01.02.2024 / Bibel heute

Warnung vor unnützem Streit (1)

Daran erinnere sie und ermahne sie inständig vor Gott, dass sie nicht um Worte streiten, was zu nichts nütze ist, als die zu verwirren, die zuhören. Bemühe dich darum, dich vor Gott zu erweisen als ein angesehener und untadeliger Arbeiter, der das Wort der Wahrheit recht vertritt. Halte dich fern von ungeistlichem losem Geschwätz; denn es führt mehr und mehr zu gottlosem Wesen,[...]

2. Timotheus 2,14–21

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Es geschah vor einiger Zeit. Es war mir nicht möglich, Verantwortlichen einer Gemeinde Grundwahrheiten über den Glauben an Jesus Christus nahezubringen, wie diese: Jesus kennt und liebt Dich; er hat einen Plan für Dein Leben.

Die Verantwortlichen legten keinen Wert darauf, dass in ihrer Gemeinde Jesus Christus als Herr und Heiland der Welt verkündigt wird. Anstatt in meinen Worten die gute Nachricht, das Evangelium zu erkennen, würdigten sie mich herab:

Ich hätte – so sagten sie – keinen Bezug zu dem, was heute in den Gottesdiensten dran ist. Ihnen genüge eine Predigt, in der das fromme Gefühl angesprochen wird. Jeder Hörer hätte dann die Möglichkeit, aufgrund der gesellschaftlich gebotenen Toleranz sich seine eigene Glaubensüberzeugung zu bilden. Ich hätte eine veraltete Sicht auf Glaubensdinge.

Innerlich rang ich nach Luft.

Was soll aus dieser Gemeinde werden?

Natürlich schmeckte es mir nicht, dass ich persönlich herabgewürdigt worden war. Ich zog mich zurück, um zu überlegen, was ich weiterhin der Gemeinde Gutes tun könnte.

Da begegnete mir die Mitteilung des Paulus an Timotheus. Paulus weist seinen jungen Mitarbeiter an, sich von nutzlosem Geschwätz fernzuhalten. Es führt zu nichts Sinnvollem, wenn er sich mit solchen Schwätzereien auseinandersetzt. Denn man kann es nicht verhindern, dass Menschen etwas behaupten, worin keiner im Leben wie im Sterben einen Halt findet.

Mit dem, was Paulus an Timotheus schrieb, fühlte ich mich in dem bestätigt, was ich bereits dachte: Es ist nicht sinnvoll, mich mit jenen Verantwortlichen weiter auszutauschen.

Trotzdem spürte ich eine Leere in mir, eine Traurigkeit, dass ich mich gegenüber jenen Leuten nicht verständlich machen konnte. Ich spürte Wut, weil ich den Eindruck hatte: Ich bin gegen eine Gummi-Wand gelaufen.

Ich spürte eine echte Trauer. Denn bisher hatte ich von den Beteiligten eine hohe Meinung gehabt.

Halt im Gedächtnis Jesus Christus, der auferstanden ist von den Toten“

Als ich noch Theologie studierte, bekam ich auf einer Spruchkarte diesen Bibelvers geschenkt. Der Vers hat mich ein Leben lang begleitet: „Halt im Gedächtnis Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist“.

Nun fordert in unserem Textabschnitt Paulus wiederholt von Timotheus:

 Dreimal trägt Paulus diese Bitte vor:

 Noch zwei Männer erwähnt Paulus. Sie verkündigen: "Die Auferstehung" - gemeint ist: DIE der Christen – soll bereits geschehen sein.

Bibelausleger erinnern an die damalige Lehre der Gnosis, eine Geheimlehre. Sie teilt Menschen ein in

Jene Männer, Hymenäus und Philetus lehrten also: Wer erleuchtet ist, der habe schon an der Auferstehung der Christen teilgenommen.

Da Paulus den Namen Hymenäus bereits in seinem 1. Brief an Timotheus nennt, scheint man dem Mann nicht beigekommen zu sein. Es scheint so zu sein, dass er mitten in der Gemeinde etwas verkündet, was die Glaubenden anhält, ihr Vertrauen nicht länger dem Herrn Jesus zu schenken.

Gibt es da keine Ähnlichkeiten zu dem, was ich gerade aus meinem Alltag erzählte?

Paulus gibt den Hinweis, mit solchen Leuten, auch wenn sie in der Gemeinde wirken, sich nicht in ein Streitgespräch einzulassen. Das führt zu nichts!

„Schade, schade, schade“ - sage ich. Aber in der Anweisung des Paulus spiegelt sich auch das wider, was ich in meinem Elternhaus gelernt habe: „Wer gute Geschäfte machen will, der soll schlechte unterlassen.“

Auch macht es für mich Sinn, mich an das Fundament zu erinnern, auf dem ich mein Leben aufgebaut habe:

So will ich mich vielmehr darauf konzentrieren, nützlich für den Herrn Jesus zu bleiben.

Ich will für ihn ansprechbar bleiben, damit er auch mir einen Dienst auftragen kann.

Selbst wenn sich die Verantwortlichen jener Gemeinde mit frommen Worten für ein gutes, frommes Gefühl begnügen - was mich immer noch ärgert:

Ich diene gern dem Herrn Jesus, und ich lasse mich gerne auch von dem Dichter Christian Morgenstern ansprechen. Sein Gedicht bewahre ich im Einband meiner Bibel:

„Sieh nicht, was andere tun, der andern sind so viel,

du kommst nur in ein Spiel, das nimmermehr wird ruhn.

Geh einfach Gottes Pfad, lass nichts sonst Führer sein,

so gehst du recht und grad, und gingst du ganz allein.“                                     

(Christian Morgenstern, 1871-1914)

Autor/-in: Pastor Wolfgang Ströhle