01.05.2026 / Wort zum Tag

Verkohlter Tintenfisch und heiliger Gott

Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen? Denn du allein bist heilig!

Offenbarung 15,4

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Es ist schon viele Jahre her: Ich schlendere durch den Supermarkt und überlege, was es zu essen geben soll. Mein Blick fällt auf Tintenfischringe. Ich denke: „Ja. Frittierte Tintenfischringe mit Knoblauchsauce und Salat. Das ist doch mal eine gute Idee.“ Zwar habe ich keine Fritteuse, aber was solls. So schwierig kann das ja auch im Topf nicht sein.

Nachmittags informiere ich mich schon mal: Welche Temperatur muss das Öl haben, damit die Tintenfischringe außen knusprig und innen zart werden? Bei der Gelegenheit fällt mir ein: Ich habe gar kein Thermometer. Na gut. Dann arbeite ich halt mit Kochlöffeltechnik und Augenmaß.

Abends mache ich mich frisch ans Werk. „Jetzt könnte das Öl die richtige Temperatur haben“, denke ich. Vorsichtshalber nehme ich aber erstmal nur einen Tintenfischring. Falls die Hitze doch noch nicht ausreicht. Kaum ist der Ring im Topf, bricht auch schon das Chaos aus. Es zischt und brodelt und raucht. Meine Augen tränen. Die Luft ist zum Schneiden. Und mein schöner Tintenfischring ist völlig verkohlt. In Sekundenschnelle. Das Öl ist viel zu heiß. Egal welches Lebensmittel ich hineingegeben hätte, es hätte den Kontakt mit dem Öl nicht überstanden.

So ähnlich ist es mit Gott und uns Menschen. Gott ist heilig: Rein. Vollkommen. Er ist erhaben. Einzigartig. Ehrfurchtgebietend und anbetungswürdig. Aber heilig und unheilig passen nicht zusammen. Als unvollkommener Mensch könnte ich die Herrlichkeit des vollkommenen Gottes gar nicht ertragen. In Kontakt mit ihm würde ich vergehen, wie der Tintenfischring in heißem Öl. Es sei denn, Gott selbst schützt mich. Und genau das tut er.

Das lässt sich in der Bibel beobachten. Im alten Bund an der Art und Weise, wie Gott mit seinem Volk Israel umgeht.

Schon in der Wüste lässt er sie wissen, wer sich ihm nähern darf. Wie das geschehen soll. Und welchen Abstand sie einhalten müssen, damit sie in der Begegnung mit ihm nicht sterben. Als Mose Gott einmal bittet: „Lass mich deine Herrlichkeit sehen.“, sagt Gott: „Ich werde […] an dir vorüberziehen […] Mein Gesicht darfst du nicht sehen, denn niemand, der mir ins Gesicht sieht, bleibt am Leben.“ (2. Mose 33,18-20 NGÜ mit Auslassungen)

Gott stellt Mose in eine Felsspalte und hält seine Hand schützend über ihn. Erst als er vorbei ist, darf Mose Gott von hinten sehen.

Im neuen Bund macht Gott große Nähe möglich. Durch Jesus Christus. In ihm bin ich gerecht gesprochen. Verbunden mit ihm, dem heiligen Gott, werde auch ich geheiligt. In Christus bringt Gott mich quasi auf seine Betriebstemperatur. Jetzt kann ich ihm gefahrlos nahekommen. Aber Gott ist immer noch Gott. Ich bin ein Mensch. Er ist der Schöpfer. Ich bin sein Geschöpf. Gott allein ist aus sich selbst heraus heilig. Ich bin es durch die Verbindung mit Jesus Christus.

So kann ich nun voll ehrfurchtigem Staunen in das Loblied einstimmen, das schon Mose gesungen hat. Und das in der Himmelswelt wieder erklingt. Ich stimme ein und bekenne mit den Worten aus dem Buch der Offenbarung, Kapitel 15, Vers 4: „Wer sollte dir nicht mit Ehrfurcht begegnen, Herr, und deinen Namen verherrlichen? Denn du allein bist heilig!“ (DBU)

Autor/-in: Andrea Tschuch