15.08.2026 / Bibel heute

Wem schließe ich mich an?

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Räuber. Der aber zur Tür hineingeht, der ist der Hirte der Schafe. Dem macht der Türhüter auf, und die Schafe hören seine Stimme; und er ruft seine Schafe mit Namen und führt sie hinaus.[...]

Johannes 10,1–10

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Jesu Rede nach der Heilung des Blindgeborenen

Der Evangelist Johannes, der hier die Rede JESU nach der Heilung des Blindgeborenen wiedergibt, ist derselbe, der am Schluss der Offenbarung die Aussage JESU vermittelt: „Siehe, Ich mache alles neu!“ Das ist ja die diesjährige Losung, die mich so tief erfreut und hoffnungsvoll macht.

Wie der Start in das Neumachen aussieht, wird im Gespräch JESU mit den Schriftgelehrten und Pharisäern deutlich. Die sind Profis in Sachen „Alter Bund“ und bilden die „high society“ im politischen und religiösen Sinn. Sie fühlen sich herausgefordert von einem „Quertreiber“, von dem sie spüren, dass er ihr System auf den Kopf stellt durch sein Leben in Wort und Tat. In großer Wut über die messerscharfe Analyse und Korrektur ihres Lebens nach Maßgabe des Willens GOTTES, wollten sie ihn ja bereits steinigen (Kapitel 8, 9). Nun haben sie die Heilung und das Zeugnis des Blindgeborenen miterlebt und müssen verdauen, dass JESUS sie als Blinde bezeichnet. Das wird im Matthäusevangelium, Kapitel 23,1–36 noch vertieft. Aber sie wollen es nicht akzeptieren.
 

Das Gleichnis vom Hirten und der Herde

JESUS möchte ihnen mit einem praktischen Beispiel aus dem Alltag klarmachen, wie GOTT als Schöpfer und Vater Einfluss nehmen will auf seine Menschen im Kollektiv (Herde) und bei jedem Einzelnen. Seine bibelkundigen Gegner kennen den 23. Psalm und auch das Wort aus Hesekiel 34,31: „Ja, ihr Menschen sollt die Herde meiner Weide sein und Ich will euer GOTT sein, spricht der Herr“. Wie vertraut ist jedem der Anblick von Schafen! Und weil diese nützlichen Tiere als Lieferanten von Nahrung und Kleidung so orientierungslos sind (wir sprechen ja von „dummen Schafen“), brauchen sie Hilfe von Menschen, damit sie „klarkommen“, damit ihr Schafleben gelingt.

Das ist eine gute Symbiose zwischen Mensch und Tier, eine „Win-Win“-Situation. Aber wer ist geeignet, ein guter Partner für die Schafe zu sein? Das Kriterium ist die Liebe! Wer sich selbst liebt, wird die Schafe ausnutzen und missbrauchen. Er wird sich wie ein Dieb verhalten, der darauf aus ist, zu stehlen, zu töten und zu zerstören. So charakterisiert JESUS an anderer Stelle den Satan, der durch diese Diebe und Räuber seine Absicht ausübt. Der echte Hirte hingegen ist ein Freund und Verantwortungsträger für die Schafe. Er sorgt dafür, dass sie abends in den Schafstall gelangen. Das ist ein umzäunter oder ummauerter Platz mit einem Tor. Meist sind mehrere Herden in einer solchen Umfriedung. Für ihre Sicherheit während der Nacht sorgt der Türhüter. Am Morgen kommen die Besitzer der Herden, rufen ihre Schafe mit Namen und verlassen mit ihnen den Schafstall durch das Tor. Einem Fremden würden die Tiere nie folgen, sie vertrauen nur dem mit der vertrauten Stimme!

Und nun stellt sich der Sohn GOTTES in Seiner Liebe zu allen Menschen als Multitalent vor:
JESUS ist die Tür und der Hirte. Seine Ich-bin-Worte im Johannesevangelium enthalten hier diese Doppelfunktion.
JESUS ist der bei den Hütern des Alten Bundes um ihre Einsicht Ringende.
JESUS ist der, der jeden, der Ihm gehören will, mit Namen kennt.
JESUS ist der Liebende, der in die Entscheidung ruft und führt.
 

Die Herde des Guten Hirten – wer gehört dazu?

Wer gehörte eigentlich schon zur Herde des Guten Hirten? Wer war schon hineingegangen ins Reich GOTTES und hatte durch die Begegnung mit Ihm sein Herz und Leben für das Neuwerden geöffnet? Das waren u. a. zunächst die Jünger JESU. Es war Nikodemus aus dem Sanhedrin. Es war Maria aus Magdala, die später als Erste das Zeugnis der Auferstehung JESU weitergegeben hat. Und es waren die Geschwister Martha, Maria und Lazarus, die sich oft als Gastgeber für JESUS und sein Team verfügbar machten.

Ja, im Gegensatz zum Dieb und Räuber, der das Leben nimmt, gibt JESUS Leben! Es ist das pralle Leben im Überfluss mit der Dimension Ewigkeit. Es beginnt sofort, sobald sich ein Mensch dafür öffnet. Wir haben ja auch eine Tür, an die JESUS klopft, wenn Er als Herr in unser Herz einkehren möchte (Offenbarung. 3,20). Hier gibt es keine Neutralität. Entweder ist jemand im Bereich des Räubers oder im Reich dessen, der echtes, befriedigendes Leben bereithält – Jetzt und Hier und in alle Ewigkeit.

Was gehört dazu? Ich kann es nur stichwortartig benennen: Annahme, Vergebung, Gewissheit, Geborgenheit, Veränderung und Umgestaltung in das Bild JESU. Das wiederum bedeutet, dass JESUS in den Seinen lebt und sie in Ihm sind. Großartig, was alles geschieht, wenn der Türanklopfer zum Herzenserneuerer wird! Im 2. Korintherbrief 5,17 heißt es dazu nach der Übersetzung von Roland Werner: „Wenn einer im Messias sein Leben gefunden hat, dann ist er selbst eine neue Schöpfung. Die alte Wirklichkeit ist vorbei. Achtet darauf: Etwas ganz Neues hat begonnen!“ Und GOTT hat einen guten Plan, das Neue zur Vollendung zu führen. „Nicht alle unsere Wünsche werden erfüllt, aber GOTT erfüllt alle Seine Verheißungen“, sagt Dietrich Bonhoeffer dazu.
 

Persönliches Zeugnis: Das überfließende Leben erfahren

Ich habe die Verheißung für das überfließende Leben getestet und freue mich mit großer Neugier, wie auch in meinem Leben alles weitergeht. Vaterlos bin ich als Kriegskind aufgewachsen, weil dieses so wichtige Elternteil als Soldat sein Leben verlor, als ich erst 5 Monate alt war. So habe ich ihn nie kennengelernt. Trotzdem habe ich dank meiner tapferen, treusorgenden Mutter eine fröhliche Kindheit erlebt. Aber der Vater fehlte mir. Eine tiefe Sehnsucht nach der schützenden Nähe eines Starken war ein ständiges Grundgefühl in meinem Herzen. Im Kindergarten habe ich das Lied „Weil ich JESU Schäflein bin“ gelernt und gern gesungen. Durch dieses Lied fiel der Same des Glaubens und der Hoffnung in mein Herz, dass GOTT mein Vater ist.

Kurz nach meiner Konfirmation geschah auf einer Freizeit das Entscheidende. Die Ich-bin-Worte JESU tauchen bei den Bibelarbeiten immer wieder auf und die Einladung zur Lebensübergabe an Ihn. Wie stark habe ich sein Klopfen an meine Herzenstür gespürt! Da habe ich Ihm mein „Ja“ gegeben und mich geöffnet, meine Sünden bekannt, Seine Vergebung geschenkt bekommen und den Zuspruch des Ewigen Lebens angenommen. Der Auferstandene selbst ist dieses Ewige Leben und weil Er in mir lebt, bin ich des Ewigen Lebens gewiss. Ich preise Ihn für Seine immer noch gültige Zusage an Abraham, dass die Glaubenden, also Seine Schafe, gesegnet sind und ein Segen sein dürfen in der Kraft des Heiligen Geistes.

Sind Sie, lieber Hörer, liebe Hörerin, auch schon durch die Tür gegangen zum richtigen Schafstall und zur richtigen Weide?

Autor/-in: Gretel Masuch