13.10.2026 / Wort zum Tag
Weichen werden gestellt
Jesus sah einen Zöllner mit Namen Levi am Zoll sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach! Und er verließ alles, stand auf und folgte ihm nach.
Ihr Browser unterstützt HTML5 Audio nicht!
Einfach so aufstehen, in ein neues Leben gehen, alles hinter sich lassen, nochmal neu anfangen: Für manche ist das unvorstellbar. Andere sehnen sich danach. Ich kenne mehrere Leute, die aus Deutschland ausgewandert sind: in die Schweiz, nach Ungarn, einige liebäugeln mit Paraguay.
Ich weiß nicht genau, zu welcher Kategorie Levi gehört. - Hat er es vielleicht schon lange satt, für die Besatzungsmacht zu arbeiten? – Bei uns heute werden Zöllner verbeamtet. Die Arbeitsplätze sind sicher, und man wird respektiert. - Aber Levi wird von seinen Landsleuten verachtet: ein Zöllner ist damals ein Kollaborateur, ein Verräter, eine Art Kriegsgewinner, der für die Römer Abgaben einzieht und sich dabei oft kräftig persönlich bereichert.
Hat Levi es satt? – Bereut er seine Entscheidung, die ihn auf diesen Weg geführt hat? Oder ist er im Prinzip mit seinem Leben ganz zufrieden, aber irgendetwas fehlt noch. Die Erfüllung, die er sich vielleicht vom Reichtum erhofft hat, ist ausgeblieben. Sein Leben ist leer. Vielleicht hat er auch schon von Jesus gehört, wie er heilt und vom Reich Gottes spricht.
Jedenfalls: In dem Moment, in dem Jesus ihn ruft, da reagiert Levi sofort: Jetzt - das ist es! – Und er verließ alles, stand auf und folgte ihm nach. Noch vor dem Aufstehen „verlässt er alles“, er handelt hier nicht wie in Trance -so, so dass er gar nicht weiß, wie ihm geschieht, sondern er trifft eine klare Entscheidung, „er verlässt alles“– innerlich - und dann steht er auf und folgt Jesus.
Es gibt so Situationen im Leben, da werden die Weichen gestellt. Und in vielen Fällen weiß ich das in dem Moment. Ein Bekannter von mir erzählt, Jesus hat ihn dreimal gerufen, im Abstand jeweils von ungefähr 10 Jahren. Zweimal hat er es mehr oder weniger ignoriert und bewusst von sich geschoben. Er hat es schon irgendwie gemerkt, aber er wollte zu dem Zeitpunkt nicht. Und als der dritte Ruf kommt, da hat er sich sofort an die beiden anderen Male erinnert, er weiß, dass das der dritte Ruf ist, und dass er jetzt antworten muss.
Christen laden jeden Menschen zu Gott ein, und Jesus ermutigt uns dazu. Er sagt ja selbst: Kommt her zu mir alle, die ihr niedergedrückt und belastet seid: ich will euch Ruhe schaffen! (Matthäus 11,28, Menge) Jeder, der darin den Ruf Jesu hört, darf kommen. Jeder, der kommen will, darf auch kommen.
Aber ich soll diese Entscheidung nicht aufschieben. Manche denken ja: „Wenn ich mal in Rente bin, dann habe ich ja Zeit, mich mit sowas zu befassen.“ Aber Jesus hat auch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht. (Johannes. 6,44).
Ich kann mich nicht beliebig bekehren. Das geht nur in den Momenten, in denen der Vater mich „zieht“. Den Ruf Jesu höre ich heute nicht mehr direkt, sondern zum Beispiel durch eine Sehnsucht, die durch nichts auf dieser Welt gestillt werden kann, oder durch eine Einladung zu einem Glaubenskurs oder dadurch, dass die Bibel auf einmal lebendig wird und redet. Und Jesus sagt uns das Gleiche wie damals Levi: Folge mir nach.