenzen. Egal, wie weit wir uns entfernen oder wie tief wir fallen: Seine Liebe und Treue finden uns immer (Andreas Keiper).
Arm nach außen, reich im Glauben
Äußerlich betrachtet mag die Gemeinde arm erscheinen, aber innerlich ist sie reich an Glauben, Hoffnung und Zuversicht. Für die Armen, Schwachen, Verfolgten und Angefochtenen hat der Herr eine besondere Vorliebe. Gerade unter solchen Umständen zeigt sich, ob der Glaube echt und tragfähig ist. Interessant ist, dass wir im Brief an die Gemeinde in Smyrna keinerlei Kritik lesen. Das ist ungewöhnlich, häufig hagelt es doch eher negative Kritik oder das Positive kommt oft zu kurz.
Was der Apostel Johannes wohl in unsere Situation schreiben würde? Wird er darauf hinweisen, wie wichtig ein liebevoller Umgang ist? Oder bittet er, an der biblischen Lehre festzuhalten? Oder legt der Gemeinde ans Herz, im Gebet nicht nachzulassen? Sicherlich ist die Situation in jeder Gemeinde und im Leben des Einzelnen anders. Nah an Jesus zu bleiben, kann nie schaden.
Was sind Sie bereit, um des Glaubens willen in Kauf zu nehmen? Weltweit erleben Christen Nachteile wegen des Glaubens, sind in Haft oder kommen sogar ums Leben. Auch wenn es in Europa noch moderater zugeht, so sind bekennende Christen doch zunehmend unverstanden, gelten als konservativ und Gottes Wort als nicht mehr zeitgemäß.
Impulse für den Glaubensalltag
Wie passend finde ich die Zeilen an die Gemeinde in Smyrna. Gottes Wort ist lebendig und gilt auch heute noch: Gott bittet durch den Apostel Johannes:
- Halte durch, bleibe Gott treu.
Die verfolgte Gemeinde ist für mich ein Vorbild. Es ist interessant, Berichte von Open Doors über verfolgte Christen zu lesen. Meist bitten Christen nicht um mildere Umstände, sondern um Standhaftigkeit, damit sie solche Prüfungen überstehen können. Denn oft wird darin der Glaube gestärkt, das Vertrauen in Gott größer.
- Halte an der Beziehung zu Jesus fest.
In einer lebendigen Beziehung teilt man Leben miteinander. Im Gebet kann ich Gott alles sagen, was mich beschäftigt, was mir Angst macht, wofür ich dankbar bin. In dieser Beziehung finde ich Trost und Zuversicht, weil Gott Ihre und meine Zukunft bereits in Händen hält und einen Plan fürs Leben hat.
Christen haben Anteil an Gottes Herrlichkeit. Ihr größter Schatz ist das ewige Leben, das ihnen keiner nehmen kann, selbst in Armut, Verfolgung oder Bedrängnis nicht.
Jemand, der tatsächlich in Smyrna treu bis zum Tode war, ist der Kirchenvater Polykarp, der im Jahr 155 nach Christus den Märtyrertod starb. Er war ein Schüler des Apostels Johannes und Bischof von Smyrna. Er gilt als Vorbild im Glauben und in der Standhaftigkeit.
Nicht nur den Römern ist die Nachfolge Jesu ein Dorn im Auge, auch Juden aus der Synagoge in Smyrna verfolgen in dieser Zeit die dortigen Christen.
- Bezeuge auch weiterhin, was Gott tut.
Gott hinterlässt Segensspuren im Leben. Es hilft, ein Tagebuch zu führen, um Gottes Wirken festzuhalten. Gott hört Gebet, handelt, führt und segnet, auch in Ihrem und in meinem Leben.
- Bleibe in der Gemeinschaft.
Christen sollen keine Einzelkämpfer sein. Ich lade Sie ein, sich einer Gemeinde anzuschließen. Sie ist ein Abbild für Gottes Reich. Gemeinde lebt von Vielfalt, wo man sich gegenseitig ermutigen und ergänzen kann. Jeder wird gebraucht und ist willkommen. Fürbitte und Hilfe für den Nächsten sind Merkmale der Christen. Auch Sie können zum Ermutiger werden. Beten Sie für verfolgte Christen weltweit oder für Menschen im eigenen Umfeld, die neu zum Glauben gekommen sind. Sie brauchen Ermutigung und Gebet. Besonders am Anfang sind sie unsicher oder haben Fragen zum christlichen Glauben.
- Es gehört Mut dazu, Glauben zu bezeugen und zu leben.
Christen haben Verantwortung, als Licht in dieser Welt zu leuchten und auf Jesus als Licht der Welt hinzuweisen. Unser Leben gleicht dem Mond, der das Licht der Sonne widerspiegelt. Als Christen sind wir beschenkt und können Gottes Liebe weitergeben, weil er uns zuerst geliebt hat (1. Johannes 4,19).
Gottes Wort für heute
Was möchte Gott uns heute mitteilen? Was schreibt er in unsere Situation? Im Grunde genommen hat er diesen Brief in Form der Bibel schon vor 2000 Jahren abgeschickt. Gottes Wort ist zeitlos und lebendig und spricht immer wieder in das Leben seiner Leser. Darin bekennt Gott seine Liebe zu jedem Menschen. Diese Liebe dürfen wir weitergeben. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein (Lukas 4,4; Matthäus 4,4), sondern braucht Gottes Verheißungen mit Hoffnung und Zuversicht, gerade in diesen Zeiten. Gottes Wort ermutigt zum Glauben, zur treuen Nachfolge und zum authentischen Christsein – selbst in herausfordernden Zeiten.
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