11.10.2026 / Wort zum Tag

Umgang mit Anerkennung

Gideon sprach: Ich will nicht Herrscher über euch sein, sondern der HERR soll Herrscher über euch sein.

Richter 8,23

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Vor mir liegt eine Trauerkarte. Wie immer tue ich mich schwer damit, die richtigen Worte zu finden. Das Leben des Verstorbenen zieht in Gedanken an mir vorbei. Was war ihm wirklich wichtig, welche Hoffnungen und Erwartungen haben ihn geprägt?

Deutlich kristallisiert sich für mich der Wunsch nach Anerkennung heraus. Ja, das hat sein Handeln vielfach geprägt. Aber hat ihn das von anderen so deutlich unterschieden?

Meine Gedanken wandern zu dieser grundsätzlichen Frage: Warum ist so vielen Menschen die Anerkennung von andern so wichtig?

Und was unterscheidet die, die offensichtlich leichter darauf verzichten können, von anderen Leuten?

Die Psychologie lehrt uns, dass unsere Kindheit einen großen Einfluss darauf hat, wie wir mit Lob und Zuwendung umgehen. Wer sich als Kind die äußeren Anzeichen der Liebe immer erst verdienen musste, sei es durch gute Noten in der Schule oder durch Artig sein, also angepasstes Verhalten, der wird dieses Grundmuster in seinem Leben nur schwer überwinden können.

Wie geht es Ihnen damit? Ist es Ihnen wirklich egal, was andere von Ihnen denken?

Die Losung der Herrnhuter Brüdergemeine für den heutigen Tag aus Richter 8, 23 ist ein Zitat von Gideon.

Gideon ist eine bekannte Figur aus dem Alten Testament. Er ist einer der großen Richter und Retter des Volkes Israel in einer Zeit, in der das Land regelmäßig von den feindlichen Midianitern bedrängt und beraubt wird. Mit Gottes Hilfe überwindet er zuerst seine Zweifel und stellt sich dann an die Spitze von nur 300 Kriegern siegreich den übermächtigen Gegnern entgegen. Als er danach in großer Anerkennung zum Herrscher über ganz Israel gemacht werden soll, antwortet er:

„Ich will nicht Herrscher über euch sein, sondern der HERR soll Herrscher über euch sein.“

Gideon hat sich durch seinen Einsatz die Anerkennung auch derer verdient, die ihn vorher nicht unterstützt haben. Jetzt hätte er sich auf seinen Lorbeeren ausruhen können, und niemand hätte es ihm verwehrt. Aber Gideon weiß, wem er seinen Sieg über die Midianiter zu verdanken hat. Und so verweist er auf Gott, dessen Macht er ja spürbar erlebt hat.

Gideon hat seine Zweifel durch Gottes Hilfe schon in der Vergangenheit überwunden. Mehrfach hat Gott ihm die erbetenen Zeichen gesendet. Er darf sich sicher sein, dass Gott hinter ihm steht. Er weiß sich von Gott getragen. Den Auftrag, den Gott Gideon gegeben hat, hat er ausgeführt. Mehr ist nicht vorgesehen.

Es heißt in der Erzählung nicht, dass Gideon sich in seiner Rolle als Retter nicht wohlgefühlt habe. Aber er weiß, wer ihm die Kraft dazu gegeben hat.

Und wie soll ich nun damit umgehen, wenn ich Anerkennung und Lob erfahre und plötzlich etwas in den Mittelpunkt rücke?

Zuerst ist natürlich die Kontrollfrage erlaubt, geht hier alles mit den richtigen Dingen zu? Nichts wäre ja peinlicher, als einem üblen Scherz aufzusitzen!

Dann die Überlegung, ob die Beteiligung anderer auch angemessen berücksichtigt wird!

Und schließlich die Rückbesinnung darauf, wem ich all meine Möglichkeiten und meine Kraft zu verdanken habe.

Nicht um peinlich empfundenes Lob zu vermeiden oder abzuwehren. Sondern, um es dorthin zu leiten, wohin es gehört:

Gott ist der, der mir mein Leben mit all seinen Möglichkeiten geschenkt hat. Gott ist der, der mir die Kraft und Kreativität zum Gestalten gegeben hat.

Gott ist der, der mich hier als Werkzeug genutzt hat. Genau dafür bin ich dankbar. Genau darauf bin ich stolz.

Und das darf ich sein. Weil Gott an meiner Seite steht. Und darauf weise ich hin.

Autor/-in: Reinhard Arnold