28.08.2023 / Bibel heute

Vom Sämann

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„Der normale Erfolg des Wortes Gottes ist der Misserfolg“, so fasste ein Theologe den Sinn dieses Gleichnisses zusammen.

Auf den ersten Blick scheint die Geschichte ihm recht zu geben. Dreimal geht es um Misserfolg, nur einmal um Erfolg. Jesus erging es nicht besser, als er seinen Zuhörern vom Reich Gottes erzählte. Bei den Frommen stieß er auf zunehmenden Widerstand. Sie unterstellten ihm Gotteslästerung und sagten, er stehe mit dem Teufel im Bunde. Seine eigene Familie erklärte ihn für verrückt. Seine Jünger wurden mutlos und etliche verließen ihn. Anscheinend wächst nicht allzu viel an Früchten aus dieser Saat auf, schon damals bei Jesus - und heute ist es nicht besser.

Da kann ich schon auf die Idee kommen, Jesus wollte von Anfang an mit diesem Gleichnis allen falschen Hoffnungen einen Riegel vorschieben, eben mit der Botschaft: Der normale Erfolg ist der Misserfolg. Ein Körnchen Wahrheit steckt schon drin: Jesus lehrt uns, die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie ist, nicht durch eine rosarote Brille. Da gehören die Misserfolge im persönlichen Leben, in meinem Leben als Christ und im Leben der Gemeinde mit dazu.

Der Misserfolg gehört leider auch dazu, aber er ist nicht das Wichtigste. Das Gleichnis endet nicht mit der Feststellung: Viel Samen wurde ausgesät und nur ein kleiner Teil hat Frucht gebracht. Sondern es betont: Der Teil, der auf gutes Ackerland fiel, brachte hundertfachen Ertrag, eine überwältigende Ernte, um ein Vielfaches größer als die Aussaat.

Jesus sagt nicht: Es gibt vor allem Misserfolg. Sondern er sagt: Seht, was dieser Bauer tut, genauso macht es Gott. Der Bauer verschleudert sein Saatgut nicht unnütz. Er tut das, was alle Bauern im Orient damals getan haben: Er sät auf den ungepflügten Boden. Deshalb wird auch auf die Wege im Stoppelfeld gesät, denn sie werden wieder eingepflügt. Auch die Dornen werden mit umgepflügt. Und die Felsen unter der dünnen Bodenkrume machen sich erst bemerkbar, wenn der Pflug auf sie stößt. Jeder Bauer zur Zeit Jesu nimmt es in Kauf, dass die Vögel Samenkörner vor dem Einpflügen vom Weg wegpicken; dass Samen in der dünnen Bodenschicht über einem felsigen Untergrund besonders schnell wachsen und dann kraftlos werden und verwelken; dass die umgepflügten Dornen wieder schneller nachwachsen als das Getreide. Jeder normale Bauer weiß das und trotzdem sät er Jahr für Jahr wieder den Samen aus, weil er hofft und damit rechnen kann, dass der Teil, der wächst, ein Vielfaches an Ertrag bringt. Deshalb seine ruhige und hoffnungsvolle Gelassenheit.

Jesus sagt: So ist Gott! Er sät sein Wort großzügig aus, überallhin, auch zu jedem von uns. Und er wird seine Sache zu einem herrlichen Ende bringen!

Er teilt die Erde nicht von vornherein in fruchtbaren und unfruchtbaren Boden ein. Er macht keine Bodenproben, wie dick die Humusschicht ist, oder ob sich Dornen oder Felsen darunter befinden. Er sucht sich nicht die Leute aus, bei denen er sich Erfolg verspricht. Er verschwendet seine Liebe an alle Menschen. Er traut es jedem Menschen zu, dass er wächst und reif wird und eine herrliche Ernte einbringt. Gott ist verschwenderisch in seiner Liebe.

Gott macht uns Mut mit diesem Gleichnis, zugleich fragt er mich: Auf welchen Boden fällt bei mir das Wort Gottes? Ich greife beispielhaft drei wegweisende Bibelworte auf:

Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er von Gott empfangen hat, rät uns der Apostel Petrus im 1. Petrusbrief (Kapitel 4, Vers 10).

Achten wir mehr auf unsere Gaben und Begabungen, die nicht verkümmern sollen, sondern sich entfalten und Frucht bringen. Dazu gehört: Miteinander reden, einander besuchen, vor allem diejenigen, die bei uns neu zugezogen sind, oder kranke und einsame Menschen. Zuhören können ist eine große Begabung, und viele Menschen sehnen sich danach, dass ihnen jemand zuhört.

Oder: Organisieren, beraten, spielen, feiern, füreinander beten und vieles andere.

Es gibt viele Möglichkeiten, wo eine Saat aufgehen kann, wo wir selbst wachsen und uns entfalten können, wenn wir füreinander da sind. Niemand ist dazu zu jung oder zu alt. Wenn Konfirmanden in ihrem Gemeindepraktikum Ausländerkindern bei den Hausaufgaben helfen, spüren sie selbst, wie wichtig das ist und wie gut das ankommt. Die älteren Frauen aus dem Abendgebet beten regelmäßig auch zu Hause für viele Menschen in unserer Gemeinde. Wir alle spüren, wie Gott diese Gebete segnet und durch sie wirkt.

An anderer Stelle ermahnt uns Jesus eindringlich: Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge? (Matthäus 7, Vers 3).

Mir geht es genauso: Gerade die Eigenarten, die bei mir eine Änderung nötig haben, ärgern mich bei anderen Leuten am meisten. Bei mir ist das die Ungeduld und ein aufbrausendes Temperament. Manchmal ist es auch umgekehrt: Ich rege mich über ein falsches Verhalten besonders auf, das ich nicht habe, um von meinen eigenen Unarten abzulenken. Da ich nicht reich bin, könnte ich leicht über die Reichen herziehen und dabei übersehen, dass ich als verheirateter älterer Mann die junge Kollegin anders ansehen sollte, als ich es immer wieder mal mache.

Zwei Beispiele von mir, sie werden für sich ihre eigenen finden.

Und natürlich ist Geld ein Thema: Für die einen das Geld, das sie haben. Für die anderen das Geld, das sie nicht haben. Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, rät uns Jesus (Lukas 16,9).

Da geht es nicht um Schmiergelder und Bestechung. Ich soll mein Geld einsetzen, um mir und anderen Gutes zu tun. Geld soll ein Mittel sein für einen guten Zweck. Ist es das nicht, wird es zum Mammon, einem Götzen, der die Menschen zu seinen Sklaven macht. Abschreckende Beispiele gibt es zur Genüge, aber auch ermutigende und nachahmenswerte, wo Menschen ihren großen oder kleinen Geldbeutel öffnen und mit anderen teilen.

Gott sät sein Wort großzügig aus, auch unter uns, und er fragt mich: Auf welchen Boden fällt bei mir das Wort Gottes? Er fragt mich, weil er mir zutraut, dass ich wachse und reif werde und eine herrliche Ernte einbringe. Das gebe Gott uns allen!

Autor/-in: Pfarrer Peter Plack