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/ Bibel heute

Raus aus der Endlosschleife

Der Bibeltext 5. Mose 1,34-46 – ausgelegt von Sabine Müller.

Als aber der HERR euer Geschrei hörte, wurde er zornig und schwor und sprach: Es soll keiner von diesem bösen Geschlecht das gute Land sehen, das ich ihren Vätern zu geben geschworen habe, außer Kaleb, dem Sohn Jefunnes; der soll es sehen. Ihm und seinen Nachkommen will ich das Land geben, das er betreten hat, weil er dem HERRN treu gefolgt ist![...]

5. Mose 1,34–46

Aus der Geschichte lernen – Israels Weg durch die Wüste

„Wer nicht aus seiner Vergangenheit lernt, ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen." Dieses Zitat des spanischen Philosophen George Santayana kam mir beim Lesen dieses Textabschnitts in den Sinn. Das Volk Israel steckt in einer Endlosschleife und scheitert an sich selbst und seiner Vergesslichkeit. Was ist passiert?

Nach einem spektakulären Weggang aus Ägypten, wo der Pharao das Volk nach 10 Plagen durch Gottes Wirken ziehen ließ, ging es in die Wüste. Auch dort erlebten die Israeliten immer wieder Gottes Handeln: Gott teilte das Meer, sodass das Volk nicht in einer Falle saß, sondern dem Heer des Pharaos sogar trockenen Fußes durch das Meer entkommen konnte. Es ist Gottes Fürsorge mit Manna und Wasser zu verdanken, dass sie in der Wüste überlebten.

Die Wolken- und Feuersäule erinnern an die Präsenz Gottes und sind Trost und Einladung: Vertraue Gott! Er ist da und kümmert sich, er zeigt den Weg. Aber hat sich das tief in die Gedanken und Herzen der Israeliten eingeprägt? Eher nicht.

 

Zweifel und Verzagen – Wenn Angst den Glauben überschattet

Das Volk Israel steht kurz vor der Einnahme in das verheißene Land, aber zehn Kundschafter nehmen dem Volk allen Mut. Sie malen ein Bild vor Augen, das den Anschein vermittelt: Dieses Land ist nicht einnehmbar: Dort wohnen Riesen, wir sind zu klein und zu schwach. Der Eindruck der Kundschafter färbt auf das Volk ab, sie verzagen und resignieren. Mehr noch: Sie murren: „Wären wir doch in Ägypten geblieben!" Aber das wäre ja wegen der Knechtschaft nicht wirklich eine Alternative. 10 Kundschafter hielten das Volk kurz vor dem Ziel ab, das greifbar nahe Land einzunehmen. Wie tragisch!

Was sind denn heute unsere Zweifel oder Riesen, die uns einschüchtern oder verzagen lassen?
• Du bist nicht gut genug
• Du bist schuldig und hast zu viel Mist gemacht
• Gott hat kein Interesse an dir
• Du musst dir den Himmel verdienen
• Du hast noch Zeit, das Land einzunehmen

Es hilft, diese Lebenslügen mit Gottes Wort zu entlarven.

Was war das eigentliche Problem? Nährboden für ihr Zweifeln und Meckern war fehlendes Gottvertrauen. Sage und schreibe 35-mal verheißt Gott: „Ihr geht in das verheißene Land, das der Herr euch gibt." Schlimmer noch: Das Volk handelt eigenmächtig und zieht ohne Gottes Auftrag in den Krieg. Das Ergebnis war zu erwarten: Ohne Gottes Rückhalt stecken sie eine bittere Niederlage ein. Ihr Ungehorsam hat Folgen: Das Volk ist in einer Endlosschleife 40 Jahre lang in der Wüste gefangen, in der schließlich die Murrenden sterben. Aber trotz aller Untreue bleibt Gott seinem Volk treu. Die Kinder der Israeliten ziehen mit Josua und Kaleb ins verheißene Land ein.

Ich wünsche mir Menschen wie Josua und Kaleb, die den Blick weg vom eigenen Unvermögen auf Gottes Möglichkeiten lenken. Er kann auch heute noch Wege schaffen, wo ich keine sehe oder es tatsächlich keine gibt.
 

Gottes Fürsorge – damals wie heute

Das Volk hat Gott aus den Augen verloren und die Menschheit läuft heute auch Gefahr, den gleichen Fehler zu machen: Eigenmächtige Entscheidungen, ohne nach Gottes Willen zu fragen, Egoismus und Gottlosigkeit nehmen zu. Auch ich ertappe mich immer wieder einmal, dass es an Vertrauen in Gott mangelt – ähnlich wie bei den Israeliten. Dabei habe ich in der Vergangenheit doch immer wieder sein Tragen und Handeln erlebt. 5. Mose 1,30 hat sich bei mir neu eingeprägt: Gott streitet für uns! Er weiß um alles, er hat die Lösungen und einen Plan, wo ich noch nicht einmal einen Weg sehe. „Geht nicht, gibt es bei Gott nicht."

Gott hat nicht nur das Volk Israel mit seinen rund zwei Millionen Menschen in der Wüste versorgt, bei den Israeliten ist in der ganzen Zeit der Wüstenwanderung sogar nie die Kleidung zerschlissen.

Das Manna heute ist zwar vermutlich nicht der Koriandersamen, dennoch erlebe ich Gottes Fürsorge: mit der täglichen Speise, einem Dach über dem Kopf, einer Arbeit, wo ich mein Einkommen habe. Gott schenkt wie beim Manna jeden Tag neu die nötige Kraft und Gesundheit. Und Gottes Liebe wärmt wie ein Mantel die Seele und versorgt mit allem Nötigen.

Gott steht mir bei! Auch wenn es nicht die Kämpfe gegen die Ägypter oder die Nachbarvölker sind, so erfahre ich immer wieder Gottes Hilfe in den großen Kämpfen des Lebens und in den kleinen Dingen des Alltags: Gott sorgt für mich, hilft bei Sorgen, Zweifeln, Mobbing oder steht verfolgten Christen bei. Er sieht meine Tränen und meinen Schmerz und weiß einen Ausweg.

Mich hat die Geschichte der Kundschafter wieder neu gelehrt: Wem glaube ich? Ich möchte bei Nachrichten genau hinhören, möchte Halbwahrheiten entlarven und mich an Gottes Zusagen erinnern. Eine lautet: „Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht!" (Josua 1,5). Es muss nicht sein, die Fehler der Vergangenheit noch einmal zu durchlaufen, denn die Geschichte des Volkes Israel wurde als Mahnung aufgeschrieben!

Gleichzeitig aber auch als Einladung: Vertraue Gott, er ist da! Damals wie heute brauchen Menschen Zeichen wie die Wolken- und Feuersäule, die an Gottes Nähe und Anwesenheit erinnern. Das größte Zeichen ist in meinen Augen das Kreuz: Gott wird in Jesus Mensch, sichtbar und erfahrbar und wohnt unter den Menschen. Es gilt nach wie vor sein Versprechen: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende" (Matthäus 28,20).
 

Das Land der Verheißung – Einladung zum Vertrauen

Gott bietet auch heute noch an, das Land einzunehmen, das er für die Menschen vorgesehen hat. Dieser Ort der Bestimmung ist nicht auf einer Landkarte verzeichnet, aber auch ein Ort, wo Milch und Honig fließen. Dieser Ort, ich meine das himmlische Jerusalem, die Herrlichkeit im Himmel, hat Parallelen zur Zeit der Wüstenwanderung.

Im Glauben kann ich das Land einnehmen und zum Ort meiner Bestimmung kommen, wo Gott gegenwärtig ist. Ich werde ihn erleben, so wie er ist, nicht mehr verhüllt in Form einer Wolken- oder Feuersäule. Ich erfahre ihn schon hier auf Erden durch die Nähe Jesu, aber noch einmal viel intensiver und vor allem ohne Ende in der Ewigkeit. Welch ein Privileg!

Im Gegensatz zum Volk Israel wohnt Gott nicht nur BEI uns. Im Glauben an Jesus Christus wohnt der Heilige Geist sogar IN uns.

Wo stehen Sie wie das Volk Israel an einem Wendepunkt, um Gott zu vertrauen, auch wenn die Umstände schwierig sind? Geben Sie nicht wie die Israeliten kurz vor dem Ziel auf, sondern halten Sie sich an Gott!

Ich möchte Sie wie Josua und Kaleb ermutigen: Gott ist da, er liebt Sie bedingungslos, ist nah und versorgt Sie mit allem, was Sie an täglichem Manna brauchen. Bleiben Sie nicht wie das Volk Israel in Kadesch Barnea kurz vor dem Ziel stehen, sondern wagen Sie den Schritt in das Land Ihrer Bestimmung und in die Gegenwart Gottes. Gottes Einladung und Angebot für sein Land gelten: „Wer an mich (also Jesus) glaubt, hat ewiges Leben" (Johannes 5,24).

Wenn Sie das Land des Glaubens noch nicht einnehmen wollen, dann halten Sie sich zumindest an der Zusage fest: GOTT ist da. Auch an diesem Tag.

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Kommentare (3)

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Rike /

Auch ich danke Ihnen ganz herzlich für die ermutigende Auslegung zu einem sehr tragischen Text! Danke für Ihre Einladung, Gott zu vertrauen. Ich möchte es immer wieder neu lernen und beherzigen. Gern mehr

Monika W. /

Auch von mir herzlichen Dank für Ihre ermutigende Auslegung. Die imaginären Riesen, wie von Ihnen beschrieben, kenne ich leider nur zu gut 😞

Heike C. /

Herzlichen Dank für diese ermutigende Auslegung