18.07.2026 / Bibel heute
Statt Jubel Kritik
Und sogleich wurde der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin. Es war aber Sabbat an diesem Tag. Da sprachen die Juden zu dem, der geheilt worden war: Heute ist Sabbat, es ist dir nicht erlaubt, dein Bett zu tragen. Er aber antwortete ihnen: Der mich gesund gemacht hat, sprach zu mir: Nimm dein Bett und geh hin![...]
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Kann denn Hilfe Sünde sein?
„Kann denn Liebe Sünde sein?“ Die Frage stammt aus dem 1938 gedrehten Film „Der Blaufuchs“, in dem Zarah Leander das Lied „Kann denn Liebe Sünde sein“ singt.
Ich will im Blick auf den Bibelabschnitt aus dem Johannesevangelium ähnlich fragen: „Kann denn Hilfe Sünde sein?“ Ja, sagen die Juden zur Zeit Jesu, wenn sie zur falschen Zeit geschieht und unliebsame Folgen hat. Am Sabbat einen Menschen zu heilen und vor allem sein Bett durch die Lande zu tragen, ist für sie ein unmögliches Verhalten, Sünde.
Ein grandioses Wunder – und kleinliche Kritik
38 Jahre lang war der nun geheilte Mann krank – und dann ist er durch ein Wunder Jesu gesund! Wer überlegt da, was für ein Tag heute ist. 38 Jahre konnte er nicht auf eigenen Beinen stehen – und nun kann er gehen, wohin er will. Ein grandioses Wunder, eine ermutigende Geschichte. Jesus greift helfend und heilend in das Leben eines geplagten Mannes ein. Jesus gibt ihm, was er lange nicht hatte und was für ihn bisher in weiter Ferne lag: Gesundheit.
Eigentlich sollte die Reaktion derer, die das alles beobachten und mitbekommen, eine ganz andere sein! Es ist so etwas mit dem Adverb „eigentlich“. Es zeigt an und lässt erahnen, dass etwas nicht ganz stimmt, nicht logisch, nicht folgerichtig ist, dass etwas „eigentlich“ anders sein könnte oder sollte.
Wenn jemand nach langer Krankheit gesund wird, ist „eigentlich“ ein Fest angebracht. Eigentlich sollten sich alle, die das mitbekommen, freuen und jubeln – oder? Aber das tun sie nicht. Kleinliche Kritik kommt auf. Und warum? „Es war aber Sabbat“, sagt Vers 9b! Erschütternd, wie damals Fromme mit der Heilung umgehen. Statt sich zu freuen und Gott zu loben, ereifern sie sich über den Zeitpunkt und den Umstand, dass der Geheilte seine Liegematte am Sabbat durch die Straßen trägt. Vor lauter Vorschriften können sie Gottes Heilswirken nicht sehen. Woran liegt das? Man hat in Israel ein ausgeklügeltes System, was am Sabbat erlaubt, und was verboten ist. Und diese Gebote und Ordnungen sind für die Gesetzeslehrer in diesem Augenblick wichtiger als die Freude über das Wunder.
Der Sabbat: Geschenk Gottes und Vorbote des Reiches
Ich halte bewusst fest: Der Sabbat, der Feiertag, der Sonntag – er ist ein großes Geschenk Gottes an sein Volk, an die Menschheit. Dieser Rhythmus von Arbeit und Innehalten trägt zur äußeren und inneren Erholung des Menschen bei. Niemand kann auf Dauer 24/7 – 24 Stunden am Tag an sieben Tagen der Woche – durchmachen. Und wo Menschen dies versuchen, schaden sie auf Dauer immer ihrem Körper und ihrer Seele. Selbst mit Drogen und Aufputschmitteln ist das nicht durchzuhalten. Der Mensch braucht Pausen! Und Gott gönnt sie ihm, ja ordnet sie an! Der Sabbat beansprucht schöpfungsmäßig sein Recht in meinem Leben. Er soll der Arbeitsruhe dienen – „keine Arbeit“ tun, so steht es schon im Gebot im 2. Buch Mose, Kapitel 20, Vers 10. Dieser Tag soll, so sagte es einer meiner Dozenten, einen „Unterschied markieren zum Alltag“. Er soll der Ausrichtung auf Gott und dem Gottesdienst dienen. Der Ruhetag ist Gelegenheit zu Gemeinschaft, zum Teilen des Lebens in Familie und Gemeinde.
Darüber hinaus ist der Sabbat Vorbote der herrlichen Zeit des Reiches Gottes, der Ruhe und des ewigen Lebens. Der Sabbat ist ein gewichtiges Unterscheidungsmerkmal Israels zu den anderen Völkern.
Über die einfache Anweisung zur Arbeitsruhe gehen die Vorschriften der Gesetzeslehrer allerdings weit hinaus. In ihrer Frömmigkeit haben sie selbst biblische Vorgaben mit immer kleinlicheren Anweisungen geregelt. Viele werden dabei recht unbarmherzig. Heilen ja – aber nicht am Sabbat. Darum kommt kein Jubel auf. Darum wird nicht gefeiert, Gott gelobt und gedankt! Ich kann das nur für mich selbst beten: „Herr bewahre mich vor solcher Engstirnigkeit, ohne zu vergessen, dass dieser Tag ein Besonderer ist.“
Jesus – Sohn Gottes, Erlöser von Leib und Seele
Statt Jubel kommt es zu einem kleinlichen Verhör des Geheilten. Der beschreibt einfältig das, was ihm widerfahren ist (11): „Der mich gesund gemacht hat, sprach zu mir: Nimm dein Bett und geh hin!“
Nun ist das weitere Interesse geweckt. Wer ist das? Plötzlich steht nicht mehr das Wunder, sondern der Wundertäter im Mittelpunkt. Wer ist der? Warum tut er das? Die folgenden Diskussionen führen den Konflikt zwischen Jesus und seinen Gegnern weiter, der bereits mit der Tempelreinigung (Johannes 2,13 ff.) begonnen hat und sich in den folgenden Kapiteln bis zu den Abschiedsreden (Johannes 13–17) durchzieht. In der Ablehnung Jesu und seinem Anspruch werden sie radikal. Sie trachten Jesus nach dem Leben. Sie ertragen es nicht, dass er der Sohn Gottes ist.
Warum sind sie nicht berührt, dass Gottes Heilszeit angebrochen ist, wenn die Lahmen springen wie ein Hirsch?
Warum brechen sie nicht in ein überwältigendes Gotteslob aus, dass das Gnadenjahr des Herrn angebrochen ist? Sie sind blind für Gottes Handeln. Darum vertrauen, verstehen und verehren sie auch Jesus nicht. Sie beginnen vielmehr Jesus anzufeinden. Dass Jesus Krankheit heilt, schafft eben nicht immer Glauben. Zwar ist jede Heilung ein wunderbarer Beweis dafür, dass das Reich Gottes, die neue Welt mit Jesus angebrochen ist. Doch für Glauben an Jesus braucht es mehr als Gesundheit.
Als Jesus den Geheilten anschließend noch einmal im Tempel trifft, spricht er ihn an und sagt zu ihm: »Siehe, du bist gesund geworden; sündige nicht mehr, dass dir nicht etwas Schlimmeres widerfahre.« Was meint Jesus damit? Was könnte schlimmer sein als Kranksein? Wenn Menschen ohne Jesus ewig verloren gehen.
„Sündige nicht mehr“ ist kein moralischer Appell, sondern eine Einladung zu einem neuen Leben. Komm und bleibe in der Nachfolge Jesu. Frage weiter nach dem, was Jesus will. Bleib in der Gemeinschaft, im Gespräch, im Hören. Die Verlorenheit der Menschheit durch die Trennung von Gott ist ungleich gravierender als 38 Jahre Krankheit. Doch Jesus schenkt Vergebung und Heilung für Leib und Seele.
Ich fasse zusammen, was ich aus dieser Geschichte lernen und in den Alltag mitnehmen möchte:
- Wo Jesus offensichtlich handelt und in das Leben von Menschen helfend und heilend eingreift, will ich mich freuen, ihn loben und ihm danken, auch wenn es meinen Vorstellungen, wie Jesus zu handeln hat, nicht entspricht.
- Ich will den Feiertag „heiligen“, ihn aber für mich und andere nicht mit kleinlichen Vorschriften knebeln. Ich will die Freiheit anderer achten.
- Ich will in Jesus den Sohn Gottes erkennen und anerkennen. Ich will für Jesus offen sein und ihm folgen. Er ist der Erlöser und Herr. Ihm vertraue ich.