29.07.2026 / Wort zum Tag

Vorbild sein

Paulus schreibt: Dass ich meine Fesseln für Christus trage, das ist im ganzen Prätorium und bei allen andern offenbar geworden, und die meisten Brüder in dem Herrn haben durch meine Gefangenschaft Zuversicht gewonnen und sind umso kühner geworden, das Wort zu reden ohne Scheu.

Philipper 1,13–14

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Manchmal braucht man ein Vorbild. Also jemanden, an dem ich mich orientieren kann, der mir zeigt, wie ich mich verhalten sollte oder was ich besser nicht tue.

In der Familie übernehmen ältere Geschwister häufig diese Rolle. Aber es können auch Eltern, Lehrer, Kollegen oder Vorgesetzte in der Firma sein. Bei mir sind es meistens Persönlichkeiten gewesen, die mir aufgefallen sind. Die einen haben mir durch ihr Leben oder ihre Worte imponiert. Die anderen waren abschreckende Beispiele. 

Von einem guten Beispiel erfahren die Christen in der antiken griechischen Stadt Philippi. Der Apostel Paulus schreibt ihnen einen Brief nach meiner Überzeugung aus dem römischen Gefängnis. Er bedankt sich für ihre finanzielle Unterstützung und lässt die Gemeinde wissen, dass es ihm gut geht. Er wurde nach Rom gebracht, wo er nun auf sein Gerichtsverfahren vor dem Kaiser wartet.

Paulus schreibt: Dass ich meine Fesseln für Christus trage, das ist im ganzen Prätorium und bei allen andern offenbar geworden, und die meisten Brüder in dem Herrn haben durch meine Gefangenschaft Zuversicht gewonnen und sind umso kühner geworden, das Wort zu reden ohne Scheu. Philipper 1,Vers 13–14

Jedem Soldaten im Prätorium ist also bekannt, warum Paulus einsitzt. Er ist kein gewöhnlicher Verbrecher. Im Gegenteil! Paulus ist wegen seines Glaubens an den auferstandenen Jesus Christus in Gewahrsam, den er seinen Herrn bezeichnet.

Manche Zeitgenossen hat das beeindruckt. Aus anderen Quellen ist bekannt, dass das Evangelium auch römische Soldaten bewegt hat. Einige haben sich sogar dem christlichen Glauben zugewandt.

Gut gewählte Worte können hilfreich sein, wenn es darum geht, den Glauben zu bezeugen. Aber manchmal sind es die kleinen Gesten, die beobachtet werden und Fragen auslösen. Ich muss beispielsweise an die Gruppe der Fußballer denken, die sich nach dem Sieg des ersten WM-Spiels der deutschen Nationalmannschaft am Mittelkreis zu einem kurzen Gebet versammelt haben. Spieler aus beiden Mannschaften beteten miteinander, als sei das das Normalste der Welt. Dem staunenden Publikum entging nicht, was diese Sportler mit ihrer Geste ausdrückten. – Erinnern Sie sich noch an die aufgeregte Diskussion in den Medien, die dieser kurzen Gebetszeit folgte?

Wenn ich meinen Glauben lebe, indem ich das tue, was sich in diesem Moment richtig anfühlt, wird das auffallen. Das war damals im römischen Prätorium so und es ist knapp 2000 Jahre später auf einem Fußballfeld genauso.

Mir stellt sich die Frage: Wie kann ich meinen Glauben so leben, dass andere davon Notiz nehmen?

Autor/-in: Wolf-Dieter Kretschmer