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/ Bibel heute

Einzug in das Heiligtum

Der Bibeltext Psalm 24 – ausgelegt von Christian Hählke.

Ein Psalm Davids. Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. Denn er hat ihn über den Meeren gegründet und über den Wassern bereitet. Wer darf auf des HERRN Berg gehen, und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte?

Psalm 24

In meiner Guten Nachricht Bibel hat Psalm 24 die Überschrift: „Einzug ins Heiligtum“. Und meine Bruns Bibel hat die Überschrift: „Der Herr als Eigentümer der Erde will Einzug halten“.

Unser kurzer Psalm hat drei Teile. Die Verse 1 und 2 beschreiben die Herrschaft Gottes über die Erde. Die Verse 2 bis 6 sind die Eintrittsliturgie für Tempelbesucher. Wer wird zur Kultfeier im Tempel zugelassen? Und die Vers 7 bis 10 sind liturgische Begleitworte zur Erscheinung Jahwes im Tempel.

Diesen dritten Abschnitt von Psalm 24 kennen wohl viele Gottesdienstbesucher aus der Liturgie. In der Lutherbibel heißt es dort: Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Wer ist der König der Ehre? Es ist der Herr, stark und mächtig, der Herr, mächtig im Streit. Und dann nochmals: Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Wer ist der König der Ehre? Es ist der Herr Zebaoth; er ist der König der Ehre.

Vielleicht kommt ihnen jetzt auch das Adventslied von Georg Weissel in den Sinn mit seinen fünf Strophen. Die erste lautet:
„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt;
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.“

Im liturgischen Kalender für den 1. Advent ist dieser Psalm 24 vorgeschlagen. Ich habe ihn im Wechsel mit der Gemeinde immer zu Beginn des Gottesdienstes am 1. Advent gesprochen. Und das Adventslied von Georg Weissel singen wir natürlich auch.

Mir ist jetzt beim Nachdenken über diesen Psalm noch einmal klar geworden, dass wir unsere Türen, unsere Herzen, weit öffnen, damit Gott zu uns kommt und wir als Christen einladend leben.

Ich habe in meiner Dienstzeit mal eine Jugendband gegründet. Einige junge Menschen machten mit: am Schlagzeug, am Keyboard, am E-Bass, an der E-Gitarre, an den Mikrofonen. Und die Jungen und Mädchen habe auch die Lieder mitbestimmt, die wir geübt und vorgetragen haben. Auch Gottesdienste habe ich musikalisch mitgestalten können, sogar beim Frankfurter Kirchentag. Ich habe Verständnis, dass junge Leute nicht auf Kirchenorgel stehen. Sie mögen lieber die Musik einer Band. Und moderne christliche Lieder lassen sich mit unseren Instrumenten ja auch gut begleiten. Also, wir können uns weit öffnen, dass Menschen kommen und mitmachen.

Und ich dachte an Julian. Er wollte gerne das Klavierspiel erlernen. Doch die Eltern wollten so ein teures Instrument für ihn nicht kaufen. Vielleicht wäre schon nach kurzer Zeit kein Interesse bei Julian zu beobachten? Doch der Opa erzählte mir davon. Da habe ich ihm mein Klavier geliehen. Julian hat nicht die Lust am Klavier verloren, im Gegenteil. Und heute ist er musikalisch vielfältig unterwegs. Ich hatte damals ein weites und offenes Herz, ihm mein Klavier auszuleihen. Also, wir können uns weit öffnen, freundlich sein, damit Menschen sich gut entwickeln können.

Und jetzt liegt es an uns Christen, unsere Herzen, unsere Kirchen, unsere Gemeindehäuser, unsere Wohnhäuser weit zu öffnen. So können unsere Zeitgenossen ohne Schwellenangst dazukommen. Und in unserer christlichen Gemeinschaft kann Gott ihnen begegnen.

Damals in Jerusalem kamen die Menschen zum Tempel. Sie wollten Segen empfangen vom HERRN. Gott sollte sie wieder gerecht sprechen. Gott sollte ihnen helfen.

Wunderbar finde ich den dritten Teil von Psalm 24 in der Übersetzung der BASIS Bibel.

Da höre ich innerlich schon die Noten und Töne:
7   Ihr Tore des Tempels, seid hocherfreut!
     Ihr Türen der Urzeit, öffnet euch weit!
     Es kommt der König der Herrlichkeit!
8   Wer ist der König der Herrlichkeit
     Es ist der HERR – er ist stark und mächtig!
     Es ist der HERR – er ist machtvoll im Kampf!
9   Ihr Tore des Tempels, seid hocherfreut!
     Ihr Türen der Urzeit, öffnet euch weit!
     Es kommt der König der Herrlichkeit!
10  Wer ist der König der Herrlichkeit?
     Es ist der HERR der himmlischen Heere.
     Er ist der König der Herrlichkeit!

Und ich denke an die evangelisch-reformierte Tradition der Psalmlieder. Matthias Jorissen hat vor über 200 Jahren diesen Psalm auch zu einem Liedtext geformt.

Jetzt fehlt noch die Erklärung von dem Wort SELA. Es kommt hier zweimal vor. In insgesamt 39 Psalmen zähle ich es 71 mal. SELA bedeutet: Zwischenspiel. Also beim Gesang der Psalmen gibt es auch Unterbrechungen. Sie werden durch eine Zwischenmusik ausgefüllt. Ich habe mir in Israel mal ein Schofar, ein Widderhorn, gekauft. Als Trompetenersatz kann ich es gebrauchen. Die Bibel kennt noch weitere Instrumente.

Und heute haben wir eine Fülle von Instrumenten. Angefangen von der Orgel, sie wird Königin der Instrumente genannt, bis hin zu Schlagzeug, Bass, und E-Gitarre. Mit unseren Stimmen und Instrumenten preisen wir Gott, den König der Herrlichkeit. Wir preisen seinen Sohn Jesus Christus, unseren Herrn. Wir preisen die Gotteskraft, den Heiligen Geist. Bestimmt jetzt auch mit dem Adventslied: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Ich kann mir den 1. Advent ohne Psalm 24 nicht vorstellen.

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