20.09.2023 / Bibel heute
Vom verlorenen Schaf
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„Du bist ein Gott, der mich sieht“, das ist die Jahreslosung für 2023. Eine Aussage die Hagar, Saras Magd, nach der Begegnung mit dem Engel des Herrn in der Wüste machte. In ihrer Not begreift sie, dass Gott sie sieht, d.h. er weiß alles und versteht alles und steht ihr bei.
So ähnlich fängt auch unser heutiger Text an. „Seht zu, dass ihr nicht einen von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel“ (Vers.10). Hier kommen zwei Fragen auf. Wer ist mit „diesen Kleinen“ gemeint? Und wie ist das mit den Engeln zu verstehen? Die Bibel sagt uns nicht zu viel über die Engel. So will ich auch nichts dazu dichten und mich nicht in Spekulationen begeben. Die Bibel lehrt, dass sie „…dienstbare Geister (sind), ausgesandt zum Dienst um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit“ (Hebräerbrief, Kapitel 1, Vers14). Und in Ps.91,11 lesen wir: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten ...“ Über Gottes Beistand durch seine unsichtbaren Diener - die Engel - dürfen wir uns freuen!
Und wer ist mit „diesen Kleinen“ gemeint? Darüber wird uns einiges in den Versen davor berichtet. Ich fasse kurz zusammen. Die Jünger fragen: „Wer ist … der Größte…?“ Jesus stellte ein Kind in ihre Mitte und erklärte: „…Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen“.
Nachdem er das erklärt hat, spricht Jesus einen anderen Aspekt an: „Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein um seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer…“ (Vers 6). Ein sehr ernstes Wort Jesu. Aus den dann folgenden Ausführungen wird deutlich, es geht hier nicht nur um Kinder, denen wir den Glauben an Jesus erklären sollen, im Bilde gesprochen: sie zu Jesus führen. Und Achtung! Wir sollen uns hüten, ihr Vertrauen zu missbrauchen und sie in die Irre zu leiten. Denn, mit diesen Kleinen, sind auch alle, die im Glauben noch schwach sind, gemeint. Solche, die Ermutigung und Wegweisung brauchen.
Und nun komme ich zum Kernstück unseres Textes: „Was meint ihr?“, fragt Jesus seine Zuhörer. Und dann erzählt er ihnen eine Selbstverständlichkeit: „… Wenn ein Mensch hundert Schafe hätte und eins unter ihnen sich verirrte: lässt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen, geht hin und sucht das verirrte“ (Vers 12)? Die Antwort heißt: „Ja, na klar!“ Und er fügt noch hinzu: „… Wenn es geschieht, dass er’s findet, wahrlich, ich sage euch: Er freut sich über dieses eine mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben“ (Vers 13).
Schon im AT wird Gott mit dem guten Hirten verglichen. So lesen wir im Buch Jesaja: „Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Er wird die Lämmer in seinen Arm sammeln und im Bausch seines Gewandes tragen und die Mutterschafe führen“ (Jes.40,11). Die bekannteste Stelle ist, Ps. 23. Der König David, der in seiner Jugend selbst Schafe gehütet hat, sagt: „Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“ (Ps.23,1). Dann kommt Jesus, der versprochene Messias, in die Welt. Und er sagt von sich: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe“ (Joh.10, 11). Das hat Jesus auch getan. Er hat sein Leben für uns gegeben. Das geschah, als Jesus am Kreuz für die Sünden der Menschheit starb.
Die Sünde, die Ablehnung und Rebellion gegen Gott haben uns vom Schöpfer getrennt. Wir sind vor ihm schuldig und verloren. Und Er, Jesus, hat: „…unsre Sünden selbst hinaufgetragen … an seinem Leibe auf das Holz (gemeint ist sein Sterben am Kreuz auf Golgatha), …Durch seine Wunden seid ihr heil geworden“, so lesen wir im 1 Petrusbrief, Kapitel2, Vers 24. Weiter steht geschrieben: „Denn ihr wart wie irrende Schafe…“ (1 Pet.2, 25).
„Wenn ein Mensch hundert Schafe hätte - sagt Jesus -und eins unter ihnen sich verirrte: lässt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen, geht hin und sucht das verirrte?“ (Matt.18,12). Hier lernen wir etwas vom Charakter Gottes. Jeder einzelne ist wichtig. Jeder ist wertvoll! Das heißt auch Sie, lieber Hörer, liebe Hörerin! Er will jeden ans Ziel bringen. Sie sind Gott wichtig! Jesus schließt seine Erzählung ab mit: „So ist’s auch nicht der Wille bei eurem Vater im Himmel, dass auch nur eines von diesen Kleinen verloren werde“ (V.14). Das ist Gottes Wille! Dafür ist Jesus gestorben!
Im Zuj-Tal des Tien Shan-Gebirges in Kirgisistan bin ich groß geworden. Ein Hirte, der sich um seine Herde bemühte, gehörte zum alltäglichen Bild. Dieses Bild prägte nicht nur meine Kindheitserinnerungen, sondern auch meine geistlichen Erfahrungen. Als Kind gläubiger Eltern war ich schon früh mit biblischen Inhalten vertraut. Doch je älter ich wurde, desto klarer wurde mir auch, dass zwischen meinem Handeln und dem, was die Bibel lehrt, eine große Kluft bestand.
Ich lebte nicht nach Gottes Maßstab, ich wollte es auch nicht. Und dennoch sehnte ich mich nach Frieden und Ruhe für mein Herz. Aber Jesus Christus, der gute Hirte, suchte das verlorene Schaf, suchte mich. Ich vergesse nie den Vormittag, an dem ich auf die Knie ging und Gott alle meine Probleme brachte. Nach diesem Gespräch mit Jesus begann etwas Neues in meinem Leben. Später begriff ich, nicht ich habe Jesus gefunden, sondern Er mich! Können Sie das auch von sich sagen? Ich wünsche mir, dass auch sie von Herzen sagen können: „Der HERR ist mein Hirte“!