02.04.2026 / Bibel heute

Taktik greift nicht

Da nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln. Und die Soldaten flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie auf sein Haupt und legten ihm ein Purpurgewand an und traten zu ihm und sprachen: Sei gegrüßt, König der Juden!, und schlugen ihm ins Gesicht.[...]

Johannes 19,1–16a

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Pilatus – Feigling und Taktiker

Die Passionszeit neigt sich dem Ende zu. Heute – am Gründonnerstag – steht Jesu Kreuzigung am Karfreitag unmittelbar bevor. Es geht um die Gerichtsverhandlung vor dem römischen Prokurator Pilatus. Ganz schön spannend.

Das Ganze erinnert mich an den Block-Prozess, in dem Christina Block angeklagt ist, ihre eigenen Kinder entführt zu haben. Es gibt immer neue Wendungen. Der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Gerichtsverhandlungen ist, dass es für Christina Block lediglich um eine Freiheits- oder Geldstrafe geht, bei Jesus aber um ein Todesurteil.

Ich möchte deutlich machen: Jesus muss um sein Leben fürchten, das höchste Gut, das es für Menschen gibt!

Drei Personen bzw. Personengruppen spielen in dem Prozess gegen Jesus die Hauptrollen: Pilatus, ein Teil des jüdischen Volkes und natürlich Jesus selbst.

Die erste Hauptperson ist Pilatus. Juden hatten Jesus zu Pilatus gebracht, damit er das Todesurteil gegen Jesus verkündigt und vollstreckt.

Bereits im Kapitel 18 des Johannes-Evangeliums hatte Pilatus erkannt, dass Christus nicht des Todes schuldig ist, ja, gar keine Schuld hat. Christus ist der einzige Mensch, der kein Sünder ist. Die logische Konsequenz wäre gewesen, dass Pilatus Jesus freigelassen hätte. Aber Pilatus tut das nicht. Nein, er lässt Jesus geißeln von seinen Soldaten. Was für eine Schande! Ein Unschuldiger wird geschlagen und gefoltert. Und als Höhepunkt bekommt Jesus noch eine sehr schmerzende Dornenkrone auf den Kopf gesetzt. Eine grausame Tat! Welcher Teufel – im wahrsten Sinne des Wortes – hat Pilatus geritten?

Ich betone es ausdrücklich: Der Satan, der Teufel als Gottes Widersacher, hat Pilatus zu dieser Tat verführt. Das war aber nur möglich, weil Gott das zugelassen hat. Gott wäre es ein kleines gewesen, seinen Sohn zu befreien, aber Jesus musste als Teil seines Erlösungswerkes für uns leiden. Es war Gottes Plan. Daraus folgt, dass letztendlich Gott alle Fäden in der Hand hält. Pilatus ist nur ein Werkzeug in Gottes Hand – auch wenn es anders aussieht.

Pilatus ist nach meinem Urteil ein Feigling. Ihm wäre es ohne weiteres möglich gewesen, Jesus freizulassen. Er hatte die Macht dazu. Pilatus war der Vertreter des Römischen Weltreiches in Israel. Ihm stand eine Garnison von kampferprobten Legionären zur Verfügung. Widerstand gegen diese militärische Macht war zum Scheitern verurteilt. Solche Erfahrungen hatten schon Aufständische gemacht. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Warum lässt Pilatus Jesus nicht frei? Im Text steht, dass Pilatus sich noch mehr fürchtete. Für mich nicht ganz nachvollziehbar, wie ich gerade beschrieben habe. Ich denke, Pilatus wollte es sich nicht mit den Juden verderben. Er wollte Ruhe haben in seinem Herrschaftsbereich. Diese Ruhe sah Pilatus gefährdet, wenn er durch die Freilassung Jesu sich den Unmut eines Großteils der Juden zugezogen hätte. Aus Sicht des Pilatus ist es nur folgerichtig, dass er dem jüdischen Anliegen entgegenkommt und Jesus, wenn schon nicht töten, dann doch wenigstens geißeln lässt. Aus seinem Verhalten wird deutlich, dass Pilatus konfliktscheu ist.

Ich persönlich komme mit dem Verhalten von Pilatus gar nicht zurecht. Das ist doch ungerecht, was er Jesus antut. Ihm geht es nur um seine Macht. Ich bin traurig und wütend auf Pilatus! Ich kann Ihnen nur empfehlen, zu Ihren Überzeugungen zu stehen. Stellen Sie sich auf die Seite des Rechts!

Natürlich ist Pilatus mit seinem Verhalten auch ein Taktiker. Seine Taktik besteht darin, sowohl den vor ihm stehenden Juden als auch Jesus etwas zu geben.

 

Der gescheiterte Kompromiss und der Druck der Menge

Sein Ziel ist es, damit Jesus und die Juden zumindest teilweise zufriedenzustellen: Jesus behält sein Leben und die Juden bekommen eine Bestrafung Jesu. Und Pilatus hat „Ruhe im Karton". Eine sogenannte Win-Win-Situation für alle – so denkt Pilatus. Diese Taktik geht jedoch nicht auf. Die versammelten Juden bestehen auf der Kreuzigung Jesu! Die Begründung ist schon bemerkenswert: weil sich Jesus zum Sohn Gottes gemacht habe. Damit drücken sie die Wahrheit aus, denn Jesus ist der Sohn Gottes. Leider erkennen diese Juden diese Wahrheit nicht.

Ich kann nur beten, dass immer mehr Menschen, gerade aus meinem Umfeld, in diesen Tagen der Passionszeit erkennen, dass Jesus für die Sünden aller Menschen an das Kreuz gegangen ist. Er hat sich für unsere Sünden geopfert, damit wir das Leben haben. Der Druck auf Pilatus wird zu stark. Die anwesenden Juden fordern immer eindringlicher den Tod Jesu. Und Pilatus gibt nach.

Ich denke, Pilatus wird ganz schön deprimiert gewesen sein, dass er sich nicht durchsetzen konnte. Was für ein Gegensatz: Pilatus wusste, dass Jesus unschuldig war, und trotzdem gibt er ihn dem Tod preis. An Pilatus wird deutlich, wohin das führt, wenn jemand nicht zu seiner Überzeugung steht. Er wird zum mittelbaren Mörder!

Die zweite Personengruppe sind die Juden. Sie werden von ihren Obersten aufgestachelt, Jesu Tod zu fordern. Leider glauben sie nicht, dass Jesus Gottes Sohn ist. Vielmehr glauben sie, dass Jesus nur von sich sagt, dass er Gottes Sohn sei. Welche Verdrehung von Tatsachen!

Auch die geschilderten Juden und insbesondere ihre Oberen sind Taktiker. Sie wissen, dass sie selbst keine Todesstrafe vollstrecken dürfen, denn das durften nur die Römer. Folgerichtig gehen sie zum römischen Statthalter Pilatus, um dort die Kreuzigung genehmigt zu bekommen. Eine schlaue Vorgehensweise. Durch das laute Schreien „Kreuzige ihn!" üben Juden großen Druck auf Pilatus aus. Ich stelle mir das so vor, dass eine große Menge immer wieder das „Kreuzige ihn!" ruft. Eine beeindruckende und zugleich angsteinflößende Szene.

Und dann kommt noch der Vorwurf, dass Pilatus gegen Rom handelt, wenn er den König der Juden, Jesus Christus, anerkennt. Es gibt nur einen König in Rom! Pilatus wird also vorgeworfen, dass er gegen den römischen König handelt. Ein unverzeihliches Vergehen im Römischen Reich, das mit dem Tode bestraft wurde. Der jüdische Druck hat Erfolg: Pilatus gibt nach und Jesus wird zur Kreuzigung freigegeben. Der Mob hat gesiegt. Die Juden sind am Ziel. Weil sie nicht glauben konnten oder wollten, dass Jesus Gottes Sohn ist, wird dieser gekreuzigt. Gott sei Dank haben Juden nur vordergründig gesiegt. Die ganze Leidensgeschichte Jesu war Gottes Plan. Gott hat gesiegt, auch wenn das einen schweren Weg für Jesus bedeutet.

 

Gottes Plan hinter allem

Auch heute gilt, dass Gott alles in der Hand hat, auch wenn mir manchmal Zweifel angesichts der vielen Kriege, Krankheiten etc. kommen. Ich möchte ihm uneingeschränkt vertrauen. Vertrauen Sie auch Gott?

 

Jesus – schweigend und siegreich

Die dritte Person ist Jesus selbst. Was macht er durch in den uns überlieferten Zeilen? Er wird gefoltert und verspottet. Grausam! Als Pilatus Jesus fragt, woher er sei, antwortet Jesus nichts. Aus mir wäre es in derselben Situation wohl herausgesprudelt und ich hätte viele Worte gemacht, um mein Leben zu retten. Aber Jesus ist ganz anders: Er schweigt! Jesus weiß, dass er und sein Vater die Macht haben, dem ganzen Spuk sofort ein Ende zu bereiten. Es geht aber nicht, weil sonst Gottes Erlösungswerk nicht vollbracht werden könnte. Ich bewundere Jesus, dass er als Mensch und Gott das Leiden ausgehalten hat. Die Liebe zu uns Menschen hat Jesus getrieben. Danke, Herr!

Machen Sie sich in den nächsten drei Tagen bewusst, dass Jesus für Sie persönlich gelitten hat und sich ans Kreuz nageln ließ. Als Zeichen des Sieges ist er am dritten Tage auferstanden – aber dazu an Ostern mehr.

Autor/-in: Dirk Berger