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Nutze den Tag!
Der Bibeltext Prediger 11,1-10 – ausgelegt von Hans-Jürgen Lieber.
Lass dein Brot über das Wasser fahren; denn du wirst es finden nach langer Zeit. Teile aus unter sieben und unter acht; denn du weißt nicht, was für Unglück auf Erden kommen wird. Wenn die Wolken voll sind, so geben sie Regen auf die Erde, und wenn der Baum fällt – er falle nach Süden oder Norden zu –, wohin er fällt, da bleibt er liegen.[...]
Gute Taten und Vertrauen in Gottes Führung
Dazu zählt der Prediger vielerlei Möglichkeiten auf. Gewinne dir Freunde durch gute Taten. Wenn auch deine guten Werke am Anfang noch keine Früchte tragen, dann warte es einfach ab. „Lass dein Brot über das Wasser fahren, denn du wirst es finden nach langer Zeit.“
Menschen reagieren unterschiedlich auf Zuwendung. Manche merken es erst spät. Ihr Dank kommt dann eher unerwartet. Wie Dank überhaupt, wenn er denn kommt. Vielleicht soll man seine guten Taten streuen unter sieben oder acht Empfänger? (Vers 2)
Das mindert das Risiko einer Enttäuschung. Und vergrößert die Chance eines Dankes? Wir kennen Gottes Handeln nicht. Er lässt uns gewähren. Was immer wir für richtig halten.
Gott der Herr lässt regnen, wann es ihm gefällt, mögen die Wetterpropheten auch eigene Rechnungen anstellen. Auch die Windrichtungen wissen wir nicht im Voraus. Wohin die Bäume fallen könnten, ist ungewiss. Trotz aller Vorkehrungen sind immer Überraschungen möglich. Das haben uns die Windbrüche der letzten Jahre gelehrt. Trotzdem rät der Prediger, nicht vor Angst die Hände in den Schoß zu legen. Nichtstun bringt keinen weiter.
Arbeit, Vorsorge und der Wert der Zeit
Ein Bauer muss seine Felder bestellen, wenn er eines Tages ernten will. „Wer auf den Wind achtet, der sät nicht, und wer die Wolken sieht, der erntet nicht.“ (Vers 4)
Das bäuerliche Leben bleibt unsicher. Fleiß und Vorsorge mögen das Risiko von Missernten eindämmen. Ausschließen kann man es nicht. Auch ohne Erfolgsgarantie muss die Arbeit erledigt werden. Bei jedem Wetter. Mit Gottvertrauen mag es leichter sein.
In bäuerlichen Gemarkungen kann man hin und wieder Hagelkreuze finden. Als Erinnerung an Unwetter verbunden mit der Bitte an Gott, vor Unwettern zu bewahren. Bittprozessionen durch die Felder stärken die Gläubigen. Sie sollten sich von Hagelwolken nicht abschrecken lassen. Gott wird es schon richten. – Genauso wäre anzuraten, am Ball zu bleiben, das gute Wetter zu nutzen und seine Feldbestellung vorantreiben. Ja, auch, solange die Kraft dazu reicht. Seine Gesundheit also nutzen.
Das meint auch der Prediger, wenn er daran erinnert: „Am Morgen säe deinen Samen, und lass deine Hand bis zum Abend nicht ruhen, denn du weißt nicht, was geraten wird.“ (Vers 6)
Die kostbare Lebenszeit kann wie in einer Sanduhr verrinnen. „Tempus fugit“ – „Die Zeit flieht“ stand mahnend über dem Portal meiner Frankfurter Universität. Nutzt die Zeit, Studenten!
Ziele, Verantwortung und Lebensfreude
Ein weiterer Rat des Predigers ist: Mach dich an die Arbeit, auch „wenn du nicht weißt, was geraten wird, ob dies oder das oder ob beides miteinander gut gerät.“ (Vers 6). Weil das Leben nun mal einmalig ist. Also immer ein Ziel setzen und versuchen, es zu erreichen.
Das rät auch der Prediger mit seinen Worten mit Blick auf die Lebenszeit. „Freue dich, Jüngling, in deiner Jugend und lass dein Herz guter Dinge sein in deinen jungen Tagen.“ Strebe Ziele an, suche Erfolg und bleib dabei munter.
Das ist nicht ganz einfach. „Tu, was dein Herz gelüstet, und deinen Augen gefällt.“ (Vers 9)
Man sollte sich den Beruf suchen, der einen erfüllt und fordert. Der die eigenen Fähigkeiten entfalten lässt. Das ist ein wunderbarer Rat, der so richtig wie auch schwer ist. Oft weiß man ja nach Jahren erst, ob man den richtigen Beruf gewählt hat.
Da spielen auch Zufälle eine Rolle. Oder Menschen, die mehr in einem sehen, als man selbst für möglich hält. Sie können die Hand Gottes sein, der aus dem Hintergrund lenkt. Denn Gott wird uns einst Fragen stellen, wie wir unser Leben genutzt haben. Haben wir seine stillen Hinweise immer verstanden? Denn „Wisse, dass dich Gott um alles vor Gericht ziehen wird.“ (Vers 9)
Da können wir nur auf Barmherzigkeit hoffen. Denn nicht jeder Mensch hat alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Sollte jedoch vieles wenigstens versucht haben. Der Wille muss da sein.
Auch sollte man auf seine Gesundheit achten, dass sie nicht Schaden nehme. „Halte fern das Übel von deinem Leibe, denn Kindheit und Jugend sind eitel.“ (Vers 10)
Ja, die besten Jahre im Leben sind flüchtig, also eitel. Gott legt alles in unsere Verantwortung. Das traut er uns schwachen Menschen immerhin zu. Dabei „dürfen wir unserem Leib auch Gutes tun, damit sich unsere Seele wohl darin fühlt“. Diese Ermunterung hat uns eine Geistliche, die Äbtissin Teresa von Ávila, gegeben. Sie wusste immer wieder, was im Einklang mit Gott richtig war.
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