03.06.2026 / Wort zum Tag
Zweifeln, ohne zu verzweifeln
Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht und verkündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf, Armen wird das Evangelium gepredigt.
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Es gibt Zeiten im Leben, in denen ich verunsichert bin und mich Zweifel überkommen. Dann habe ich mehr Fragen als Antworten. Auch Starke kommen in Situationen, in denen sie schwach sind. Mutige sind nicht immer tapfer, Kluge wissen mal nicht weiter und Heitere sind nicht immer fröhlich. Das geht Christen nicht anders. In meinem Leben gab es Zeiten, in denen meine Fragen unbeantwortet blieben und Zweifel an mir nagten: Bin ich noch auf dem richtigen Weg, der mich zum ewigen Ziel führt? Ist Gott noch bei mir? Interessiert es ihn überhaupt, wie es mir geht? Ist meine Schuld wirklich vergeben? Auch die Sünden, die mir schon mein Leben lang anhängen und die ich einfach nicht losbekomme?
Im Zusammenhang mit dem heutigen Lehrtext der Herrnhuter Brüdergemeine wird von Johannes, genannt „der Täufer“, berichtet. Er sendet zwei seiner Mitarbeiter zu Jesus, um zu fragen: „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ Ausgerechnet Johannes, der vom Herrn lange Zeit in der Einöde auf seinen Dienst vorbereitet wurde. Er, dem Gott selbst gezeigt hat, dass Jesus der kommende Erlöser ist. Der den Geist Gottes auf Jesus herabkommen sah und Gottes Stimme hören konnte – gerade er stellt diese Frage. Johannes hat mutig und wirkungsvoll seinen Auftrag erfüllt, das Volk Israel zur Umkehr zu bewegen. Er sollte es auf das Kommen des lange angekündigten Messias vorbereiten. Doch nun saß er im Gefängnis, weil er es gewagt hat, den König auf seine Sünden hinzuweisen. „Jesus gab ihnen zur Antwort:“ – nachzulesen im Lukasevangelium, Kapitel 7, Vers 22 – „Geht zu Johannes und berichtet ihm, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote werden auferweckt, Armen wird gute Botschaft verkündigt.“
Jesus lässt ihm nicht einfach ausrichten: „Ja, ich bin es.“ Das kann jeder von sich behaupten und ist für Johannes keine Hilfe. Als Sohn eines Priesters ist Johannes mit der Heiligen Schrift vertraut. Er kennt die vielen Vorhersagen, die Gott durch seine Propheten über den Messias gegeben hat. Allein im Buch Jesaja findet sich eine Vielzahl von Ankündigungen der Wunder, die der kommende Erlöser tun wird: Blinde sehen, Taube hören, Lahme können gehen, Tote werden auferstehen und Elenden wird gute Botschaft verkündet. Die Jünger des Johannes sind Augenzeugen dieser Zeichen, die Jesus getan hat, und haben ihm davon berichtet. Warum ist Johannes trotzdem verunsichert? Es ist wohl nicht das, was er von Jesus und seinen Taten gehört hat. Eher das, was er nicht über ihn gehört hat! Heißt es nicht auch, dass er die Gefangenen aus dem Gefängnis holen und aus dem Dunkel befreien wird? Doch Johannes sitzt im Kerker; das zehrt an den Kräften. Und die Ankündigung, dass der kommende Erlöser Recht und Ordnung wiederherstellen und eine ewige Herrschaft antreten wird? Doch nun wirkt Jesus nicht einmal in der Königsstadt Jerusalem, sondern im weit entfernten Kapernaum in Galiläa. Was Johannes hört, entspricht nicht dem, was er erwartet hat. Das verunsichert ihn.
Manchmal werde ich unsicher und bekomme Zweifel, auch im Glauben. Doch daran muss ich nicht verzweifeln! Johannes bleibt nicht bei enttäuschtem Grübeln. Er wendet sich mit seiner Frage an Jesus! Bei ihm bin auch ich richtig, wenn ich Gottes Handeln nicht verstehe. Wenn ich traurig oder mutlos werde. Wenn ich ängstlich bin und nicht weiß, wie es weitergehen wird. Oder wenn ich enttäuscht bin, weil sich meine Erwartungen mal wieder nicht erfüllen. Ich kann mich darauf verlassen, dass der Herr seine Versprechen einhält. Er wird mein Vertrauen nicht enttäuschen. Deshalb möchte ich auf Jesus warten – und auf keinen anderen.