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/ Bibel heute

So viel Lob auf einmal

Der Bibeltext Epheser 1,1-10 – ausgelegt von Geurt van Viegen.

Paulus, Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes, an die Heiligen in Ephesus*, die an Christus Jesus glauben: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.[...]

Epheser 1,1–10

Lobpreis der Superlative – Eine Einführung

Haben Sie schon mal eine Fußballreportage aus Südamerika gesehen und gehört? Wo dem deutschen Kommentator wenige Worte reichen, überschlägt sich der Kollege aus Südamerika in eine begeisterte, überschäumende, endlose Beschreibung des Geschehens. Das reißt mit und steckt an!

So ist auch das Gebet von Paulus, ein Lobpreis der Superlative, in den höchsten Tönen, womit Paulus diesen Brief eröffnet (ab Vers 3). Als könne Paulus sich gar nicht beruhigen über die großen Taten Gottes: freudig, lebendig, voller Akkorde und Klänge. Deren vorläufiger Endpunkt: die neue Gemeinschaft der Christen weltweit, die alte Gräben überwindet.

Ich habe mich gefragt, wie ist da mein Lob? Ich merke, da kann ich noch dran arbeiten.


Paulus und der Brief an die Epheser

Aber zuvor stellt sich Paulus selber vor (Vers 1f), als Verfasser des Briefes mit apostolischer Autorität, von Jesus beauftragt und gesandt. Den Brief hat er wahrscheinlich um das Jahr 62 geschrieben, in römischer Gefangenschaft, kurz vor seinem Tod. Es war wohl ein Rundbrief an die Gemeinden in Kleinasien, damals Provinz Asia (das ist die heutige Türkei), deren Hauptstadt Ephesus war.

Beim Lesen muss ich erst mal richtig durchatmen. Hier ist ein Herz übervoll von Gotteslob und Glaubensfreude. Das ist nicht nur ein Predigttext zum Hören. Jedenfalls nicht, wenn ich jeden Gedanken auch verstehen will. Da muss ich einiges wissen, um das Gesagte zu verstehen. Ich will versuchen, den „Wumms" zu spüren, wie ein bekannter Politiker mal gesagt hat.

Ich lese hier, kompakt, die große Erzählung der Heilsgeschichte: Auf der einen Seite die Ewigkeit Gottes – und auf der anderen Seite auch – und dazwischen die Heilsgeschichte in Jesus – und wir, Sie und ich mittendrin.

 

Drei Schwerpunkte der göttlichen Erwählung

Ich entdecke drei Schwerpunkte:

  • 1. Erwählt: „Ehe der Welt Grund gelegt war". Ich wäre von mir aus nie auf den Gedanken gekommen, mich zu entscheiden Gott zu dienen und sein Werk zu tun. Mit Paulus kann ich sagen, Gott hat mich dazu erwählt. Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Ihr habt nicht mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt" (Johannes 15,16). Alles kommt von Gott. Es wäre Hochmut, mir einzubilden, ich entscheide alles. Es ist das große Wunder, dass Gott mich erwählt hat. Und das anschließend der Heilige Geist mich im geistlichen Leben und Dienst lenkt und mir eingibt, was ich tun soll.
  • 2. Gott hat uns erwählt, um uns mit den himmlischen Gütern zu segnen. Wir können aus eigener Kraft viel erreichen. Aber niemand kann aus eigener Kraft ein gläubiger Mensch werden und innerlich Frieden finden. Das kann nur Gott in uns bewirken.
  • 3. Paulus weist darauf hin, dass Gott uns erwählt hat, damit wir heilig und unsträflich seien. Gott ist im höchsten Maße heilig, weil er anders ist als wir Menschen. So hat Gott auch die Christen erwählt, damit sie sich von anderen Menschen unterscheiden. In vielen Ländern der Erde müssen Christen, damals und heute, ihre Andersartigkeit mit Hass und sogar mit ihrem Leben bezahlen. Lassen Sie uns ehrlich sein, uns reicht es doch oft, als Christen ein anständiges Leben zu führen und Mitglied einer Kirche oder Gemeinde zu sein.

Paulus jedoch weist darauf hin, dass Christen sich dadurch unterscheiden, dass sie nicht unter dem Zwang von Vorschriften und Gesetzen handeln, sondern ausschließlich unter dem Willen Jesu. Christi Liebesgebot beinhaltet: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt, und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" (Matthäus 22,37.39). Wenn genug Christen den Mut besäßen, anders zu sein als ihre Mitmenschen und sich ausschließlich Christus gegenüber verantwortlich zu fühlen, würde die ganze menschliche Gesellschaft verwandelt werden.

Ich komme nun zum zweiten Wort „unsträflich bzw. makellos". Es stammt aus dem AT und wird eigentlich nur vom Opfertier gesagt und bedeutet „für Gott sein Leben opfern, hingeben, drangeben an Gott". D. h. das Aufgeben unseres egoistischen Ichwesens. Alle Bereiche unseres Lebens, unsere Arbeit, unser Vergnügen, unser Spiel, unser Familienleben und unsere Beziehungen zu den Mitmenschen sollen Gott gefallen und ihn ehren.

„Soll ich dir ein Geheimnis verraten?" Kaum etwas macht Kinder so neugierig wie dieser Satz. Und Sie können garantiert damit rechnen, dass es umgehend weitererzählt wird. Und bei Erwachsenen ebenso. „Hör mal, ich habe gehört, dass … aber nicht weitererzählen". Und dann wird es von den Dächern gerufen. Auch im Epheserbrief geht es um ein Geheimnis (V 9), aber natürlich nicht um Klatsch und Tratsch. Sondern es geht um Gott selbst: Er verrät uns „das Geheimnis seines Willens, nach seinem Ratschluss". Der Inhalt: Alles war von Anfang an Gottes Plan. Nichts war zufällig, Notlösung oder Improvisation, weil die Welt aus dem Ruder gelaufen ist. Sondern Gott hat es schon von Anbeginn der Welt vorgehabt.
 

 

Erlösung, Vergebung und Weisheit – Der zweite und dritte „Wumms"

Hier kommt nun das zweite große „Wumms". Wieder drei Schwerpunkte:

  • 1. „In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut". Dem biblischen Zusammenhang liegt der Begriff die Vorstellung zugrunde, dass jemand aus einer Last befreit wird, aus der er sich selbst nicht befreien kann. Das NT sagt uns, dass der Mensch erlösungsbedürftig ist, weil er versklavt ist unter der Herrschaft der Sünde. Gott jedoch ermöglicht eine Befreiung aus Schuld und Scheitern. Ein Neuanfang zwischen Mensch und Gott ist möglich. Dieses Geschenk geschieht durch Jesu stellvertretenden Tod am Kreuz auf Golgatha für alle Menschen. Gott hat die Welt mit sich versöhnt, aber die Versöhnung wird für die Menschen erst dann Wirklichkeit, wenn sie dem Ruf folgen: „Lasst euch versöhnen mit Gott".
  • 2. „In ihm haben wir die Vergebung unserer Sünden". Jesus hat Sünden vergeben. Das bedeutet: Alles ist verziehen, nichts wird nachgetragen. Wo vergeben wird, da gibt es Freiheit. Also Vergebung befreit und bindet gleichzeitig an Jesus! Ich darf das täglich umsetzen in meinem Leben. Welch eine Gnade!
  • 3. „In ihm werden wir reich beschenkt mit Weisheit und Klugheit". Glaube entlastet das Herz und schärft den Verstand. Christus hilft uns, sowohl die zeitlichen als auch die ewigen Fragen zu lösen. Christus macht uns fähig, die unvergänglichen ewigen Wahrheiten zu erkennen und gleichzeitig mit den unumgänglichen Problemen des zeitlichen Lebens fertigzuwerden.
     

Zum Schluss kommt noch der dritte große „Wumms":

Worin bestand nach Paulus das Geheimnis des Willens Gottes? Darin, dass das Evangelium auch den Heiden zugänglich ist. Das war das große Geheimnis Gottes. Jesus kam, um die Welt zu einer einigen Welt in ihm zu machen. Noch sehen wir wenig davon. Ja, vielmehr oft genau das Gegenteil. Als Christ glaube ich, dass Gott seinen Heilsplan mit dieser Welt verfolgt. Und wenn die Zeit reif ist, wird er diesen erfüllen.

Sie und ich, wir sind von Gott gewollt und geliebt. Vom Anfang des Lebens bis zum Ende und darüber hinaus. Es ist eine große Ermutigung, dass Gott selbst in schwierigen Zeiten einen guten Plan für jeden Menschen hat. Zum Schluss nochmal: Ich kann neu staunen über Gottes gnädige Erwählung und Zuwendung. Und Sie?

 

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Kommentare (1)

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Roswitha K. /

Liebes ERF-Team
Ich möchte manchmal einzelne Abschnitte z.B. bei Bibel heute nochmals anhören. Ist dies möglich, wenn ja wie?
Oder muss ich immer die ganze Auslegung nochmal anhören? Liebe Grüße von Roswitha