/ 50:06 Min. / ERF Mensch Gott
Lebenswende am Mount Everest
Alpinist Steve trifft am höchsten Berg der Welt eine Entscheidung, die ihm das Leben rettet.
Steve, ein Bergsteiger aus Hamburg, wollte den jeweils höchsten Berg aller sieben Kontinente besteigen und so Anerkennung und das Gefühl finden, angekommen zu sein. Nach sechs Gipfeln steht er im Basislager des Mount Everest vor dem Khumbu-Eisbruch, einem gefährlichen Gletscherabschnitt, und hört eine leise, klare innere Stimme: „Dieses Jahr ist es zu gefährlich.“ Steve bricht die Expedition ab. 48 Stunden später tötet eine Lawine an genau dieser Stelle 16 Menschen. Zurück in Hamburg fühlt sich Steve trotz beruflichem Erfolg innerlich leer, wendet sich an Gott und findet über Jahre einen Glauben, in dem er sich gesehen fühlt, bevor er etwas leistet.
Steves Suche beginnt 2007 auf dem Kilimandscharo, dem höchsten Berg Afrikas. Dort erlebt der Fitnesstrainer und Coach eine Intensität an Gefühlen, von der er „mehr in meinem Leben“ haben möchte. Daraus entsteht ein Plan bis 2014: Jedes Jahr ein Kontinent, am Ende der Everest. Das Projekt kostet ihn nach eigener Aussage rund 250.000 Euro, bringt ihm aber Vorträge, Bücher und Medienaufmerksamkeit. Steves Geschichte berührt eine Frage, die viele Menschen kennen: Was bleibt, wenn Anerkennung vor allem an Leistung hängt?
Warum fühlen sich manche Menschen nur wertvoll, wenn sie etwas leisten?
Steve erklärt das in seinem Fall mit seiner Prägung: Zuwendung und Nähe hat er als Kind vor allem erlebt, wenn er etwas leistete. Deshalb suchte er sich später ein Umfeld, in dem Erfolge Anerkennung brachten, von 30 Kilogramm Muskeln bis zu den höchsten Bergen. Das ist Steves persönliche Deutung, keine allgemeine Erklärung.
Warum macht Erfolg nicht automatisch glücklich?
Steve hat erlebt, dass äußerer Erfolg eine innere Leere nicht füllen konnte. Nach dem Everest war er beruflich auf dem Höhepunkt und fühlte sich zugleich innerlich leer wie noch nie. Das Glück, das er auf den Gipfeln gesucht hatte, fand er dort nach eigener Aussage nicht, wohl aber einen tiefen Sinn.
Wie kann man ohne Glaubenshintergrund Zugang zu Gott finden?
Anstatt eines schnellen Weges, beschreibt Steve eine jahrelange, beharrliche Suche. Er begann mit einem ehrlichen Gebet, schaffte bewusst Ruhe im Alltag, las viel und besuchte verschiedene Kirchen, bis er eine Gemeinde fand, in der er sich zu Hause fühlte. Er sagt auch offen, dass ihn vieles überfordert hat. Seine Erfahrung ist ein persönlicher Weg, keine allgemeine Anleitung.
Kann eine innere Stimme die Stimme Gottes sein?
Im Rückblick betrachtet war es für Steve so. Am Everest nannte er die Stimme zunächst Intuition oder Bauchgefühl. Erst als der Glaube in sein Leben kam, deutete er sie als Stimme Gottes. Diese Deutung ist Steves persönliche Glaubensüberzeugung.
Warum werden manche Menschen bewahrt und andere nicht?
Steve hat darauf keine Antwort. Warum er die Warnung gehört und befolgt hat, während 16 Menschen in der Lawine starben, weiß er nicht, und er räumt ein, dass das ungerecht erscheinen kann. Für ihn gehört es zum Glaubensweg, mit offenen Fragen zu leben und trotzdem weiterzugehen.
Ist Leistung aus christlicher Sicht etwas Schlechtes?
Für Steve nicht. Er ist „immer noch ein Fan von Leistung“ und glaubt, dass auch Gott Leistung gut findet. Entscheidend ist für ihn die Quelle: Leistung aus Bedürftigkeit empfindet er als „brüchig“. Leistung, die aus dem Gefühl kommt, schon vorher angenommen zu sein, erlebt er als nachhaltiger und sinnstiftender.
Wo finde ich Hilfe?
Wenn du dich innerlich leer, erschöpft oder unter Leistungsdruck fühlst, musst du damit nicht allein bleiben. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar unter 0800 1110111 und 0800 1110222. Auch beim ERF kannst du dich melden: Gebet beim ERF.
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