16.10.2026 / Bibel heute

Tag des Herrn

Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen. Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune, die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea.[...]

Offenbarung 1,9-20

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Die Offenbarung Jesu Christi

Das letzte Buch der Bibel, die „Offenbarung des Johannes“, ist im Grunde die „Offenbarung Jesu Christi“. Was Johannes niedergeschrieben hat, sind Enthüllungen oder Offenbarungen, die er von Jesus Christus als dem erhöhten Herrn, von Gott selbst empfangen hat.

Der Inhalt zeigt die künftigen Ereignisse, die Gott am Ende der Tage für den Kosmos und für seine Gemeinde plant und zum Abschluss bringen will. Der Begriff „Ende der Tage“ wird auch als Endzeit bezeichnet. Eine Zeitperiode von Zeichen und Ereignissen, die auf die Wiederkunft von Jesus Christus hinweisen.
 

Zeugnis in Bedrängnis: Johannes auf Patmos

Im Vers 9 sagt der Apostel: „Ich, Johannes, euer Bruder und Mitteilhaber an der Bedrängnis und am Königtum und am Ausharren in Jesus, war auf der Insel, die Patmos genannt wird, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen.“

Weil Johannes in den Handelszentren Kleinasiens Jesus so lebendig bezeugte und das Wort Gottes treu verkündigte, wurde er verfolgt und von den Römern auf die griechische Insel Patmos verbannt. Während der römischen Herrschaft im Mittelmeerraum verfiel die Insel. Die Bevölkerung wanderte ab, und die Insel wurde für politische Gefangene genutzt.

In der römisch-griechischen Welt sorgten die Kaiser für die Entwicklung der Kultur und des Handels. Blühende Handelszentren entstanden, aber auch die Korruption nahm zu. Die vielfältigen Kulturen, wie Wissenschaft, Kunst und religiöse Traditionen führten zur Verehrung von vielen Göttern, Göttinnen und Geistern.

Die wachsende militärische und politische Macht Roms bewirkte, dass der Kaiser Domitian (81–96 n. Chr.) und Nachfolger von Kaiser Titus, sich selbst zum Gott ernannte. Johannes predigte Jesus Christus als den Herrn der Welten und erlebte gleichzeitig, dass die Römer das Sagen hatten. Da die Christen sich weigerten, dem Bild des vergöttlichten Domitian zu huldigen, führte dies zu Verfolgung und Unterdrückung.

Im Blick auf totalitäre Staaten heute hat sich dahingehend nichts verändert. Weltweit sind gemäß aktueller Berichte von Hilfswerken wie Open Doors Millionen Christen von Verfolgung und Diskriminierung betroffen … des Evangeliums willen und aufgrund ihrer treuen Nachfolge.

Johannes, nun isoliert von seinen Gemeinden in Anatolien, hat auf der Insel Patmos, durch die besondere Kraft des Heiligen Geistes, seine göttlichen Visionen empfangen. In diesen Visionen verwischten sich Zukunft und Gegenwart in einem Traumgesicht. Zukünftiges wurde für Johannes zur Gegenwart. Er sah Jesus in Herrlichkeit. Seine Stimme war machtvoll – wie von einer Posaune. In Israel spricht man von einem Schofar, einem Widderhorn. Ein langer Ton des Horns bedeutet: „Der König kommt und verkündet den Sieg der Gerechten.“

Jesus erteilte Johannes den Auftrag, das Wort Gottes und das Zeugnis in besonderer Weise an die sieben Gemeinden Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea weiterzugeben.

Der Ausdruck „Tag des Herrn“ im Vers 10 bedeutet Sonntag, der als Auferstehungstag Jesu Christi gefeiert wird. Johannes erhielt also seine geistlichen Visionen an einem Sonntag. Zum anderen bedeutet der „Tag des Herrn“: Tag des Zorns. Das ist die apokalyptische Vorschau auf den Tag des Gerichts, der großen Endabrechnung, von der bereits die Propheten im Alten Testament redeten.
 

Der Menschensohn unter den goldenen Leuchtern

Die sieben goldenen Leuchter, die Johannes erblickte, stellen die sieben Gemeinden dar. Die Leuchter sind aus Gold und zeigen den unschätzbaren Wert, den die Gemeinden für Gott haben. Gold ist geläutert und rein und wurde im Alten Bund Gott geheiligt. Die Zahl sieben weist auf die göttliche Vollkommenheit hin.

Die Gemeinde ist vollkommen, weil Jesus in ihrer Mitte wandelt. Das bedeutet: Jesus ist seiner Gemeinde ganz nah. Die Gemeinde ist seine Herde. Das lesen wir im Johannesevangelium, Kapitel 10. Jesus ist nicht nur der Hirte der Gemeinde, sondern auch die ewige Lichtquelle. Er prüft und durchforscht jede Gemeinde. Jesus reinigt sie und achtet auf das Öl, ein Symbol für den Heiligen Geist. Die Gemeinden haben den Auftrag, das Licht Jesu Christi widerzuspiegeln und sichtbar zu machen (Matthäus 5,14).

Jesus Christus ist der Hohepriester. Vers 13 beschreibt den Hohepriester Jesus Christus, wie ihn Johannes in der Vision wahrgenommen hat: „... mitten unter den Leuchtern einen, der einem Menschensohn gleich war, bekleidet mit einem Gewand, das bis zu den Füßen reichte, und an der Brust umgürtet mit einem goldenen Gürtel.“

Das Gewand erinnert an die Beschreibung des Hohepriesters Aaron. Der goldene Gürtel, den Jesus trägt, symbolisiert seine königliche Herrschaft und Autorität. Das Grundmaterial der priesterlichen Kleidung Aarons war feine, weiße Leinwand. In Offenbarung 19,8 ist die feine Leinwand ein Bild für die Gerechtigkeit Jesu Christi. Die damaligen Priester Israels durften keine Wolle tragen, sondern nur Leinen (siehe Hesekiel 44,17). Jesus Christus diente als Priester der göttlichen Gnade nie aus eigener Anstrengung, sondern nur durch Gott selbst. Kommentar: Unklar formuliert. Was genau ist mit „Priester der göttlichen Gnade“ gemeint? Auch Christen heute müssen lernen, nicht in Selbstgerechtigkeit zu dienen, sondern durch Jesus Christus, unsere Gerechtigkeit (vgl. Philipper 3,9).

In Vers 14 wird sein „weißes Haar“ als Zeichen seiner Macht und göttlichen Majestät dargestellt. „Weiß wie Schnee“ weist auf Gottes Reinheit und innere Schönheit hin. Seine göttlichen Augen sind wie Feuer und durchdringen alles, nichts kann vor seinem Blick verborgen bleiben. Seine Füße, wie glänzendes Erz, das im Feuer glüht, stehen für enorme Stabilität, Stärke und Beständigkeit. Zudem für das reine, unaufhaltsame Gericht Jesu Christi über das Böse.

Die sieben Sterne in seiner Rechten sind die Engel der sieben Gemeinden in Kleinasien. Engel bedeutet Bote. Viele Theologen verstehen darunter die Leiter oder Ältesten der jeweiligen Gemeinden. Eine andere Deutung besagt, dass es sich tatsächlich um Schutzengel handelt.

Das gesprochene Wort Jesu Christi ist wie ein zweischneidiges Schwert, es trennt Wahrheit von Lüge. Sein bloßes Wort reicht aus, um das Böse zu richten und Feinde zu besiegen.
 

„Fürchte dich nicht!“: Der Lebendige mit den Schlüsseln des Todes

Johannes überfiel Furcht beim Anblick der Herrlichkeit Jesu Christi. Er fiel nieder wie tot. Doch Christus legte seine Rechte auf ihn und sprach: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige; ich war tot, und siehe, ich lebe von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und des Totenreiches.“

Jesus Christus ist nicht nur ein wiederbelebter Mensch, sondern der göttliche Sieger über Tod und Unrecht, der die Macht des Bösen gebrochen hat.

Autor/-in: Marion Christa Nickel