/ Bibel heute
Gnade und Frieden für alle
Der Bibeltext Galater 1,1-5 – ausgelegt von Jan-Pierre van Rooyen.
Paulus, Apostel nicht von Menschen, auch nicht durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater, der ihn auferweckt hat von den Toten, und alle Brüder und Schwestern, die bei mir sind, an die Gemeinden in Galatien: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus,[...]
Vom Deich in Nordfriesland bis nach Sumatra
Vor einigen Jahren machte ich einen Spaziergang bei Nordstrand in Schleswig-Holstein. Am Deich fiel mir ein Gedenkstein auf. Darauf las ich: „Hier stand einst das Geburtshaus von Ingwer Ludwig Nommensenv, Missionar der Batak auf Sumatra, geboren am 6.2.1834, gestorben am 23.5.1918.“
An den Gedenkstein auf dem Deich musste ich denken, als ich vor Kurzem mit Bruder William unterwegs war. Bruder William ist Mitarbeiter der Karmelmission in Indonesien. Er bringt das Evangelium den dort lebenden Muslimen.
Bruder William, der selbst zum Volk der Batak gehört, erzählte mir stolz von seiner persönlichen Familienverbindung zu Missionar Nommensen. Sein Ur-Ur-Großvater hatte durch diesen zum Glauben an Jesus gefunden. Bruder William sagte mir: „Wir sind sehr dankbar für das Wirken von Ludwig Nommensen. Für uns ist er der ‚Apostel der Batak‘.“
Was ist ein Apostel?
„Apostel“, das genau ist der Titel, mit dem sich Paulus hier am Beginn seines Briefes an die Gemeinden in Galatien vorstellt.
Der damaligen Gepflogenheit fürs Briefeschreiben folgend, beginnt der Brief mit der Nennung des Absenders.
Das Wort „Apostel“ stammt vom griechischen Verb apostellô, zu Deutsch „senden“. Das entsprechende lateinische Verb lautet „missus“, gesendet; daher kommt der Begriff „Missionar“.
Ein Apostel ist von der Wortbedeutung her also einfach „ein mit einer Botschaft Gesandter“.
Im Sprachgebrauch des Neuen Testaments ist der Begriff „Apostel“ genauer eingegrenzt. Hier bedeutet „Apostel“ eine von Jesus Christus außergewöhnlich und persönlich beauftragte Person, um sein Evangelium in die Welt zu tragen.
Jesus autorisiert die von ihm ausgewählten Apostel, sein Werk nach seiner Himmelfahrt fortzuführen. Die Verkündigung der Apostel und ihre Schriften, wie sie im Neuen Testament enthalten sind, legten den bis heute gültigen Grundstein für den christlichen Glauben. Durch das von den Aposteln verkündete Evangelium ruft Gott auch heute noch Menschen zum Glauben an Jesus. Alle an Christus gläubigen Menschen bilden gemeinsam die weltweite Kirche.
In diesem Sinne bezeichnet sich Paulus als Apostel: „Paulus, ein Apostel, nicht von Menschen, auch nicht durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater“. Sorge um die Gemeinden in Galatien
Im weiteren Verlauf des Briefes wird deutlich, warum Paulus seine göttliche Autorität als Apostel besonders betont.
Die von ihm adressierten Gemeinden in Galatien entstanden vermutlich auf seiner ersten Missionsreise. Apostelgeschichte 14 berichtet vom mächtigen Wirken Gottes in Ikonium, Lystra und Derbe.
Das alles ist nun schon ein paar Jahre her. Doch sehr dringend schreibt Paulus nun diesen Christen in Galatien einen Brief.
Es sind Missstände in ihren Gemeinden entstanden, die zurechtgerückt werden müssen. Davon handelt der übrige Teil des Briefes, welcher auf diese Einleitung folgt.
Lese ich den gesamten Galaterbrief, dann wird klar, dass nach der Abreise des Paulus andere, falsche Lehrer das Wort ergriffen haben. Sie stellen nicht nur die apostolische Autorität von Paulus infrage, sie haben auch die Botschaft verändert, die er ihnen damals gepredigt hat. Mit Schrecken stellt Paulus fest, dass daraus nun ein anderes Evangelium geworden ist.
Die Predigt des Evangeliums von Jesus Christus – das ist doch die lebenslange große Leidenschaft von Paulus! Ständig erlebt Paulus die Kraft dieses Evangeliums. Viele Menschen kommen zum Glauben an Jesus Christus.
Gnade und Friede – der Kern des Evangeliums
Gerne hätte ich Paulus einmal bei einer seiner Predigten belauscht. Manchmal predigt er einfach an einer Straßenecke. Manchmal spricht er zu einer Versammlung frommer Gläubiger in einer Synagoge.
In einem gewissen Sinn können wir Paulus tatsächlich beim Predigen zuhören. Denn hier, in den einleitenden Versen 3 bis 5, fasst Paulus diese ihm so wichtige Botschaft zusammen. Er sagt:
„Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.“
Gnade, welche zum Frieden mit Gott führt, und zwar durch Jesus Christus, das ist der Kern des Evangeliums.
Gnade ist ein Wort, das ich im Alltag eher selten benutze.
In einem theologischen Wörterbuch wird dieses Wort so erklärt: „Gnade bezeichnet die sich aktiv, frei und absolut ungeschuldet dem Menschen zuwendende Zuneigung Gottes; sowie die Wirkung dieser Zuneigung, in der Gott sich dem Menschen selber mitteilt.“
Das hört sich für mich etwas kompliziert an. Aber eigentlich erklärt Paulus hier unmittelbar selbst, was er mit dieser „Gnade“, die zum „Frieden“ mit Gott führt, meint.
Ich formuliere und erkläre die Verse 3 bis 5 nun mit eigenen Worten:
Gnade, das ist das unverdiente Geschenk und Friedensangebot Gottes. Es wird an und in euch wirksam durch den Glauben an seinen Sohn – den Herrn Jesus Christus.
Diese Welt steht ja mit ihrem Schöpfer seit langer Zeit auf Kriegsfuß. Die Menschen haben sich von Gottes Geboten abgewandt. Das bedeutet Schuld vor Gott. Auf Schuld folgt Strafe.
Das betrifft jeden einzelnen Menschen – auch mich. Denn es gibt keinen Menschen, der ohne Sünde ist. Auch ich habe Gottes heilige Gebote übertreten und verdiene seine gerechte Strafe.
In dieser aussichtslosen Lage hat Gottes Gnade einen Ausweg geschaffen.
Aus Liebe sandte Gott seinen Sohn in diese Welt. Jesus Christus hatte selbst keine Schuld oder Sünde. Aber er hat sich freiwillig stellvertretend für die Sünden aller Menschen bestrafen lassen.
Wenn ich meine Schuld erkenne und vor Gott bekenne und Jesus mein Leben anvertraue, dann vergibt Gott mir meine Schuld. Noch mehr als das: Durch Jesus Christus werde ich zu einem Kind Gottes.
Das nun ist meine eigene, kurze Erläuterung zu den Worten des Paulus hier in seiner Einleitung zum Galaterbrief. Es ist mein Versuch, das Evangelium von der Gnade Gottes kurz zu erklären.
Ein Geschenk der Gnade, das zum wahren inneren Frieden führt: Ich kenne kein attraktiveres Angebot in einer Welt, die zum Bersten gefüllt ist mit Schuld, Streit, Hass und Krieg.
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