/ Bibel heute
Versprechen nicht gehalten
Der Bibeltext Hosea 12,1-15 – ausgelegt von Jörg Grundmann.
Mit Lüge hat mich Ephraim umzingelt, mit Betrug das Haus Israel. Aber Juda hält noch fest an Gott und ist dem Heiligen treu. Ephraim weidet Wind, es läuft dem Ostwind nach. Täglich mehrt es Lüge und Gewalt. Sie schließen mit Assur einen Bund und bringen Öl nach Ägypten. Darum rechtet der HERR mit Juda; er wird Jakob heimsuchen nach seinem Wandel und ihm vergelten nach seinem Tun.[...]
Wenn Versprechen gebrochen werden
Es ist für mich manchmal sehr ernüchternd, wenn jemand etwas verspricht und dann nicht hält. Ein Kollege oder Nachbar behauptet irgendetwas und im Nachhinein stelle ich fest: Das stimmt so gar nicht.
Wenn ein Mensch nicht zuverlässig ist, obwohl es den Anschein hat, bin ich enttäuscht. Wenn Absprachen nicht eingehalten werden. Oder Wahlversprechen am Tag nach der Wahl gebrochen werden.
So geht es Gott mit uns Menschen. Gott hat seine Liebe investiert in uns. Aber er stellt fest, dass er belogen und betrogen wird. Davon spricht Hosea.
Israels Untreue und der Götzendienst
Nun ist es interessant zu schauen, wie Gott darauf reagiert. Lässt er die Menschen fallen? Gibt er sein Volk auf? Hier ist es das Haus Israel, das ihn auf Schritt und Tritt hintergeht. Zur Zeit des Propheten Hosea ist das Land Israel geteilt: im Norden, wo auch der See Genezareth liegt, dort leben zehn Stämme des Volkes Israel, im Süden in und um Jerusalem herum der Stamm Juda. Nun haben die Menschen im Norden sich ihre eigenen Heiligtümer gemacht: Sie gehen nicht mehr in den Tempel in Jerusalem, um Gott anzubeten, sondern haben ihre eigenen Anbetungsorte in Bethel und Dan. Aber damit nicht genug: Sie dienen dort Götzen. Sie beten ein goldenes Kalb an. So belügen und betrügen sie Gott, der gesagt hat: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ (2. Mose 20,3)
Natürlich hat Gott seine Geschichte geschrieben mit den Menschen: auch in Bethel und Dan [Ort]. In Bethel gibt Gott sein Versprechen dem Erzvater Jakob, dass er ihn behütet und beschützt; in Dan ist zu vermuten, dass Abraham seinen Fuß das erste Mal auf den Boden des verheißenen Landes setzt – doch diese Geschichte Gottes mit seinem Volk wird vermischt mit Götzendienst. So entstehen Lüge und Betrug: Wahres und Falsches wird vermischt. Man spielt Gott vor, ihn zu verehren, und dient ganz anderen Göttern.
Hosea beschreibt mit wenigen Worten, wie Jakob, der Stammvater Israels, schon von Mutterleib an handelt: Er ist geschickt und gewieft. Das sind Eigenschaften, die in jedem Menschen stecken: Es ist doch verführerisch, sich zu seinem Vorteil durchzumogeln, mal mit Gott, mal ohne ihn. Deshalb verwundert es mich nicht, dass zu Hoseas Zeit sogar am Jerusalemer Tempel, dem Hauptort der Gottesverehrung, Betrug und Götzendienst stattfindet: Juda ist immer noch schwankend gegenüber Gott.
Gottes Gericht und seine bleibende Treue
Doch nun ist die Frage: Wie geht Gott mit der Lüge seines Volkes um? Hosea muss dem Norden die Eroberung durch Assyrien ankündigen – ausgerechnet durch die Macht, mit der die Mächtigen in Nordisrael gerade versuchen zu paktieren. „Wer die Sünde tut, der ist der Sünde Knecht“, sagt Jesus, der Sohn Gottes, Jahrhunderte später. Nordisrael wird durch Assyrien erobert und die Menschen werden in aller Herren Länder zerstreut. Das soll dem Süden zur Warnung dienen.
Gott gebraucht deutliche Worte gegenüber seinem Volk, er wird „ihm vergelten nach seinem Tun“. Doch gibt Gott sein Volk auf? Gründe genug hätte er. Aber nein! Auch wenn wir Menschen untreu sind, ist Gott treu! Auch das kündigt der Prophet Hosea an: „Du wirst mit deinem Gott zurückkehren. Halte fest an Liebe und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!“ Gott wird an dir festhalten. Er ist treu: Gott gibt uns nicht auf. Deshalb halte an ihm fest!
Ja, Gott wird sein Volk durch schwierige Zeiten führen: Gott sagt: „Ich aber bin der HERR, dein Gott, von Ägyptenland her. Ich will dich wieder in Zelten wohnen lassen wie in der Wüstenzeit.“ Das Volk wird zerstreut werden und in die einfachsten Lebensverhältnisse zurückgeworfen. Sie werden in Zelten wohnen. Doch Gott bleibt seinem Volk treu. Er lässt seine Leute nicht los. Ja, gerade dieses einfache Leben wird sie zurückbringen zu Gott.
Gott hält fest – bis heute
In Äthiopien findet man Anfang des 20. Jahrhunderts einen Stamm des Volkes Israel, der unter einfachsten Bedingungen lebt und doch an seinem Glauben an Gott festhält: die äthiopischen Juden. Bei ihnen vermutet man die Nachkommenschaft des Stammes Dan, die 733 vor Christus durch Assyrien zerstreut wird. Sie werden Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt und 1975 als Angehörige des jüdischen Volkes anerkannt: So dürfen sie einwandern in das Land Israel. Gott hält an seinem Volk fest – auch durch die Jahrhunderte hindurch.
So hält Gott an jedem seiner Menschen fest: auch wenn ich mich auf Lüge und Betrug einlasse, wenn ich mich an Geld und Besitz hänge und von anderen Dingen Heil erwarte: Gott sendet Jesus, seinen Sohn. Und Jesus bringt Gottes Liebe zu uns und gab sein Leben für uns. Wenden wir uns zu ihm und halten uns fest an seiner Liebe, so bringt er uns nach Hause, zu unserem einen und wirklichen Gott, der uns helfen und heilen kann. So verspricht es Gott: „Du wirst mit deinem Gott zurückkehren. Halte fest an Liebe und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!“ (Hosea 12,7)
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