/ ERF Mensch Gott / 28:53 min.
Die Trauer war ein schwarzes Loch
Nicole hat ihren 16-jährigen Sohn bei einem Motorradunfall verloren. Ein Autofahrer hatte ihm die Vorfahrt genommen. Nach seinem Tod beschreibt Nicole ihren Alltag als „Überleben und nicht leben“. Sie trat aus der Kirche aus und wollte sich an dem Mann rächen, der den Unfall verursacht hatte. Der Wendepunkt kam durch Julia, eine gläubige Arbeitskollegin: Julia hat für Nicole gebetet, und Nicole hat dabei nach ihren eigenen Worten erlebt, dass Gott sie berührt. Später fand Nicole in einer Freikirche zum Glauben an Jesus und entschied sich, dem Unfallfahrer zu vergeben. Heute sagt sie, ihre Trauer sei umgewandelt „in Dankbarkeit, dass ich meinen Sohn 16 Jahre haben durfte“.
Christian war das einzige Kind von Nicole und ihrem Mann, und das war eine bewusste Entscheidung der beiden. Er hatte gerade eine Ausbildung begonnen. An einem warmen Septembermorgen fuhr er mit seiner 125er-KTM ganz normal zur Arbeit, als ein geparktes Auto losfuhr und ihn abdrängte. Ein Gutachten bestätigte nach drei Monaten, dass Christian nichts falsch gemacht hatte. Der Fahrer bekam 3.000 Euro Strafe und drei Monate Fahrverbot. Nicole bestand auf eine Gerichtsverhandlung und bezahlte sie selbst. Sie wollte, dass der Mann ihr in die Augen sieht. Nicoles Geschichte greift Fragen auf, die viele Trauernde beschäftigen: Wie lebt man weiter, wenn das eigene Kind gestorben ist? Was macht man mit der Wut auf den Verursacher? Und kann man an Gott glauben, wenn so etwas passiert?
Wie fühlt sich Trauer nach dem plötzlichen Tod eines Kindes an?
Nicole beschreibt die Zeit nach Christians Tod als „Dunkelheit. Schwarz. Schmerzen.“ Morgens hoffte sie, dass bald Abend ist, und abends, dass bald Morgen ist. Nicole und ihr Mann hatten in dieser Zeit nach eigener Aussage auch starke körperliche Schmerzen, beide mit Bandscheibenvorfällen. Drei Jahre lang ging Nicole jeden Tag zur Unfallstelle und zum Friedhof, trug Christians Kleidung und legte sich in sein Bett.
Darf man wieder lachen, wenn das eigene Kind gestorben ist?
Nicole hat erlebt, dass ein erstes Lächeln zuerst wie ein Verrat wirken kann, aber trotzdem ein Zeichen neuer Lebenskraft war. Als sie nach einem Gebet im Rückspiegel sah, dass sie lächelte, dachte sie: „Ich darf nicht lachen, mein Sohn ist tot.“ Zugleich spürte Nicole, wie Freude und Lebenswille zurückkamen, obwohl sie vorher nicht mehr leben wollte. Nach ihrer Erfahrung war das kein schlagartiger Wandel, sondern ein Prozess.
Wie kann man jemandem vergeben, der den Tod eines geliebten Menschen verursacht hat?
Für Nicole begann die Vergebung mit einer bewussten Entscheidung, nicht mit einem Gefühl. Eine Predigt über Vergebung machte ihr klar, dass sie den Unfallfahrer jeden Tag in Gedanken „hinterherträgt“, während er selbst davon kaum etwas merkt. Nicole räumte ihr Messer weg, verbrannte die Handynummer des Mannes und betete: „Herr, ich entscheide mich jetzt, ihm zu vergeben.“ Einen „großen Knall“ gab es nach ihren Worten nicht, aber die Rachegedanken verschwanden mit der Zeit, und heute weiß Nicole nicht einmal mehr seinen Namen.
Warum lässt Gott zu, dass ein unschuldiger Mensch stirbt?
Eine abschließende Antwort darauf hat Nicole nicht, aber sie stellt heute statt der Frage nach dem Warum die Frage nach dem Wozu. Nicole sieht, was nach Christians Tod an Gutem entstanden ist: Sie selbst fand zum Glauben, zerstrittene Menschen versöhnten sich in der Trauerzeit bei ihr zu Hause, und eine Kollegin ging wieder auf ihre Tochter zu. Dass Christian sterben „musste“, sagt Nicole ausdrücklich nicht. Nach ihrer Sicht hat ein Mensch den Unfall verursacht, und Gott verhindert nicht alles, was in der Welt passiert.
Was hilft Trauernden mehr als gut gemeinte Trostworte?
Nicole hat vor allem ehrliche Anteilnahme ohne schnelle Erklärungen geholfen. Sätze wie „Mein Kind ist bei Gott und alles ist gut“ stießen sie damals ab. Ihre Kollegin Julia sagte dagegen: „Warum Gott das zugelassen hat, kann ich dir nicht beantworten. Aber ich kann für dich beten.“ Genau diese Offenheit hat Nicole nach eigener Aussage von allen Gesprächen am meisten berührt. Schwer war für Nicole dagegen, dass Freunde nach ihren Besuchen in ihr normales Leben zurückkehrten und sie selbst in ihr „Nicht-Leben“.
Was ist Lobpreis und warum kann diese Musik in der Trauer guttun?
Lobpreis ist christliche Musik in moderner Form, oft mit Gitarre und Schlagzeug, und unterscheidet sich von klassischer Kirchenmusik. Julia schickte Nicole solche Lieder, als Nicole von Gott noch nichts wissen wollte. Nicole berichtet, dass die Musik sie ruhig machte, obwohl sie ständig Herzrasen hatte, verkrampft war und die Zähne zusammenbiss. Das ist Nicoles persönliche Erfahrung und keine allgemeine Wirkungsaussage.
Wo finde ich Hilfe?
Wenn dich Trauer um einen geliebten Menschen, Wut und Rachegedanken oder der Gedanke, nicht mehr leben zu wollen, belasten, musst du damit nicht allein bleiben. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar unter 0800 1110111 und 0800 1110222. Auch beim ERF kannst du dich melden: Gebet beim ERF
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Ihr Kommentar
Kommentare (2)
Ich bin tief berührt und dieser Bericht macht mir Hoffnung. Dank sei Gott.
Danke, liebe Nicole, für diese ermutigenden Erfahrungen, an denen du uns teilhaben hast lassen. Sie lassen spüren, dass eigentlich Unmögliches durch Jesus möglich werden kann - Heilung von … mehrschlimmsten Wunden, Befreiung von Bitterkeit, Vergebung von großer Schuld, Überwindung von tiefen Zweifeln... Ich habe Menschen mit ähnlichem schwerem Leid vor Augen, für die ich jetzt gleich mal hoffnungsvoller beten kann...