27.09.2026 / Bibel heute

Wenn die Schlacke schmilzt

Von David. Ich danke dir von ganzem Herzen, vor den Göttern will ich dir lobsingen. Ich will anbeten zu deinem heiligen Tempel hin und deinen Namen preisen für deine Güte und Treue; denn du hast dein Wort herrlich gemacht um deines Namens willen. Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft.

Psalm 138

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Schlacke in der Seele

Manche stöhnen unter der Hitze dieses Sommers, andere genießen jeden sonnigen Tag in vollen Zügen.

An einem solchen Sommertag denkt kaum jemand an den Winter, an die kalten Abende, an denen der Ofen wieder brennen muss. Wer mit Holz oder Kohle heizt, weiß: Regelmäßig muss die Schlacke aus dem Ofen entfernt werden, sonst brennt das Feuer nicht richtig.

Schlacke gibt es aber nicht nur im Ofen. Auch meine Seele sammelt sie an – in Form von Enttäuschungen, Sorgen, unbewältigter Trauer, Überforderung und Erschöpfung.

Der Psalm 138 spricht von einer anderen Art Schla>Gott meine Aufmerksamkeit beansprucht. Diese Götter treten selten offen auf. Sie schleichen sich ein, ziehen meinen Blick auf sich, lenken mich ab – bis die Ablenkung zur Flucht wird oder zum Ersatz für das, was eigentlich zählt.

Und das verändert mich. Statt Frieden spüre ich Leistungsdruck. Ich fürchte, nicht gut genug zu sein. Neid und Vergleich bestimmen meinen Rhythmus. Selbst nach Erfolgen bleibt eine Leere zurück. Mit der Zeit werde ich einsam, erschöpft und frage mich, wozu das Ganze eigentlich gut ist.

So wird die Seele schwer – wie ein Hochofen, in dem sich Schlacke auftürmt.

Der Psalmbeter setzt dem etwas entgegen: Er richtet seine Verehrung nicht auf Götter, sondern auf seinen Gott. Was gibt er mir dabei weiter?
 

Danke

Obwohl die Götter sichtbar präsent sind, entscheidet er sich, Gott von ganzem Herzen zu danken und ihm zu singen. Kein langes Abwägen – er stimmt einfach an. Seine Stimme wird zum Werkzeug des Lobes.

Denn dieser Gott lebt. Er handelt, er regiert, er umarmt, er hilft. Anders als die stummen, reglosen Götter sitzt er nicht teilnahmslos da – er greift ein. Er starrt niemanden mit leerem Blick an, sondern sieht die Not jedes Einzelnen. Er lenkt nicht vom Wesentlichen ab, sondern schenkt echte Aufmerksamkeit.

Wer dankt und singt mit Herz und Mund, richtet seinen Blick auf Gott. Wer lobt, öffnet sich für sein Wirken. Wer seine Stimme erhebt, tritt in seine Nähe. So wird Dank zu einem Gebet – ganz im Sinne dessen, was Abraham Joshua Heschel einmal sinngemäß festhielt: Beten ziele weniger auf das Bitten als auf das Loben und Singen, weil der Mensch ohne ein Lied nicht leben könne.
 

Bete an

Der Psalmbeter geht noch weiter: Er beugt sich vor Gott und preist ihn für seine Güte und Treue – Eigenschaften, die der Beter selbst erfahren und erkannt hat. Gottes Liebe ist unerschöpflich, und seine Treue zeigt sich darin, dass er sich selbst offenbart: wer er ist, wie er ist, und dass er ihm vertrauen darf.

Wer anbetet und den Namen Gottes preist, richtet seine Aufmerksamkeit auf ihn.
 

Von Gottes Handeln erzählen

Doch der Beter bleibt nicht beim Loben stehen – er berichtet, wie Gott auf sein Rufen antwortet. Türen öffnen sich, Wege zeigen sich, neue Perspektiven entstehen. Manchmal fragt Gott auch einfach nach und wartet auf eine Antwort.

Daraus schöpft die Seele Kraft. Denken, Fühlen und Handeln werden von der Gewissheit getragen: Gott ist da, er sieht mich, er hilft. Mit dieser Zuversicht lassen sich auch schwierige Schritte gehen.

Besonders gilt: Gott sieht die, die am Rand stehen – gesellschaftlich, menschlich, in Beziehungen. Ihnen gilt sein Blick, seine Fürsorge, seine Nähe. Wo Stolze den Ruf anderer beschädigen wollen, greift er ein.  Keine Angst ist ihm zu groß, kein Schmerz zu klein. Gerade in der Enge weitet er den Horizont: Er stärkt die Verletzten, hält die Resignierten am Leben, geht den Ursachen schlafloser Nächte auf den Grund und stellt sich denen entgegen, die Angst verbreiten. Ihr zorniges Auftreten behält nicht das letzte Wort – Gottes Hilfe schon.

Niemand ist für Gott erledigt. Jeder Einzelne ist Grund genug, dass er handelt, um seine Liebe erfahrbar zu machen.

Wer von Gottes Handeln erzählt, richtet seinen Blick auf ihn.
 

Blicke weiter

Diese Erfahrung macht der Beter nicht nur für sich allein. Er sieht über den eigenen Tellerrand: Könige danken für Gottes Weisungen, Regierende hören auf seine Stimme, ganze Völker erkennen Schritt für Schritt seine Größe und seinen Ruhm.

Wer den Blick weitet und Gottes Wirken auch dort entdeckt, wo man es nicht vermutet, richtet sich auf ihn aus.
 

Das Feuer neu entfachen

Ich begann mit der Hitze, mit der Schlacke in unserem Leben. Legt sie sich über unser geistliches Leben, erlischt das Feuer der Leidenschaft – und mit ihm die Achtsamkeit gegenüber Gott. Der Psalm zeigt mir: Die Schlacke löst sich, wenn ich achtsam bin für Gott und ihn lobe.

Autor/-in: Klaus Knödler