06.02.2024 / Bibel heute

Treue bis zum Ende

So ermahne ich dich inständig vor Gott und Christus Jesus, der richten wird die Lebenden und die Toten, und bei seiner Erscheinung und seinem Reich: Predige das Wort, stehe dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre. Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihrem eigenen Begehren werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken,[...]

2. Timotheus 4,1–8

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Wenn Sie Ihr Lebensende vor Augen haben – gibt es eine Botschaft, die Sie Ihren Lieben, Freunden, Ihrer Gemeinde noch zukommen lassen wollen? Und was wäre das für eine Botschaft? Sicherlich ist es nicht etwas Belangloses, sondern eine Nachricht, die von größter Wichtigkeit ist, bei der es Ihnen ein besonderes Anliegen ist, dass sie für die Nachwelt erhalten bleibt.

Paulus sitzt in einem römischen Gefängnis, hat sein Ende vor Augen und schreibt dem jungen Timotheus, einem berufenen Verkündiger des Wortes Gottes, eine letzte Nachricht. Diese Nachricht ist eingefärbt von dem Zukunftsbild, das Paulus in sich trägt. Ein Zukunftsbild für die christlichen Gemeinden und Gemeinschaften. Deshalb ist seine Botschaft von größter Relevanz. Was Paulus vor Augen hat, ist kein positives Bild, es ist eingefärbt von Befürchtungen, deshalb schreibt er an Timotheus diese Botschaft: Verkündige das Wort Gottes! Bring es kompromisslos, mit Nachdruck, mit Engagement, mit Eindringlichkeit zu den Menschen, damit diese Botschaft ihre Herzen erreicht, sie Korrekturen vornehmen, eine neue Ausrichtung. Damit sie beginnen, den Prozess der Buße, der Umkehr einzuleiten.

Paulus hat die Befürchtung, dass die Gottesbotschaft ihre prägende Kraft bei den Menschen verliert. Ich kenne das doch auch. Viele von uns haben die Befürchtung, dass die Gute Nachricht, die sinnstiftende Botschaft Gottes für unser Leben ausgedünnt und verwässert wird und sie dadurch an Wirkkraft verliert.

Die Ermahnung des Paulus ist so dringend, weil die Tatsache, dass Jesus Christus wiederkommen wird, auch das Ende der Gnadenzeit bedeutet. Es geht also um Leben und Tod.  Die Aufgabe von Timotheus soll es sein, den „Heroldsdienst“ zu übernehmen. Ein Herold ist jemand, der durch das Land zieht und die Worte des Königs laut verkündigt. Timotheus und auch wir sollen also Botschafter Gottes sein.

Wenn es um die Rettung von Menschen geht, dann erleben wir, dass die Rettungsdienste, der Krankenwagen, die Notärzte mit Sirenen durch die Straßen fahren, damit die Menschen erreicht werden, bevor es zu spät ist. Und das ist das Kernanliegen von Paulus an Timotheus. Timotheus soll alles daransetzen, diese Aufforderung zu befolgen, denn es geht um nichts weniger als um die Ewigkeit. Das ist also das wichtigste Anliegen des Paulus im Angesicht seines bevorstehenden Lebensendes. Es ist ihm wichtig, darauf hinzuweisen, dass nicht irgendetwas verkündigt wird. Wir sollen nicht uns selbst verkündigen, sondern Christus herausstellen, verkünden, dass er der Herr unseres Lebens ist. Nicht nur im Hier und Heute, sondern auch über die Begrenztheit unseres Lebens hinaus. Das Zukunftsbild der christlichen Verkündigung hat die Ewigkeit im Blick.

Diese Gedanken finden wir in den Briefen des Paulus immer wieder. Die Verkündigung des Wortes beginnt bei Jesus Christus, denn die ganze Schrift zeugt von ihm. Deshalb muss Jesus auch das Zentrum der Verkündigung sein. Wenn Timotheus und auch wir verkündigen, was Gott durch Jesus Christus getan hat und tut, dann wird aus dieser Botschaft der Glaube erwachsen. Deshalb sollen wir nicht fragen, ob das, was wir von der biblischen Botschaft zu sagen haben, gerade gelegen oder ungelegen kommt, gerade passt oder nicht, ob die Zeit gerade gut ist oder nicht. Das darf uns nicht abhalten. Paulus öffnet unseren Blick für den Himmel, für Jesus Christus, der wiederkommen wird. Und dieses Wiederkommen ist verbunden mit Gericht. Vielleicht ängstigt das Reden vom Gericht den einen oder anderen. Aber an anderer Stelle im Neuen Testament lesen wir, dass, wer das Wort hört und ihm Glauben schenkt, ewiges Leben hat und nicht ins Gericht kommt. Er hat den Schritt vom Tod zum Leben vollzogen. Deshalb darf uns nichts abhalten, die Botschaft Gottes zu verkündigen. Auch wenn wir in einer Zeit leben, in der das Wort Gottes verpönt ist und abgelehnt wird. Leider leben wir auch in einer Zeit, in der Menschen, weil sie das Wort Gottes verkünden, verfolgt werden und in ihrem Leben viel Leid erfahren. Paulus verschließt nicht die Augen vor der Realität, der sich Timotheus und auch wir uns stellen müssen.

Wir sind Botschafter in dieser Welt, die sich durch Streit, Auseinandersetzung, Hass und Krieg immer neu verdunkelt. Mit der Christus-Botschaft verkündigen wir ein Licht, das in diese Welt hineinscheint, das nicht ausgelöscht werden kann. Oft gehört es zu unseren Erfahrungen, wenn wir die biblische Botschaft bei anderen zur Sprache bringen, dass sie auf taube Ohren stößt. Das erfordert unsere Langmut und Geduld. Wir brauchen einen langen Atem, immer wieder.

Paulus spricht von Belehrung – und das hören viele Zeitgenossen nicht gerne. Aber in der Lehre wird das Wort richtig vermittelt. Und ohne Gottes Wort wüssten wir nichts über seinen Heilsplan mit uns und der Welt. Nicht meine Emotionen, meine Vorstellungen, meine erfahrenen Traditionen und erworbenen Weltanschauungen sind entscheidend. Wer Gott ist, das sagt er allein in seinem Wort. Paulus hat sich immer mit falschen Lehren auseinandersetzen müssen.

Das Evangelium ist der Maßstab, es führt zur Freiheit, weg von der Gefangenschaft. Das Evangelium führt zu Liebe und Annahme, weg von Hass und Abgrenzung. Das Evangelium führt zum Willen Gottes und weg vom eigenen Willen. Darum müssen wir immer wieder neu die Frage stellen: Worauf weist die Verkündigung hin und wovon wird sie genährt?

Vielen Menschen passt die christliche Lehre nicht. Den einen ist sie zu exklusiv, den anderen zu anstößig und einfach. Denn sie spricht nicht nur von Verantwortung, sondern auch von Konsequenzen. Wenn wir sie ernstnehmen, führt sie zu Veränderungen bei uns. Dabei spüren wir jeden Tag, dass die Menschen eine tiefe Sehnsucht in sich haben nach Verbindlichkeit, Sicherheit, ja nach einer Hoffnung. Paulus hat den Hoffnungsgrund Gott den Menschen nahegebracht. Er hat ständig das Hoffnungszeichen Jesus Christus verkündigt. Er hat den Menschen die Hoffnungsbotschaft nicht vorenthalten. Er ist nicht nur in Gottesdiensten, Jungschar oder Seniorenclub aufgetreten, sondern hat den Weg aus der christlichen Gemeinschaft hinaus zu den Menschen gewagt. Er hat sie zu Gott eingeladen, zu den Hoffnungsorten. Wer das Wort Gottes bei den Menschen zur Sprache bringt, ist ein Hoffnungsträger.

Wir haben es hier mit einer Stab-Übergabe zu tun. Paulus gibt den Stab weiter, damit die Botschaft an die nächste Generation verkündigt wird. Führe deinen Dienst vollständig aus, zu dem du berufen bist. Bei allem, was wir tun, sollen nicht einzelne Personen, sondern das Reich Gottes im Mittelpunkt stehen. Das Reich Gottes beginnt mit Jesus Christus.

Wenn Paulus nun im Hier und Heute seine Zelte abbricht, dann wartet auf ihn eine herrliche Stätte bei Gott. Paulus hat den guten Kampf gekämpft, zu dem er auch Timotheus und uns herausfordert. Die Verkündigung des Paulus hat zuerst in seinem eigenen Leben Wirkung entfaltet. Denn der Tod ist nicht das Ende. Auf die Menschen, die zu Gott gehören, wartet nicht das Gericht, sondern das ewige Leben.