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/ Bibel heute

Zur Freiheit befreit

Der Bibeltext Galater 5,1-15 – ausgelegt von Lydia Dummert.

Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! Siehe, ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden lasst, so wird euch Christus nichts nützen. Ich bezeuge abermals einem jeden, der sich beschneiden lässt, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist.[...]

Galater 5,1-15

Die Sehnsucht nach Freiheit

"Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!"

Ich lese diese Worte des Paulus, und in mir wird ein tiefer, lang ersehnter Wunsch berührt:

FREIHEIT!

Wegen schwerer Krankheit wurde ich plötzlich aus dem Leben herausgerissen und musste mit Mitte 40 einige Jahre in einem Pflegeheim verbringen. Ich fühlte mich in mehrfacher Hinsicht wie in einem Gefängnis: Mein zuvor "normal" funktionierender Körper war über Nacht pflegebedürftig und auf einen Rollstuhl und fremde Hilfe angewiesen.

Mein Körper, den ich zuvor so selbstverständlich in seiner großartigen Funktionsweise hingenommen hatte, setzte mir deutliche Grenzen:

Ich war nicht mehr frei, zu gehen, zu stehen, allein zu essen oder mich zu waschen.

Ich war aber auch nicht mehr frei, mein Zuhause und die Menschen, mit denen ich es teile, zu wählen. Ich musste mich wohl oder übel auch mit Menschen arrangieren, mit denen ich mich sonst nicht umgeben hätte.

Ich musste mich an Regeln halten, die ich nicht selbst gewählt hatte, musste damit leben, dass jederzeit jemand – auch ohne anzuklopfen – in mein Zimmer kommen konnte.

Und wenn ich hier das Wort "Zuhause" verwende, so vermied ich es damals fast zwanghaft, dies für meine neue Unterkunft zu verwenden. Denn diesen Ort hätte ich nie freiwillig gewählt.

Doch nicht nur äußerlich und körperlich fühlte ich mich in meiner Freiheit beschnitten, auch seelisch fühlte ich mich in meiner Freiheit bedrängt. Ich fühlte mich wie ein gläserner Mensch. Die Schweigepflicht wurde im Heim nicht besonders hochgehalten; und jeder wusste viel zu viel Persönliches über den anderen.

Heute – nach langem Warten und Kämpfen – habe ich meine körperlichen Funktionen beinahe vollständig zurückerlangt, und ich habe wieder ein eigenes Zuhause!

Das erfüllte mich zu Beginn mit einem großen Glücksgefühl und auch Dankbarkeit.

Doch meine Psyche hatte gelitten – zu viel war in der Vergangenheit an Schmerzhaftem geschehen. Bin ich also auch jetzt noch nicht frei?

Was Paulus mit Freiheit meint

Und ich frage mich: Was meint Paulus eigentlich mit Freiheit? Spricht er von einer anderen Freiheit als der, an die ich bei dem Wort Freiheit denke? Ich glaube schon.

Aber was hat Freiheit mit Beschneidung zu tun? Wer sich beschneiden lässt, muss, so Paulus, „das ganze Gesetz tun“. Doch wer durch das Gesetz gerecht werden möchte, der hat Christus verloren und ist aus der Gnade herausgefallen.

Was will Paulus damit sagen? Soll ich mich nicht an Gottes Gebote halten? Ja, wäre das sogar falsch, da ich dann Christus verliere?

Vielleicht hilft ja der historische Kontext. Paulus schreibt an Gemeinden in Galatien, die offenbar unter dem Einfluss stehen, dass der Glaube an Christus allein nicht ausreicht.

Stattdessen werden offenbar besonders für nichtjüdische Christen die Beschneidung und damit die Übernahme wesentlicher Elemente des jüdischen Gesetzes als Voraussetzung für die volle Zugehörigkeit zu Gottes Volk gefordert.

Dahinter steht also das Grundproblem: Wird ein Mensch allein durch den Glauben an Christus gerecht – oder muss er zusätzlich die Forderungen des Gesetzes erfüllen?

Gnade statt religiöser Leistung

In Vers 6 sagt Paulus dazu: „Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.“

Eigentlich, so meine ich, ist diese Aussage des Paulus doch wirklich befreiend. Ich darf mich frei machen von einem religiösen Leistungsdenken. Ich muss nicht zuerst viel beten, viele gute Werke tun und regelmäßig in die Kirche gehen. Nein – allein der Glaube genügt.

Das klingt doch in einer Leistungsgesellschaft, in der wir leben, beinahe befremdlich. Wenn ich mehr Gehalt oder eine höhere Position im Job möchte, muss ich dafür erstmal etwas (und vielleicht sogar mehr, als mir guttut) leisten. Zuerst muss ich etwas investieren, bevor ich etwas bekomme.

Hier scheint es aber gerade umgekehrt zu sein. Denn hier – so verstehe ich Paulus – habe ich es mit einem gnädigen Gott zu tun. Für ihn muss ich nicht in Vorleistung gehen. Mein Glaube an ihn genügt.

Bedeutet das dann im Umkehrschluss: Ich kann tun und lassen, was ich will, und trotzdem falle ich nicht aus Gottes Gnade?

Nein. Auch dies scheint nicht Paulus´ Intention zu sein. Auch wenn mich Gottes Gnade freispricht, so soll diese Freiheit nicht dem „Fleisch Raum geben“.

Fleisch meint hier aber nicht einfach den menschlichen Körper, sondern den Menschen in seiner von Gott losgelösten, selbstbezogenen Lebensweise.

Freiheit meint hier also nicht Zügellosigkeit. Denn es gilt das Gesetz der Nächstenliebe.

Das wirkt im ersten Moment doch widersprüchlich: Zuerst stellt sich Paulus gegen eine Gesetzesgerechtigkeit, aber dann soll ich mich doch an ein Gesetz, das sogar „das ganze Gesetz“ umfasst, halten …

Freiheit, die zur Liebe befähigt

Aber vielleicht löst sich dieser scheinbare Widerspruch, wenn ich die Funktion des Gesetzes bei Paulus betrachte. Es geht nicht darum: Ich liebe meinen Nächsten, damit Gott mich annimmt. Sondern: Weil Gott mich in Christus angenommen hat, kann ich meinen Nächsten lieben. Und was ich ebenfalls für sehr wichtig erachte: Auch mich selbst.

Eigentlich sagt dieses Gebot doch aus, was ich aus der Psychologie kenne: Wenn ich mich selbst nicht mag und nicht gut zu mir bin, wird es schwer, sich anderen in Liebe zuzuwenden.

Wenn ich mich aber wirklich als von Gott geliebten und durch seine Gnade freigesprochenen Menschen sehe, dann kann ich vielleicht auch ein Segen für meine Mitmenschen sein.

Dies zu glauben, ist sicherlich nicht immer leicht.

Aber es erscheint es mir wert.

Sendetermine auf ERF Plus

Samstag, 10. Oktober 2026, 05:45, 11:45, 19:00

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