31.10.2026 / Wort zum Tag

Weshalb Sünder schön sind

Alle, die glauben, werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.

Römer 3,24

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„Die Sünder sind schön, weil sie geliebt werden.“ Das ist ein Spitzensatz von Martin Luther gewesen. Dahinter steckt für ihn der frohe Glaube, Menschen – und die sind aus biblischer Sicht Sünder – sind vor Gott gerechtfertigt durch Jesus Christus.

Der Mensch ist durch Glauben vor Gott gerecht, das hat Martin Luther umgetrieben. Wesentlich dazu beigetragen haben Texte aus dem Neuen Testament, wie zum Beispiel Römer 3, Vers 24:

„Alle, die glauben, werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Jesus Christus geschehen ist.“

So sehr ihn das umgetrieben hat, so wenig lockt das heute noch Menschen hinter dem Ofen hervor. Das ist zumindest mein Eindruck. Wobei, umgetrieben sind wir heute auch. Nur ein Beispiel dafür: Der Mensch muss sich ständig selbst rechtfertigen. Er muss sich rechtfertigen, warum er dieses getan und jenes nicht getan hat. Immerzu muss er erklären, warum er nicht schuld ist. Daran sehe ich: Wo das Vertrauen fehlt, von Gott gerechtfertigt zu sein, muss sich der Mensch  selbst rechtfertigen.

Und – wer sich selbst rechtfertigt, gibt damit zu, nicht gerechtfertigt zu sein. Darum rechtfertigt sich der Mensch selbst und lebt folglich selbstgerecht. Dem gegenüber steht die Rechtfertigung durch den Glauben. 

Der Theologe Hans-Joachim Iwand hat diesen Glauben in einer Predigt beschrieben. Er sagt: „Gott hat uns nicht geliebt, weil wir gut sind, er hat nicht etwas an uns geliebt, etwas Schönes, Wahres oder Göttliches. Vergesst das nie, dass der Anfang der Liebe Gottes zu euch, nicht von euch, sondern von ihm ausgegangen ist. Ihr seid sein durch die Liebe Gottes.“ Weiter sagt er: „Die Liebe Gottes setzt nichts voraus; was sie gewirkt hat, das hat sie geschaffen. Denn das Evangelium von der Liebe Gottes, die Botschaft von dem Tod seines Sohnes ergeht an alle Menschen. Sie ergeht an den Menschen, der auf der Flucht vor Gott ist und ist in dem Satz zusammengefasst, dass „Jesus Christus für die Sünder gestorben ist.“

Im Gebet können wir zu Gott kommen. Wir haben durch das Erlösungshandeln Jesu Christi freien Zugang zu ihm. 

In meiner Jugendzeit gab es keinen freien Zugang zum Brocken, dem höchsten Berg im Harz. Das war Sperrgebiet. Inzwischen gibt es wieder freien Zugang dort hinauf und viele Menschen nutzen das. Durch Jesus Christus haben Menschen freien Zugang zu Gott. Nicht nur das, wir Menschen können auch im Frieden mit Gott leben. Er ist nicht unser Feind. In Jesus Christus reicht er uns die Hand. Wir können sie im Glauben ergreifen, einschlagen, Hand in Hand mit Gott gehen, Frieden.

So mag es sich der Reformator Martin Luther gedacht haben als er sagte: „Die Sünder sind schön, weil sie geliebt werden.“

Autor/-in: Werner Hanschmann