16.06.2026 / Wort zum Tag

Stolz kann man nicht essen

Wer aus Gott geboren ist, den bewahrt er und der Böse tastet ihn nicht an.

1. Johannes 5,18

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Sünde, was ist das? Wir haben alle damit zu tun. Sie entfremdet uns von Gott, vom Mitmenschen, sogar von uns selbst. Die Sünde hat uns im Griff. Sie zerstört das Miteinander. Das Böse steuert uns. „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.“ (1 Johannes 1,8)

Stopp, das mag allgemein gelten. Wenn ich in die Welt schaue, gibt es dafür reichlich Belege. Aber für alle, die aus Gott geboren sind, gilt das nicht: „Wer aus Gott geboren ist, der sündigt nicht“ ständig.

Wer Jesus im Herzen hat, mag vielleicht gelegentlich einen Fehler machen, aber die Sünde ist nicht mehr der Motor seines Tuns.

Winni hat Architektur in Nigeria und Großbritannien studiert. Dann hat sie erfolgreich Großbauprojekte geleitet und dabei reichlich Erfahrungen gesammelt. Jetzt will sie in Deutschland ein Doktorstudium machen. Dafür hat sie ein Stipendium erhalten. Mit Schwung und Fleiß arbeitet sie an ihrem neuen Forschungsprojekt. Es geht voran, aber das Projekt dauert länger als geplant. Das Stipendium läuft aus. Sie sucht Arbeit, um weiter machen zu können.

Ich kann ihr einen Minijob vermitteln. Da kommt zwar nicht viel bei rum, aber es geht weiter. Als Bauzeichnerin gelingt es ihr, ein kleines Einkommen zu haben. Das hilft.

An der deutschen Sprache muss sie noch arbeiten. Wer langsam spricht, kommt klar mit ihr. Aber ihr Chef tut sich schwer. Es kommt zu Missverständnissen. Winni stellt ihn zur Rede und will die Sache klären. Alle Kollegen sind dabei. Sie macht ihm klar, dass er langsam reden muss, wenn er möchte, dass sie den Arbeitsauftrag korrekt verstehen kann. Erst wenn er es gut erklärt, weiß sie, wie sie es richtig anpacken soll. Der Chef nickt und geht.

Winni ist immer noch verärgert. Sie telefoniert mit ihrer Schwester. Die Schwester hört aufmerksam zu, spürt aber, dass Winni dabei ist, ihren Minijob zu verlieren, wenn sie so weitermacht. Dann sagt sie zu ihr: Stolz kann man nicht essen! Das sitzt.

Winni hätte ihr Anliegen unter vier Augen klären sollen, nicht öffentlich im Beisein aller Kollegen. Das hat den Chef bestimmt verärgert. Sie geht ins Gebet zu Gott, um sich zu rüsten. Ihr wird klar, dass sie ihn um Entschuldigung bitten muss.

Bei nächster Gelegenheit kommt der Chef wieder ins Büro. Die Kollegen sind gespannt. Was passiert jetzt? Winni nimmt ihren Mut zusammen und erklärt im Beisein aller Kollegen, dass sie einen Fehler gemacht hat: Ich hätte meine Kritik nicht öffentlich äußern dürfen. Dafür will ich um Entschuldigung bitten. Es tut mir leid.

Alle sind berührt, auch der Chef ist erstaunt. Dann sagt er, nun gut. Es ist ihm fast peinlich. Dann geht er wieder.

Mich hat diese Geschichte berührt. Winni ist von Gott geboren. Sie mag Fehler machen, aber dann spürt sie zeitnah, das war nicht gut. Stolz hilft nicht weiter, auch wenn sie im Recht ist. Das muss sie klären. Sünde zerstört das Miteinander. Selbst dann, wenn wir es nicht gleich merken. Vielleicht gibt es gute Freunde, die uns unser Verhalten spiegeln. So werden wir bewahrt, in der Sünde zu verbleiben. Dann verliert das Böse seine Macht und das gute Miteinander wird gestärkt.

So will Winni weiter machen. Von Gott geboren heißt, Gottes Liebe bleibt der Sieger.

Autor/-in: Hans-Hagen Zwick