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Auf der Suche nach Zufriedenheit

Der Bibeltext Prediger 6,1-12 – ausgelegt von Achim Kellenberger.

Es ist ein Unglück, das ich sah unter der Sonne, und es liegt schwer auf den Menschen: Da ist einer, dem Gott Reichtum, Güter und Ehre gegeben hat, und es mangelt ihm nichts, was sein Herz begehrt; aber Gott gibt ihm doch nicht Macht, es zu genießen, sondern ein Fremder verzehrt es. Das ist auch eitel und ein schlimmes Leiden. Wenn einer auch hundert Kinder zeugte und hätte ein so langes Leben, dass er sehr alt würde, aber sein Herz sättigte sich nicht mit Gutem und er bliebe ohne Grab, von dem sage ich: Eine Fehlgeburt hat es besser als er.[...]

Prediger 6,1–12

Das Leben unter der Sonne

Das Buch des Predigers hat in der Bibel eine besondere Stellung. Ich muss gestehen, dass ich als Pastor in 40 Jahren meines aktiven Dienstes nie über einen Abschnitt aus diesem Buch gepredigt habe. Bei meiner persönlichen Bibellese hat mich dieses Buch jedoch oft beeindruckt. Hier reflektiert der Autor das menschliche Leben mit einer radikalen Ehrlichkeit. Er spricht Themen und Fragen an, mit denen sich Menschen zu allen Zeiten oft ein Leben lang beschäftigen und auf die sie in diesem Leben keine letzten Antworten bekommen. Warum ist das so?

Das Buch des Predigers ist das einzige Buch in der Bibel, in dem sich Gott nicht offenbart. Hier ist nur allgemein von Gott die Rede, aber nirgends kommt Gott als persönlicher Gott vor, der zu uns Menschen spricht. Stattdessen begegnet uns hier der Prediger, der als gottesfürchtiger Mensch das Leben auf dieser Erde aus der Sicht des begrenzten, für Versuchungen und Selbstüberschätzung anfälligen Menschen beschreibt und reflektiert. Das wird deutlich an der Formulierung „unter der Sonne“. 29-mal kommt sie in diesem Buch vor, auch in Kapitel 6 am Anfang (Vers 1) und am Ende (Vers 12). Damit ist alles das gemeint, was sich auf das Diesseits, d. h. auf diese Erde beschränkt. Der Prediger hat sich sein eigenes Leben und das Leben vieler Menschen sehr genau angeschaut. Und er hat dabei Fragen gestellt, um den Sinn des Lebens zu suchen. Was macht das Leben aus? Worauf kann man das Leben bauen? Was gibt dem Leben Sinn? Was bleibt am Ende eines Lebens, wenn ein Mensch stirbt?
 

Vier Beobachtungen zum menschlichen Leben

Die Antworten, die der Prediger findet, sind, vorsichtig gesagt, ernüchternd. Alles, was ausschließlich mit dem Diesseits zu tun hat, ist Eitelkeit, Nichtigkeit und Verdruss. Im Kapitel 5 machte der Prediger deutlich, wie viele Übel und Gefahren mit dem Reichtum verbunden sind. Im günstigsten Fall kann jemand Reichtum als Gottesgabe begreifen, verantwortlich damit umgehen und ihn auch für sich genießen. Doch auch das führt oft dazu, dass man nicht bedenkt, wie kurz das Leben ist, und sich nicht auf die Ewigkeit vorbereitet. In Kapitel 6 nun spricht er einige Lebensschicksale an, für die er den Begriff Unglück verwendet. Mit allem, was er hier zum Thema macht, kann ich Menschen verbinden, die das genauso oder ähnlich erlebt haben.

Die erste Beobachtung gilt einem Menschen, der rundum erfolgreich ist. Er hat eine Firma, besitzt ein Haus oder auch mehrere, er genießt hohes Ansehen – doch von heute auf morgen ist er tot. Herzversagen. Er kann alles, was er sich mit viel Mühe erarbeitet hat, nicht genießen.

Die zweite Beobachtung ist so nicht wirklich passiert, sondern vom Prediger ganz bewusst konstruiert. 100 Kinder, ein hohes Alter – das erinnert den Leser an Kinderreichtum und ein langes Leben. Das waren im Alten Testament die Zeichen dafür, dass ein Mensch von Gott ganz besonders gesegnet ist. Doch dann kommt es zu einem Bruch in seinem Leben, sodass er das alles nicht genießen kann, selbst wenn er unvorstellbare 2000 Jahre alt würde, und am Ende wird er nicht einmal begraben. Ein größeres Unglück kann man sich kaum vorstellen.

Die dritte Beobachtung gilt dem Essen. Ich habe mir einmal überlegt, bei wie vielen Anlässen ein gutes und aufwändiges Essen einfach dazugehört. Da kommt eine ganze Menge zusammen. Wie viel Zeit, Kraft und Geld brauchen wir für das Essen! Wie viel Mühe ist damit verbunden! Doch was bringt es uns? Macht es uns wirklich satt? Das Essen steht hier für die menschlichen Grundbedürfnisse wie Schlaf, Kleidung und Unterkunft, Sicherheit, Orientierung, Selbstwert und Lustgewinn. Selbst wenn ich das alles in Hülle und Fülle habe, gilt das Wort des Predigers: Sein Verlangen bleibt ungestillt. Auch Überfluss an all dem, was man zum Leben braucht, ist eitel und Haschen nach Wind.

Die vierte und letzte Beobachtung: Vieles in meinem Leben ist vorgegeben. Ich kann es mir nicht aussuchen. Dazu gehören meine Eltern und Geschwister, das Umfeld, in das ich hineingeboren werde und in dem ich aufwachse. Dazu gehören meine Stärken und Schwächen, die Möglichkeiten, mich persönlich und beruflich zu entwickeln oder auch nicht. Darüber kann ich lamentieren oder das Beste daraus machen. Doch schneller, als mir lieb ist, ist meine Lebenszeit abgelaufen. Und niemand kann mir sicher sagen, was nach diesem Leben kommt.
 

Wenn das Verlangen ungestillt bleibt

Mir kam ein Trauerspruch in den Sinn, der absolut zeitlos ist und den man bis heute immer wieder in Todesanzeigen lesen kann: „Müh und Arbeit war dein Leben, treu und fleißig deine Hand, Ruhe hat dir Gott gegeben, denn du hast sie nie gekannt.“ Tatsächlich erinnert der erste Teil des Spruchs an die Last und die Pflichterfüllung des verstorbenen Menschen und drückt die Dankbarkeit für ein arbeitsreiches Leben aus. Doch dem zweiten Teil würde der Prediger vehement widersprechen. Wer in diesem Leben keine Ruhe gekannt hat, warum sollte der Gott, um den sich die verstorbene Person nie gekümmert hat, ihr nach dem Tod diese Ruhe geben? Der Prediger weiß es besser: Wer nichts anderes kennt als nur Arbeit und Mühe in dieser Welt, dessen Verlangen bleibt ungestillt (Vers 7); eine Fehlgeburt, die das Leben in der Welt nie gesehen hat, hat mehr Ruhe als diese Person. Für den Prediger steht fest: Was immer diese Erde zu bieten hat – der Mensch wird nie dauerhaft befriedigt.

Viele hundert Jahre nach dem Prediger sagt Jesus der Frau, die er am Brunnen in Samarien trifft: „Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten“ (Johannes 4,13). Der Kirchenvater Augustin hat es so formuliert: „Du hast uns für dich gemacht, o Herr, und unser Herz wird niemals Ruhe finden, bis es ruht in dir.“
 

Die Suche nach wirklicher Ruhe

Der Prediger gibt uns am Schluss des Buches (Kapitel 12,13) noch einen wichtigen Rat mit auf den Weg: „Fürchte Gott und halte seine Worte.“ Zu diesen Worten Gottes gehört auch das Wort, das Jesus Christus uns Menschen gesagt hat, als er auf dieser Erde war (Matthäus 11,28–29): „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“ Im Buch des Predigers lautet das Fazit immer wieder: Es ist alles nichtig. Auch wenn du alles gebrauchst, was dir in deinem Leben Gutes geschenkt wird – auch das ist alles ein Haschen nach Wind. Nicht nur, aber gerade auch deshalb ist Jesus Christus in diese Welt gekommen, um den Ruhelosen eine tiefe Ruhe und Befriedigung zu geben. Er will denen helfen, die vom Leben enttäuscht sind, weil ihnen aller Reichtum, alle Weisheit und jeder erfüllte Wunsch kein wirklich sinnvolles Leben geben kann. Jesus kann heute mitten in den Krisen unseres persönlichen Lebens und den Krisen dieser Welt Ruhe und Geborgenheit schenken und erst recht das ewige Leben in seiner neuen und herrlichen Welt. Sie können Jesus jetzt darum bitten: „Jesus, gib mir die Ruhe für mein Herz und die Zufriedenheit, die ich bis jetzt noch nicht gefunden habe. Gib mir den Frieden, der all mein Begreifen übersteigt und fülle mein Herz damit. Amen.“

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