08.05.2026 / Bibel heute

Was ist das Besondere an Jesus Christus?

Darum, ihr heiligen Brüder und Schwestern, die ihr teilhabt an der himmlischen Berufung, schaut auf den Apostel und Hohenpriester, den wir bekennen, Jesus, der da treu ist dem, der ihn gemacht hat, wie auch Mose in Gottes ganzem Hause. Er ist aber größerer Herrlichkeit wert als Mose, so wie der Erbauer des Hauses größere Ehre hat als das Haus.[...]

Hebräer 3,1–6

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1. Mose und Christus – Wer hat die höchste Autorität?

Wer ist die höchste Autorität, wenn es um den Glauben und um Gott geht? Unser Bibeltext beschäftigt sich mit der Frage, ob Mose oder Christus höher ist. Wem soll größere Ehre zuteilwerden? Das ist wohl damals eine Frage bei den Adressaten des Hebräerbriefes – vermutlich eine jüdisch-christliche Gemeinde. Für den jüdischen Glauben ist Mose die höchste Instanz, weil er der Geber des Gesetzes, der Thora, der umfassenden Weisung und Ordnung des religiösen Lebens im Volk Gottes ist. Ihm hat sich Gott persönlich offenbart und seinen Namen mitgeteilt: Jahwe. Er wird so übersetzt: „Ich werde sein, der Ich sein werde.“ „Ich bin, der ICH bin.“ Oder „Ich bin da für euch! ICH bin mit euch!“

So hat ihn Mose persönlich kennengelernt. Auf dem Berg Sinai hat dieser Gott Jahwe während des Auszugs des Volkes der Hebräer aus der Sklaverei in Ägypten, eben diesem Mose, die Zehn Gebote offenbart. Gott hat sich dabei selbst vorgestellt: „ICH bin der HERR – Jahwe – der euch aus Ägypten, aus der Knechtschaft geführt hat. Ihr sollt keine anderen Götter neben mir haben.“ Mose ist Führer aus der Sklaverei und wird zum Empfänger und Vermittler dieser Offenbarung Gottes an sein Volk. Er wird „der Prophet“ genannt. Mose ist ein ganz Großer im Alten Testament und für den jüdischen Glauben.

Nun lese ich im Hebräerbrief, Kapitel 3, Vers 3: Jesus ist aber größerer Herrlichkeit wert als Mose, so wie der Erbauer des Hauses auch größere Ehre hat als das Haus.“ Das Bild leuchtet ein: der Hausbauer ist wichtiger als das Haus selbst. Es entsteht nach seinen Vorstellungen und Möglichkeiten. Er baut es sich so, wie er es gerne haben und bewohnen will.
 

2. Jesus als Hohepriester – Der Mittler zwischen Gott und Mensch

Nun: worin ist Jesus größer als Mose? Jesus hat wie Mose auch Werte vermittelt und im Grunde die alttestamentlichen Gebote noch einmal dichter gefasst als die Zehn Gebote. Er hat das Doppelgebot der Liebe aus dem Alten Testament übernommen und es etwas ergänzt. Jesus hat gesagt, der Kern des Willens und Gebotes Gottes ist das Liebesgebot, und zwar dreifach: „Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen und deinen Nächsten wie auch dich selbst.“ Im Grunde ist dies nichts wirklich Neues, nur noch einmal neu gesagt von Jesus. Worin ist dann Jesus größer?

In Vers 1 wird Jesus den Christen, die diesen Hebräerbrief erhalten, vor Augen gemalt: „… die ihr teilhabt an der himmlischen Berufung, schaut auf den Apostel und Hohepriester, den wir bekennen, Jesus.“ Was schon in Hebr. 2,17 steht, wird in Kap. 7 später entfaltet: Jesus ist DER Hohepriester.

Nun, was ist der Hohepriester? Ganz einfach: der jeweils höchste der Priester. Der soll die Aufgabe haben als Ver-Mittler zwischen Gott und seinem Volk zu wirken und in das Allerheiligste des Tempels zu gehen. Stellvertretend bekennt er die Sünden des Volkes und empfängt Gottes Vergebung für alle. Das Allerheiligste ist der heilige Raum der Gegenwart Gottes. Davor gibt es einen großen, dunklen Vorhang, der den heiligen Vorraum vom Allerheiligsten trennt. Er verhindert, dass da sonst jemand hineinsehen oder hineingehen kann. Das ist absolut tabu – verboten. In diese heilige Gegenwart Gottes darf auch zur Zeit Jesu nur der Hohepriester treten. Und das nur einmal im Jahr am großen Versöhnungstag. Yom Kippur – wird heute noch gefeiert und ist der höchste jüdische Feiertag. Dort also empängt der Hohepriester stellvertretend für das Volk die Vergebung Gottes. So kommt die Gottesbeziehung wieder intakt – Gott und Mensch sind miteinander versöhnt.
 

3. Das Kreuz und der zerrissene Vorhang

Am Tag der Kreuzigung von Jesus geschieht Folgendes: Im Tempel zerreißt der große Vorhang vor dem Allerheiligsten. Und das genau zu der Zeit, als Jesus auf dem Hügel Golgatha stirbt (Markus 15,38). Der Blick und der Zugang ins Allerheiligste und damit zur Gegenwart Gottes ist frei. Welch ein Geschenk. Welche Freude – auch für uns heute.

Jesus ist der Hohepriester vor Gott, um die Sünden seines Volkes, ja der ganzen Menschheit zu sühnen. Das tut Jesus durch die Opfergabe seines eigenen Lebens am Kreuz von Golgatha. Jesus stirbt stellvertretend für die Sünden der Menschen. Er trägt die Sünden und schafft den Menschen den freien und direkten Zugang zu Gottes Gegenwart. Ein für alle Mal. Einer für alle, für alle Zeiten. Da braucht es keinen anderen Hohepriester mehr. Jesus ist der wahre und höchste Hohepriester. Jesus ist der Zugang zum allerheiligsten Herzen Gottes.
 

4. Was bedeutet das für uns heute?

Was bedeutet das nun heute, aktuell? Für Sie? Mit einem Hohepriester kann der heutige Mensch kaum etwas anfangen. Und mit Gott können inzwischen auch immer weniger Menschen in Deutschland etwas anfangen. In allen Religionen gibt es zwar Antworten auf die Frage nach Gott. Da gibt es Mose, Mohammed, Buddha, Konfuzius, Hinduismus. Auch indianische oder chinesische Weisheit oder esoterische Weisheitslehrer zeigen Wege zu Gott oder zum Göttlichen. Auch Philosophen, Psychologen und andere wollen helfen, ein wahres Leben zu führen. Aber Jesus ist für viele nur einer von vielen. Für viele auch out, überholt, zu einfach, zu unmodern.

Unser Bibeltext heute macht aber deutlich: Jesus ist größer, Jesus steht höher. Jesus zeigt mir das wahre Wesen Gottes. Er ist der menschgewordene Sohn Gottes. Er ist der Apostel (Vers 1), der Gesandte Gottes. Jesus trägt am Kreuz die Sünden für die Menschen. Er vergibt Sünde und Schuld des Menschen – auch heutzutage. Jesus befreit mich aus der Gottlosigkeit und aus der Sinnlosigkeit. Jesus befreit aus der Gottes-Entfremdung und aus der Entfremdung von mir selbst. Er macht mich heil und glückselig. Er ist der Größte, der sich selbst erniedrigt in seinem Tod am Kreuz und wird von Gott in der Auferweckung wieder erhöht. Darin ist er einzigartig. Das bekennen wir Christen und die christliche Gemeinde bis heute. Daran werden die Briefleser erinnert und dazu aufgerufen.

Sind damit alle anderen Weisheiten und Gotteserkenntnisse falsch oder unbrauchbar für Christen? Ich denke nicht. Aber Jesus ist die Mitte und der Kern des Kerns. Andere Gedankenstoße sind eher zweit- oder drittrangig, mehr am Rande dessen, was es über Gott zu wissen und zu erfahren gibt. Ich möchte andere Gotteserkenntnisse und Gotteserfahrungen wertschätzen. Das kann mir helfen, mit Menschen in ein ehrliches und missionarisches Gespräch zu kommen. Auf Augenhöhe. In gegenseitigem Respekt. Aber auch mit Mut und einem klaren Bekenntnis zu Jesus – trotz Gegenwind oder Ablehnung.

Jesus Christus persönlich zu kennen, zu lieben und zu ehren, das ist das Höchste – auch meines Lebens.

Autor/-in: Ade Gärtner