19.07.2026 / Bibel heute

Zion, die Mutter der Völker

Ein Psalmlied der Korachiter. Sie ist fest gegründet auf den heiligen Bergen. Der HERR liebt die Tore Zions mehr als alle Wohnungen Jakobs. Herrliche Dinge sagt man von dir, du Stadt Gottes. Sela.

Psalm 87

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Hintergrund: Die Korachiter und die Geschichte Jerusalems

Die Korachiter sind die Nachkommen des Korach, ein Aufrührer, der sich während der Wüstenwanderung gegen Mose und Aaron erhebt und einen Aufstand anzettelt. Er wird von der Erde verschlungen. Seine Söhne sind später Tempeldiener und Sänger. Sie haben diesen Psalm gedichtet und sicher auch gesungen.

Ein Hügel in Jerusalem wird Zion genannt. Später wird der Ausdruck Zion im biblischen Verständnis oft für ganz Jerusalem angewendet. Die Tore der Stadt stehen somit bildlich gesprochen für die gesamte Stadt – für deren Schutz, aber auch für die Rechtsprechung und – in friedlichen Zeiten – fungieren sie auch als Begegnungsstätte.

Aber! – Wer kennt heutzutage noch die ganze Geschichte von Jerusalem?

Einer der Söhne Noahs heißt Ham. Der wiederum zeugt seinem Vater einen Enkel – der heißt Kanaan. Später wird nach diesem Mann auch das Land so benannt, in welches Abraham vor ca. 4.000 Jahren von Gott hineingerufen wird. Es ist das verheißene Land, in welchem Gott ihm so viele Nachkommen verspricht, wie Sterne am Himmel stehen.

Im Hochland Kanaans, dort zwischen lieblichen Hügeln steht eine Stadt, die später – nach der Eroberung Davids – Jerusalem genannt wird. Der Urvater der Israeliten trifft dort bereits ca. 1.000 Jahre vor David auf den König und Priester des Höchsten – Melchisedek. Dieser ist göttlicher Herrscher der Stadt Jebus, die auch Salem genannt wird. Hier leben die Jebusiter, ein kanaanäischer Stamm, der laut der Völkertafel im Buch Genesis, also dem 1. Buch Mose, ausdrücklich erwähnt wird.

Durch diese Begegnung zwischen Abraham und Melchisedek erkennt Abraham aus dem Bekenntnis des Priesterkönigs, dass auch dieser an denselben Gott glaubt, wie er. Abraham opfert den Zehnten von der ganzen Beute, die er nach der Befreiungsschlacht des Lot erhalten hat, an diesen Melchisedek.
 

Auslegung: Zion als Mutter aller Völker

Aus den eben gelesenen Psalmworten heraus begreife ich, was in den Versen 4–6 zum Ausdruck kommt. Ich wiederhole noch einmal: „Ich zähle Ägypten und Babel zu denen, die mich kennen, auch die Philister und Tyrer samt den Kuschitern: Die sind dort geboren.“ Man wird von Zion sagen: „Ein jeder ist dort geboren“; und er selbst, der Höchste, erhält es. Der HERR spricht, wenn er aufschreibt die Völker: „Die sind dort geboren.“

Jetzt kann ich nachvollziehen, warum diese Stadt die Mutter aller damals bekannten Völker ist. Das wiederum ist wichtig für die Zukunft, auf die ich hinlebe. Es ist ja geradezu eine revolutionäre Erkenntnis, dass die heutigen Gegner Israels, wie z. B. Ägypter, Babylonier, Philister, Menschen aus Tyrus und Kusch, als Abkömmlinge Zions genannt werden. Das aber wiederum passt zu den Verheißungen bei Jesaja und Sacharja, dass die Nationen zum Gott Israels kommen werden.

Ist das nicht eine wirkliche Frohbotschaft?

Wie geht es dann weiter? Vor ca. 3.000 Jahren – also 1.000 Jahre nach Abraham – erobert König David diese alte Metropole und macht sie unter dem Namen Jerusalem zur Hauptstadt seines Reiches. Durch die Überführung der Bundeslade von Hebron in die Neueroberung macht David Jerusalem nicht nur zum politischen, sondern auch zum religiösen Zentrum des Volkes Israels. Ehemals Jebus bzw. Salem wird ab diesem Zeitpunkt auch „Stadt Davids“ genannt. Sein Sohn Salomo wird später auf dem Hügel Zion den ersten Tempel bauen und Gott wohnt im sogenannten Allerheiligsten.

Damit legt David den Grundstein für die Bedeutung der Stadt, die sie – trotz wechselnder Eroberer – bis heute noch für die dort lebenden Juden innehat. Erst vor kurzer Zeit, in der ersten Amtsperiode von Donald Trump, bekommt Jerusalem wieder diese Anerkennung als Hauptstadt des politischen Staates Israels zurück.

Können denn demnach wirklich, biblisch gesehen, die heutigen Abkömmlinge von Jakobs viertem Sohn, Jerusalem für sich allein beanspruchen? Eine große Frage, die die Zukunft noch klären wird. Ich weiß, dass die bereits erfüllten biblischen Prophezeiungen ein hohes Maß erreicht haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die noch ausstehenden Voraussagen ebenso erfüllen werden, erscheint mir ziemlich sicher.
 

Das himmlische Jerusalem – geistliche Deutung

Geistlich wird das auch noch einmal im Hebräertext aufgegriffen, wenn es dort im 12. Kapitel, im Vers 22, heißt: „… sondern ihr seid gekommen zum Berg Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem…“ In Christus gehören Menschen aus allen Völkern zum „Zion Gottes“, zur Gemeinde. Ihre wahre Geburtsstadt ist geistlich gesehen Gottes Stadt.

In der Offenbarung spricht Johannes am Ende des Buches von einem himmlischen Jerusalem. Dieses sieht der Jünger Jesu vom Himmel aus sich auf die Erde herabsenken. Es liegt nahe, dass geistlich zu begreifen und weniger als einen Ort auf dieser Erde, den ich mit einem Längen- und Breitengrad verorten könnte. Es scheint sich so zu verwirklichen, als ob Erkenntnisse sich aus dem hohen Geist langsam in unser Bewusstsein herabsenken und auf eine ganz andere Art und Weise wahr werden als vielleicht bisher gedacht.

So ist der Psalm 87 für mich zu einer Art Schlüsseltext geworden, der mir meine eigene, kleine Perspektive sehr stark erweitert hat. Ich rüttele nicht daran, dass das Volk Israel Gottes auserwähltes Volk ist. Mit diesem wird Gottvater alles, was zerbrochen und verloren ist, wiederherstellen. Aus Juda kommt der Erlöser – diese Fakten stehen hier nicht zur Debatte! Aber dass der höchste Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs schon vorher im Lande Kanaan bekannt war und verehrt wurde – das war mir zumindest neu.

Wer jetzt auf diesen Psalm neugierig geworden ist, kann ihn gern noch einmal in der Neuen Genfer Übersetzung nachlesen – dieser Text ist dann wesentlich besser zu verstehen.

Autor/-in: Jens Scholz