10.05.2026 / Bibel heute
Vertrauen - Dankbarkeit - Lobpreis
Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken und jauchzen dem Hort unsres Heils! Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen! Denn der HERR ist ein großer Gott und ein großer König über alle Götter.
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Ein Festpsalm – Einladung zum fröhlichen Lobpreis
Psalm 95 ist ein „Festpsalm“, ein Psalm, der die Gläubigen seinerzeit vermutlich zu einem großen Festgottesdienst am Jerusalemer Tempel eingeladen hat.
Der Psalm beginnt mit der Einladung: „Kommt herzu!“ Und so stelle ich mir vor, wie sich die Festgemeinde am Tempel versammelt, aber nicht in stiller Andacht, sondern laut rufend, jubelnd, singend Gott lobpreisend. Im Psalm heißt es: „Lasst uns dem HERRN frohlocken und jauchzen dem Hort unsres Heils!“ Eine Einladung also zum fröhlichen Lobpreis!
Und dann folgt ein Vers, der für mich von grundlegender Bedeutung ist – die Aufforderung zum Dank: „Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen!“
Dankbarkeit und Demut – Grundhaltungen des Glaubens
Warum ist mir das so wichtig? Dank ist für mich eine ganz wesentliche Grundhaltung. Dankbarkeit entsteht da, wo ich erkenne, dass mir Gutes widerfahren ist, aber nicht aufgrund eigener Leistung, sondern weil mir jemand anderes geholfen, mich unterstützt, begleitet hat. Wer dankt, sieht die eigene Bedürftigkeit, erkennt mit Demut, dass wir einander brauchen. Wer dankt, macht aber auch die freudige Erfahrung, auf die Hilfe und Unterstützung anderer bauen zu können, dass wir nicht alleine sind. Und hier: Ich habe Gutes empfangen – nicht aus eigenem Verdienst, sondern aus der Gnade Gottes. „Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen!“
Das Gute ist sehr vielfältig, kann ein persönlicher Erfolg oder Glücksfall sein, aber zum Beispiel auch das wohltuende Zusammensein mit anderen Menschen oder einfach auch ein wunderbares Naturerlebnis. Oder ganz einfach: Dass ich nicht alleine bin, dass Gott mich sieht und begleitet. Und wer dafür Dankbarkeit in Demut empfindet, kann dann tatsächlich mit großer Freude „dem HERRN frohlocken und jauchzen dem Hort unsres Heils“, wie es im Psalm heißt.
Und weiter: „Er ist unser Gott und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand“.
Ein weiterer Grund, Gott zu danken: Die Gläubigen können sich von Gott führen lassen wie die Herde vom Hirten. Ich kann ihm rundum vertrauen. Und wer Gott vertraut, findet den richtigen Weg: „Wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand.“
Und so baut eins aufs andere auf: Vertrauen – Dankbarkeit – Lobpreis.
Mit dieser wunderbaren Botschaft könnte der Psalm an dieser Stelle eigentlich enden.
Gottes Warnung: Das verstockte Herz und die Gefahr des Irrwegs
Aber nein, überraschend kommt nun Gott selbst zu Wort, mit einer deutlichen Warnung – so als ob der Euphorie, der Begeisterung, dem Jubel und der Freude aus dem ersten Teil dieses Psalms nicht ganz zu trauen ist. Und tatsächlich: Gemeinsamer Gesang, gemeinsamer Jubel, gemeinsames Gebet in einer großen Gruppe kann Euphorie auslösen, Freude und Glücksgefühl. Aber was ist, wenn ich dann wieder alleine in den Alltag zurückkehre, alltägliche Mühsal und Probleme vorfinde? Dann können die guten Vorsätze schnell verloren gehen, dann fällt es vielleicht doch wieder schwerer, Gott zu vertrauen.
Und so erinnert Gott an die Verfehlung des Volkes Israel auf seiner Wanderung durch die Wüste, wie sie in den Büchern Moses beschrieben ist: Mitten in der Wüste hat das Volk nichts mehr zu trinken. Es hat Durst, ist offensichtlich hoffnungslos und verzweifelt. Und so hadert es mit seinem Schicksal, macht Mose schwere Vorwürfe. Von Vertrauen, gar Dankbarkeit und Lobpreis keine Spur.
Das scheint mir nachvollziehbar, durchaus menschlich. Was ist dann die Verfehlung von Gottes Volk?
Gott selbst spricht vom „verstockten Herz“. Die Israeliten versuchen und prüfen Gott, obwohl sie doch seine Werke immer wieder gesehen haben. Sie wissen doch, dass er auf ihrer Seite steht. Warum prüfen sie ihn dann noch?
Weil sie kein Vertrauen zu ihm haben, weil sie offensichtlich ein Stück weit ihren Glauben verloren haben, die Verbindung zu Gott – das ist ihre Verfehlung.
Wenn das Vertrauen verloren geht, wer sich von Gott nicht führen lassen will, gerät schnell auf Irrwege. Und so heißt es: „Es sind Leute, deren Herz immer den Irrweg will und die meine Wege nicht lernen wollen.“
Die Folge an dieser Stelle: Die Israeliten irren 40 Jahre lang durch die Wüste, ehe ihre Nachfahren das verheißene Land betreten.
So macht dieser Psalm deutlich:
Vertraue ich auf Gott, werde ich von ihm geführt wie von einem Hirten. Dann gehe ich den rechten Weg.
Mangelt es mir aber an Vertrauen, gerate ich leicht auf Irrwege.
Vertrauen, Dankbarkeit und Lobpreis – dieser Dreiklang ist für mich die Botschaft dieses Psalms.
Vertrauen, Dankbarkeit und Lobpreis! - Und heutzutage – welche Bedeutung kann dieser Dreiklang für mich haben?
Persönliches Zeugnis: Vertrauen, Dankbarkeit und Lobpreis im eigenen Leben
Im vergangenen Jahr habe ich ziemlich überraschend eine sehr kritische Gesundheitsdiagnose erhalten. Ein tiefer Einschnitt, der das Alltagsleben, aber auch Lebensplanungen über den Haufen wirft. Sorgen, die ich nicht nur um mich selber, sondern vor allem auch um meine Familie mache.
In diesen ganzen Wirrnissen habe ich tatsächlich Ruhe im innigen Beten gefunden. Ich konnte mich fallen lassen – ganz im Vertrauen auf Gott. Dabei geht es gar nicht um Heilung, um ein Wunder, sondern um das Vertrauen, dass Gott mir in jeder Situation die Kraft gibt, die ich brauche. Und ich bin überzeugt, allein schon sich innerlich fallen lassen, Gott vertrauen zu können, führt zu innerer Ruhe und kann Kraft spenden.
Und dann die gute Nachricht: Die Therapie schlägt an. Es ist nicht alles gut, vieles offen, aber die Entwicklung ist bis auf Weiteres positiv. Als der Arzt mir das mitteilt, verspüre ich eine große innere Dankbarkeit – Dankbarkeit gegenüber den Ärztinnen und Ärzten, den Schwestern und allen, die mich begleitet haben, Dankbarkeit insbesondere auch Gott gegenüber. Ich habe den Impuls, direkt nach dem Termin in die Kapelle der Klinik zu gehen und dort ein inniges Dankgebet zu sprechen.
Vertrauen und Dankbarkeit – hier fügt sich das schon gut zusammen.
Aber noch mehr: Neben dem stillen Dankgebet kommt mir auch das Bedürfnis, dieses Glück nach außen zu tragen, meinen Dank lauthals zu verkünden.
Und so kommt ganz von alleine, dass ich die Lieder im Gottesdienst viel kräftiger mitsinge, dass ich den Psalm, der im Gottesdienst gemeinsam gelesen wird, viel inniger mitspreche.
Und manchmal, wenn der Gottesdienstgesang allzu kläglich klingt, will ich die Gläubigen am liebsten aufrütteln, und so bin ich wieder am Anfang des heutigen Psalms:
„Lasst uns dem HERRN frohlocken und jauchzen dem Hort unsres Heils!“