27.09.2026 / Anstoß - Gedanken zum Tag
„Wir zogen es vor, zu schweigen“
ließ Mordechai Ester antworten: Denke nicht, dass du dein Leben errettest, weil du im Palast des Königs bist, du allein von allen Juden.
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Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen – ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Gewerkschaftler holten, habe ich geschwiegen – ich war ja kein Gewerkschaftler.
Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen – ich war ja kein Jude.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der für mich protestieren konnte.
Dieses Zitat stammt von Martin Niemöller*. Niemöller war lutherischer Pfarrer und anfangs Befürworter der Nationalsozialisten, die letzten acht Jahre der NS-Herrschaft verbrachte er wegen seines Widerstands gegen das Regime in Gefängnissen und Konzentrationslagern.
Niemöller räumte nach dem Krieg öffentlich ein, er sei angesichts des Schicksals der Opfer des Nationalsozialismus passiv und gleichgültig gewesen. In den ersten Jahren des NS-Regimes habe er geschwiegen, als die Nationalsozialisten andere Deutsche verfolgten, darunter insbesondere Mitglieder linker politischer Bewegungen, die von ihm als Konservativen entschieden abgelehnt wurden. Besonders verwerflich war für ihn das Schweigen der Verantwortlichen der protestantischen Kirche, einschließlich seiner eigenen, da sie eine moralische Autorität verkörperten.
Ich denke an die persische Königin Ester in der Bibel, der ihr Onkel Mordechai angesichts eines drohenden Völkermords ins Gewissen redet: „Denke nicht, dass du dein Leben errettest, weil du im Palast des Königs bist“ (Ester 4,13a). Und ich merke: Ich brauche mehr Mut, mich für Menschen einzusetzen - auch wenn wir vielleicht gar nicht auf einer Wellenlinie liegen. Es geht womöglich irgendwann dann doch auch um meine Glaubens- und Lebensweise.
* Quelle: https://encyclopedia.ushmm.org/content/de/article/martin-niemoeller-first-they-came-for-the-socialists (abgerufen am 07.09.2026)
Buchtipp: „Martin Niemöller – Ein Leben in Opposition“ von Benjamin Ziemann