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/ Bibel heute

Bischöfe und Diakone

Michael Barth über 1. Timotheus 3,1–13.

Das ist gewisslich wahr: Wenn jemand ein Bischofsamt* erstrebt, begehrt er eine hohe Aufgabe. Ein Bischof aber soll untadelig sein, Mann einer einzigen Frau, nüchtern, besonnen, würdig, gastfrei, geschickt im Lehren, kein Säufer, nicht gewalttätig, sondern gütig, nicht streitsüchtig, nicht geldgierig,[...]

1. Timotheus 3,1–13

In der Bibel finden wir zahlreiche Hinweise, wie Gott Menschen mit Arbeiten beauftragt. Adam erhielt den Auftrag als Bauer das Land zu bestellen. Mose sollte als Leiter sein Volk aus Ägypten nach Hause führen; Petrus als Fischer sollte Menschenfischer werden und als ein erster Bischof der Jerusalemer Gemeinde das junge Christenvolk leiten. Alle hatten kaum Vorkenntnisse in ihrem zukünftigen Beruf. So hatte Paulus nicht die in unserem Text erwähnten Eignungen, wurde aber persönlich von Jesus erwählt. Gott jedoch stattete alle mit den notwenigen Kenntnissen aus. So ist es zumindest in der Bibel zu lesen. Selbst Jeremia, der sich für zu jung erachtete, wurde von Gott gemäß. Jer. 1,7 ermutigt: „Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.“ Gott kann jemandem, dem er ein Amt oder eine Berufung überträgt, auch die notwenigen Voraussetzungen dafür geben.

In unserem heutigen Bibelwort wurde Timotheus aufgetragen, wie ein guter Bischof und Diakon sein sollte, der die Gemeinden leitet. Die notwendige Kenntnis der Bibel setzt Paulus offensichtlich voraus. Er bezeichnet es selbst als hohes Amt, bei dem besondere Voraussetzungen zu erfüllen sind. Ihm geht es um die menschlichen Eigenschaften des Bewerbers. Er soll untadelig, monogam, nüchtern, besonnen, würdig, gastfrei, geschickt im Lehren, kein Säufer, nicht gewalttätig, sondern gütig, nicht streitsüchtig und nicht geldgierig sein. Neben den persönlichen Eigenschaften schreibt Paulus vor, dass der Bewerber wie ein guter Hausvater und Erzieher sein soll.

Zur damaligen Zeit war es üblich, nur männliche Bewerber vorzusehen. In der heutigen Zeit sind Männer und Frauen - zumindest in der evangelischen Kirche - gleichberechtigt befugt, dieses Amt auszuüben.

Wie kommt man zu dem idealen Bewerber? Sie müssen alle erst einmal eine theologische Ausbildung absolviert haben, also PriesterIn oder PfarrerIn sein. Danach wählt z. B. in der ev.  Kirche die Landessynode aus dem Kreis der Kandidaten einen Bischof bzw. eine Bischöfin. Mögliche Bewerber werden auf ihre Eignung geprüft. 

In der katholischen und orthodoxen Kirche sollen die Bewerber unverheiratet sein, obwohl Paulus andere Kriterien bevorzugt. Bei ihm sollen die Bewerber verheiratet und Mann einer Frau sein.

Paulus sieht das Bischofs- und Diakonenamt als etwas Herausgehobenes an, für das besondere Voraussetzungen erfüllt sein sollten, damit der Bewerber über praktische Erfahrungen im Leben der christlichen Gemeinde und in der eigenen Familie verfügt. Nur so könne der Bewerber in der Seelsorge und in der Arbeit mit der Gemeinde die richtigen Aussagen treffen und dem Menschen zugewandt handeln. Denn Gott hat ihm die Sorge für seine Gemeinde übertragen.

Was veranlasst Paulus so an die Gemeinden zu schreiben? Offensichtlich ist ihm zu Ohren gekommen, dass sich Irrlehren in den Gemeinden Raum ausgebreitet haben und Älteste, die nicht diese spezielle Eignung innehatten, sich als neue Leiter aufspielten. Sie vergaßen, sich ein Beispiel an Jesus Christus in seiner Zeit hier auf Erden zu nehmen. Jesus gab ein Beispiel für so ein herausgehobenes Amt mit seinem Leben.

Dabei vergaß Paulus nicht seinen Bezug zu den Menschen in den Gemeinden, die ihn umgaben. Er war ihnen zugewandt, erkannte ihre Nöte und wies sie auf allerlei Ärgernisse hin. So ruft Paulus dazu auf, die richtigen Leiter als Bischöfe und Diakone zu wählen. Die Verantwortlichen können im Gebet Gott für den richtigen Bewerber mit den notwendigen Fähigkeiten bitten. Ob die erwähnten Gemeinden dies damals gemacht haben, teilt uns Paulus nicht mit.

Ich weiß aus meiner eigenen Praxis, dass heute fast immer vor solchen großen Entscheidungen Synoden, kirchliche Entscheidungsgremien, Gemeindemitglieder im Gebet Gott um die richtige Wahl bitten. Das dies unsere weltlichen Gremien übernehmen, bleibt leider ein Wunschdenken. Aber wünschen kann man sich es ja.

Ich hoffe, dass bei der Besetzung kirchlicher höherer Ämter Gott die Bewerber mit den notwendigen Fähigkeiten ausstattet. Er hat die Macht und kann die Auszuwählenden mit dem Mut um die Bewerbung ausstatten. Ob die Wahl auf den oder die richtige fällt, kann man erst später feststellen, wenn sie ihr Amt ausüben. Es bleibt zu hoffen, dass Gottes Segen mit den Ausgewählten ist. Lassen Sie uns gemeinsam dafür beten.

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Kommentare (1)

Tim /

Aber ist es nicht so, dass die Briefe an Timotheus seinerzeit galten und sich auf die damalige Situation in Ephesus bezogen? Ist dieser Ort denn zu einem Zentrum des Christentums gediehen? Können wir mehr