01.07.2026 / Wort zum Tag

Staunen statt Angst

Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis.

Sprüche 1.7

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In der Losung der Herrnhuter Brüdergemeine von heute aus Sprüche 1,7 steht: „Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis.“

Dieser kurze Satz gehört zu den grundlegenden Aussagen der Bibel. Er spricht von Erkenntnis, von Weisheit, vom rechten Leben. Und er beginnt mit einem Wort, das uns heute oft fremd geworden ist: Furcht.

Viele Menschen stolpern ja regelrecht über das Wort Furcht. Es klingt nach Angst, Enge, Strafe, Entsetzen. Dabei höre ich doch viel lieber Bibelverse, die mir zurufen: „Fürchte dich nicht!“  Und davon gibt es eine ganze Menge.

Doch es geht hier um etwas Anderes. Wenn die Bibel von der „Furcht des Herrn“ spricht, meint sie nicht Angst oder Bedrohung und auch nicht ein Wegducken vor Gott. Die biblische „Furcht des Herrn“ meint etwas Tieferes: Es bedeutet Ehrfurcht. Staunen. Das bewusste Anerkennen, dass Gott Gott ist und dass ich sein geliebtes Geschöpf bin. Es ist die Haltung eines Menschen, der weiß: Mein Leben steht vor Gott. Ich verdanke ihm alles. Ich bin ihm aber auch verantwortlich.

Diese Ehrfurcht, die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis. Erkenntnis hat zu tun mit Weisheit und Wissen. Wobei ich ehrlich zugebe, dass ich oft gar nicht so viel weiß. Unsere Welt ist kompliziert, wer hat da schon einen Überblick? Mein Wissen, meine Erkenntnis ist begrenzt. Wenn ich irgendetwas erkenne oder die Bedienungsanleitung für irgendein Gerät begreife, dann sind das winzige Dinge im Vergleich zum großen Ganzen. Paulus schreibt im 1. Korintherbrief: „Unser Wissen ist Stückwerk.“ (1. Korinther 13,9)

Aber eins weiß ich sicher: Gott hat den Überblick. Gott weiß, wie die Welt funktioniert. Gott ist weise und hält die Welt in seiner Hand. Und ich darf ihn bitten um Erkenntnis, Weisheit. Wenn ich mich öffne für Gottes Weisheit, wenn ich mein Leben in seine Hand gebe, dann geschieht das in großer Ehrfurcht und Gottesfurcht. Indem ich anerkenne, dass Gott groß ist, wird er vor allem in mir und meinem Herzen groß.

Erkenntnis beginnt mit einer Haltung. Wer die Furcht des Herrn kennt, der weiß bzw. erkennt: „Ich bin nicht der Maßstab aller Dinge. Ich muss nicht alles kontrollieren, erklären oder rechtfertigen. Ich darf hören, lernen und mich korrigieren lassen.“ Mit solcher Erkenntnis öffnet sich der Raum für echte Weisheit.

Erkenntnis wächst auch dort, wo ich Gott zutraue, recht zu haben – auch wenn es mich herausfordert. Wo ich frage: „Herr, was siehst du? Was ist dein Weg?“ - Wer so fragt, beginnt zu verstehen und wächst im Glauben. Ich verstehe nicht alles auf einmal, aber Schritt für Schritt wächst die Erkenntnis.

Die Furcht des Herrn bewahrt mich auch vor Überheblichkeit. Sie hilft mir, meine Grenzen anzunehmen. Sie lehrt, dass ich nicht alles wissen muss, um richtig zu leben und zu glauben. Denn Weisheit beginnt dort, wo ich Gott vertraue.

Und: Die Furcht des Herrn macht nicht klein, sie macht dagegen wach. Sie lähmt nicht, sie führt. Und sie ist kein Endpunkt, sondern ein Anfang: der Anfang eines Lebens, das sich Gott anvertraut.

Der Beter von Psalm 139 hat es so formuliert: „Erforsche mich Gott und erkenne mein Herz. Prüfe mich und erkenne, wie ich´s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin und leite mich auf ewigem Wege.“

Autor/-in: Gudrun Siebert